Grüne Branche

Malus sylvestris: zähe, empfindliche Schönheit

Am 25. April 2013, dem „Tag des Baumes“, ist es wieder soweit: Bundesweit finden Baum-Pflanzaktionen statt, mit denen auf den Wert und die Bedeutung dieses lebendigen Naturgutes hingewiesen wird. Zumeist steht die Aktion der Dr. Silvius Wodarz Stiftung in Verbindung mit dem „Baum des Jahres“ – 2013 ist es der Wildapfel (Malus sylvestris). Ihn wählte das Kuratorium Baum des Jahres im Oktober 2012 aus, weil sein seltenes Vorkommen in der Natur der öffentlichen Beachtung und des Bestandsschutzes bedarf.

In der freien Natur ist der Holzapfel nur selten zu finden. Foto: A. Roloff

Mit Malus sylvestris, umgangssprachlich auch Holzapfel genannt, proklamierte die Stiftung zum 25. Mal einen „Baum des Jahres“. M. sylvestris gehört mittlerweile zu den seltensten Baumarten in Deutschland. Obgleich der Holzapfel eine außerordentliche Klimatoleranz aufweist – er ist europaweit bis auf Nordskandinavien sowie Teile Griechenlands und Spaniens vertreten – und auch mit nährstoffarmen, trockenen Böden zurecht kommt, bleibt er aufgrund seiner relativ geringen Wuchshöhe von maximal zehn Metern und dem hohen Lichtbedarf konkurrenzschwach. Mit dem Kulturapfel ist Malus sylvestris auch deshalb nicht zu vergleichen, weil seine kleinen, herben und harten Früchte nicht für den rohen Verzehr geeignet sind.

Der Holzapfel gehört zu den gebietsheimischen Gehölzen und hat seine Bedeutung vor allem im Bereich der Ausgleichsmaßnahmen in der freien Landschaft. Jedoch ist er in den Baumschulen derzeit kein gängiges Produkt und wird eher selten, dann zumeist als Container- oder Ballenware, angeboten. Dass er bislang ein solches Nischendasein führt, mag auch am Fehlen virusfreien Vermehrungsgutes liegen, das beispielsweise für die Pflanzung innerhalb von Obstanbaugebieten vorausgesetzt werden muss.

Im Privatbereich findet der Holzapfel nur dort Verwendung, wo auf die naturnahe Gartengestaltung Wert gelegt wird. Neben den ästhetischen Aspekten wie Blüte und Fruchtbehang dient er vor allem der heimischen Fauna, beispielsweise als Bienenweide, Schutzraum für verschiedene Vogelarten oder Nahrungsquelle kleiner Säugetiere. Auf die Verbrauchernachfrage können vor allem spezialisierte Baumschulen reagieren.

Obwohl der Bund deutscher Baumschulen (BdB) Mitglied im Kuratorium „Baum des Jahres“ ist und die alljährlichen Ausrufungen mitträgt, würde sich die Baumschulwirtschaft eine bessere Koordination von Öffentlichkeitsarbeit und Angebotsmöglichkeiten wünschen. Denn positive Reaktionen auf die bundesweiten Pflanzaktionen, die mit einer steigenden Nachfrage nach dem jeweiligen Baum des Jahres einhergehen, können nach Einschätzung von Helmuth G. Schwarz, stellvertretendem Hauptgeschäftsführer des BdB, kaum Nachhaltigkeit entwickeln, wenn der Zeitraum zwischen Ausrufung und Pflanzaktion nur ein halbes Jahr beträgt.

Auch Eiko Leitsch, Vizepräsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), sieht den momentanen Zwiespalt zwischen dem aufkommenden Interesse für gebietsheimische Gehölze und ihrer noch nicht bundesweit gesicherten Verfügbarkeit. Während sowohl die Gewinnung zertifizierten Vermehrungsmaterials als auch die Produktionsvolumina in den Flächenländern außer Bayern und Baden-Württemberg ungeklärt seien, steige die Nachfrage, vor allem aber der fachliche Klärungsbedarf zur Pflanzenverwendung, erheblich an.

Es sei zu beobachten, dass die Verwendung gebietsheimischer Gehölze bereits in Bebauungspläne Eingang finde. Weil aber beispielsweise gebietsheimische Bäume in den wenigsten Fällen die geforderten Eigenschaften von Stadtbäumen aufweisen, laufe die Diskussion mancherorts in die falsche Richtung. Hier bestehe ein großer Klärungsbedarf, wobei die Aktion „Baum des Jahres“ auf die Darstellung der Vielfalt einheimischer Baumarten und ihren Erhalt am optimalen Standort abziele. (ks)