Grüne Branche

Megatrend: Heimisches Superfood vom Gärtner

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Vom Megatrend Gemüse können und sollen auch Zierpflanzen-Gärtnereien profitieren – etwa durch die Aufnahme von Gemüsepflanzen in ihr Sortiment, vielleicht sogar durch den Verkauf von selbstgezogenem Gemüse. Dafür macht sich Raimund Schnecking stark, Marketingexperte beim traditionsreichen Gemüse- und Blumenzucht-Unternehmen Volmary.

Mit bunten, nach Farben sortierten Tomatensorten, die vom Endkunden wie Bonbons selbst gemischt werden können, können sich Einzelhandelsgärtnereien ohne viel Aufwand vom LEH unterscheidbar machen. Foto: Volmary

 

Über ein Drittel des Gartenpflanzen-Umsatzes mit Gemüse und Kräutern

Alle Trend-Wegweiser zeigen in Richtung Gemüse, betont Schnecking. Die Menschen – auch immer mehr junge Leute – lieben alte Gemüsesorten, Outdoor-Küchen, Kräutergärten und Gemüse zum Selbstziehen. Schon jetzt würden 35 Prozent des Gartenpflanzen-Umsatzes mit Gemüse und Kräutern gemacht, Tendenz steigend. Nicht nur Hobbygärtner lieben frisches Gemüse und wollen regionale Produkte beim Erzeuger ihres Vertrauens kaufen.

Doch dem steht eine stark abnehmende Zahl der gemüseproduzierenden Betriebe gegenüber. Hierfür nennt Schnecking verschiedene Gründe: fehlende Hofnachfolge, alternative und „mühelosere“ Einkommensquellen, generell der Strukturwandel im Lebensmittelhandel.

 

Endverkaufsgärtnereien können vom Strukturwandel profitieren

Die Gemüse-Betriebe seien gezwungen, immer größere Mengen zu produzieren, dadurch werden sie aber immer marktferner und „unregionaler.“ Dieser Strukturwandel sei, so Schnecking, eine riesige Chance für Endverkaufsgärtnereien, die von der steigenden Nachfrage nach regionaler Vielfalt und ungewöhnlichen Sorten profitieren können.

Zwei Möglichkeiten hätten die Gärtnereien, vom Megatrend Gemüse zu profitieren, erklärt Schnecking. Zum einen die Produktion von Gemüse in Töpfen für den Hobbygärtner, im Grunde eine andere Form von Zierpflanzen. Zum anderen gäbe es immer mehr Endverkaufsgärtnereien, die wieder selbst Gemüse für den Verkauf produzieren. Die Voraussetzungen hierfür seien in letzter Zeit immer besser geworden, zum Beispiel durch eine deutliche Professionalisierung des Saatgutmarktes.

Umstellung auf Gemüse nicht auf die leichte Schulter nehmen

Dennoch, so räumt Schnecking ein, sei die Umstellung auf Gemüseproduktion nicht auf die leichte Schulter zu nehmen: „Gemüse ist anspruchsvoll, man kann nicht sagen, hoppla, jetzt stellen wir mal etwas Gemüse zwischen die Geranien.“ Gerade aus dem sehr persönlichen Verkauf und der engen Kundenbindung erwachsen allerhöchste Ansprüche an gesunde und essbare Kulturen. Nützlingseinsatz, biologischer Pflanzenschutz und eventuell Bioproduktion müssen wichtige Themen sein.

Weitere Tipps für Gärtner, die vom Megatrend Gemüse profitieren möchten, lesen Sie in unserem TASPO extra Genusspflanzen, das am 18. Mai in der TASPO 20/2018 erschienen ist.

Einen Mitschnitt von Schneckings Vortrag „Heimisches Superfood – wer produziert was, und wie kommt die Ware ins Geschäft?“ auf dem von der TASPO und der Messe Essen veranstalteten Obst-, Gemüse- und Kräutertag auf der IPM 2018, finden Sie hier als Video.