Mähfreier Mai: „Es ist höchste Zeit, ein Umdenken anzustoßen“

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Kurzer Rasen ist ab sofort tabu – zumindest, wenn es nach der Aktion „Mähfreier Mai“ der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822 und der Gartenakademie Rheinland-Pfalz geht. Sie rufen dazu auf, die Gräser für eine größere Artenvielfalt wachsen zu lassen. Foto: Green Solutions

Mit der Aktion „Mähfreier Mai“ riefen die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 und die Gartenakademie Rheinland-Pfalz jüngst dazu auf, im Wonnemonat die Gräser für mehr Artenvielfalt wachsen zu lassen. Die TASPO wollte wissen, was Profigärtner von der Kampagne halten: „Es ist höchste Zeit, ein Umdenken anzustoßen“, schrieb uns darauf Gärtnermeister Albin Tanzberger, der im Landkreis Tuttlingen Menschen mit Beeinträchtigungen fachlich bei der Grünpflege anleitet.

Wegbewegen vom „durchgeplanten Mähwahn“

„Man kann dazu nur ‚endlich‘ sagen! Es ist höchste Zeit dafür, ein Umdenken zu bewirken und anzustoßen. Dazu müssen wir Gärtner und alle, die kommunale Grünpflege ausführen, selber damit beginnen, sich von dem durchgeplanten Mähwahn wegzubewegen. Unsere Kunden und Auftraggeber müssen nach und nach davon überzeugt werden, welche großen Chancen, welch großes Potenzial darin liegt, sich auch daran zu beteiligen, damit einen ernsten und nachhaltigen Beitrag zum Artenerhalt zu leisten.

Es müssen nicht immer gutgemeinte, aber vielleicht gar schlecht umgesetzte und angelegte Blühstreifen sein, die teuer und oft überhaupt nicht oder wenig der Insektenwelt dienen. Wir Gärtner müssen uns fortbilden, stärker Kenntnisse der gebietsheimischen Flora erwerben, direkte Zusammenhänge mit dem Vorkommen oder Nichtvorkommen von Insekten erkennen, überzeugen, dass Grünflächen nicht ausschließlich nur dann gepflegt und schön sind, wenn die horizontale Schnittgeometrie stimmt.

Anpassung in der Pflegeplanung wird notwendig werden

Der Zeitraum der veränderten Mähweise sollte sich nicht nur auf den Mai beschränken und zur größeren Akzeptanz auch mit dem Hinweis verbunden sein, dass eine Mäheinschränkung nicht für komplette Rasen- beziehungsweise Wiesenflächen gelten soll. Eine Inselbildung an Stellen, an denen eine besondere Flora ausgeprägt ist, wäre schon ein großer Fortschritt.

Eine Anpassung in der Pflegeplanung wird notwendig werden und auch eine Neukalkulation der Mähkosten. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Maßnahmen bestimmt mit einer Kostensteigerung unter anderem durch das veränderte Mähmanagement einhergehen. Das Ziel und die Anstrengung für eine Umkehr des doch dramatischen Insektenrückganges sollte uns allen aber den Preis Wert sein!

In moderne und umweltfreundliche Technik muss ebenso investiert werden, nicht nur bei der Immissionssenkung. Mähgerätschaften müssen unbedingt auch durch innovative An- und Umbauten so konstruiert werden, dass Insekten geschont werden und eine Chance für die Flucht vor dem Abmähen bekommen. Man bedenke, dass bei der jetzt üblichen Technik alles, von den Bienen über die Grashüpfer, Käfer und Co., geschreddert wird!

Grüne Branche um weiteren, immens wichtigen Aspekt bereichern

Es ist vieles nötig, aber auch vieles möglich – lasst es uns versuchen, bereichern wir auch die Grüne Branche um einen weiteren, immens wichtigen Aspekt. Ich freue mich über eine solch angeregte Initiative, setze selber ähnliche Maßnahmen in der Praxis schon um, und es finden sich erfreulicherweise auch Nachahmer.“ (Albin Tanzberger, Gärtnermeister aus Tuttlingen)

► Was halten Sie von der Aktion „Mähfreier Mai“? Gerne veröffentlichen wir auch Ihre Meinung oder Ihren Leserbrief – schreiben Sie uns per E-Mail an die TASPO Redaktion.

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