Maßnahmen für Trendwende im Gartenbau vorgestellt

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

Die Traubenhyazinthe wird auf der deutschen Roten Liste als „gefährdet" geführt, wird aber häufig als Zierpflanze verwendet und hat ihren Bestand in den letzten Jahrzehnten um 65 Prozent erhöht. Foto: Pexels/ Pixabay

Forschende des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Universität Leipzig sowie anderer Einrichtungen haben konkrete Maßnahmen vorgestellt, die für eine Trendwende im Gartenbau sorgen sollen. Dadurch sollen unter anderem rückläufige, heimische Arten geschützt werden.

Potentiale für „Conservation Gardening“

Die Biodiversität nimmt nicht nur mit Blick auf das Insektensterben ab, auch viele Pflanzenarten sind rückläufig. In Deutschland gelte das für rund 70 Prozent aller Pflanzenarten, wobei 27,5 Prozent als bedroht gelten und 76 Arten hierzulande bereits ausgestorben sind. Als einer der Gründe sei hier der Rückgang der Lebensräume durch zunehmende Verstädterung zu nennen, da allein in Deutschland zehn Prozent der Gesamtfläche als Siedlungsfläche genutzt wird. Diese Siedlungsfläche allerdings birgt noch ungenutztes Potential durch Millionen von Gärten, Balkonen, Gründächern, Parks und öffentlicher Grünanlagen. Die Forschenden schlagen diese Flächen vor, um sie für sogenanntes „Conservation Gardening“ zu nutzen. 

Trendwende im Gartenbau gefordert

Dabei handelt es sich um das gezielte Pflanzen von gefährdeten, heimischen Arten. „Gärtnerinnen und Gärtner sind seit jeher für die Verbreitung von Pflanzenarten verantwortlich. Sie könnten daher auch dazu beitragen die vielen verschwindenden heimischen Arten wieder zurückzubringen. Öffentliche und private Gärten und Grünflächen könnten dabei eine zentrale Rolle für die Erhaltung der Pflanzenvielfalt spielen. Doch hierfür wäre eine Trendwende im Gartenbau nötig“, sagt Josiane Segar, Wissenschaftlerin bei iDiv und der MLU. Sowohl das Bewusstsein der Bevölkerung für die Artenvielfalt sei gestiegen, als auch die Ausgaben für Pflanzen. Hier setzen die Forschenden an und fordern die Trendwende. Das Bewusstsein für Conservation Gardening müsse gefördert werden. Viele der bedrohten Pflanzenarten, so die Forschenden, seien an trockene Standorte angepasst und kommen mit dem Klimawandel besser zurecht, als viele derzeit im Gartenbau verwendete Arten.

Bessere Verzahnung nötig

Als zentrales Element des Conservation Gardening schlagen die Forschenden daher eine stärkere Verzahnung von Gartencentern mit dem Markt für heimisches Saatgut vor. Es sollte eine stärkere finanzielle Unterstützung für die Vermehrung zertifizierten Saatguts heimischer Pflanzen geben und auch die Vermarktung dieser Arten in Gartencentern sollte anhand von Mehrwertsteuersenkungen gefördert werden. Auch sollten regionale Listen angelegt werden mit rückläufigen Arten. Diese sollten dann anhand gezielter Bepflanzungskonzepte für private und öffentliche Flächen genutzt werden. „Conservation Gardening würde eine gezielte, strukturelle Veränderung des konventionellen Gärtnerns und Gartenbaus ermöglichen. Im großen Maßstab umgesetzt, erfordert es keine umfassenden Änderungen der bestehenden Naturschutz-Architektur”, fügt Dr. Ingmar Staude von iDiv und der Universität Leipzig hinzu. “Vielmehr werden bestehende und wirtschaftlich tragfähige Strukturen genutzt, um rückläufige Arten bei der Bepflanzung von Grünflächen zu fördern. In einer zunehmend urbanen Welt könnte so Naturschutz für Bürgerinnen und Bürger greifbar und inklusiv gestaltet werden.”