Grüne Branche

„Mit offener Nase durch die Welt“: wie bestimmte Düfte das Verhalten beeinflussen

Düfte locken Kunden an, beeinflussen das Kaufverhalten, wirken auf Kaufentscheidungen: Selbst die Kundenbindung lässt sich mit Düften beeinflussen („Corporate Duft-Identity“). Menschen lassen sich durch bestimmte Duftnoten zudem gezielt verwirren: So wurden in Versuchen füllige Frauen nach Anwendung von Parfüms mit bestimmten blumigen Duftnoten von Männern um rund sechs Kilogramm leichter eingeschätzt, während nach Pampelmusen riechende Frauen den befragten Männern bis zu sechs Jahre jünger erschienen. 

Dr. Lian Gelis vom Lehrstuhl für Zellphysiologie der Ruhr-Universität Bochum wies in ihrem Referat zum Thema „Einfach dufte“ an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Heidelberg auf diese Phänomene hin. Ihr Vortrag gehörte zu den Höhepunkten bei der Fachtagung Zierpflanzenbau.

Mit bestimmten Düften könne man das Verhalten der Menschen beeinflussen. Manche Industriezweige würden dies schon intensiv nutzen. Unter anderem zitierte sie Forschungsergebnisse des Chicagoer Neurologen und Geruchsforschers Dr. Alan Hirsch, wonach sich Männer von Frauen durch bestimmte Duftnoten gezielt verwirren lassen.

Nach Anwendung von Parfüms mit bestimmten blumigen Duftnoten würden füllige Frauen von Männern um rund sechs Kilogramm leichter eingeschätzt. Die betreffende Blumenduftmischung wirke damit ähnlich wie Längsstreifen an der Kleidung. Vom gleichen amerikanischen Geruchsforscher stammt die Erkenntnis, Pampelmusen-Duft mache Frauen jünger. Verschiedene Frauen spielten mit und Männer mussten schätzen, wie alt die jeweiligen Damen waren. Ergebnis: Nach Pampelmusen riechende Frauen erschienen den befragten Männern bis zu sechs Jahre jünger, als es wirklich der Fall war!

Eine Studie des Königlichen Automobil-Clubs in England ermittelte, wie bestimmte Düfte auf Autofahrer wirken. So verleite Brot- und Essensduft zu schnellerem Fahren. Grasduft könne im Auto ebenfalls problematisch sein, denn er verführe zum Träumen. Rosmarin- und Zitronenduft haben dagegen eine belebende Wirkung, sie gelten quasi als Wachmacher. Im Gegensatz dazu haben Lavendel- und Jasminduft einen entspannenden Einfluss.

Ein von 2005 bis 2009 durchgeführtes Pilotprojekt „Dufte Schule“ brachte ebenfalls interessante Erkenntnisse. Diese können auch auf Arbeitsplätze übertragen werden. Über 800 Schülerinnen und Schüler aus 30 Schulklassen waren beteiligt. Ein Duft aus Lavendel, Zitrone und Orange führte bei 40 Prozent der Schüler/innen zu verbesserter Konzentration, bei 39 Prozent zu Leistungssteigerung und bei 33 Prozent zu verringerter Aggressivität.

Auch schlechte Düfte lassen sich gegebenenfalls wirtschaftlich verwerten. Die Geruchswissenschaftlerin gab hierzu einen Tipp für Mahnverfahren: „Versand von beduftetem Briefpapier, welches von Tag zu Tag einen immer übleren Geruch abgibt.“

Wie der einzelne Mensch bestimmte Düfte bewertet, ist nach Angabe von Gelis eng an Erinnerungen gekoppelt. Beispiel: die Erinnerung an Omas Apfelkuchen! Ein mittlerweile bekannter Makler-Tipp laute: „Willst Du ein altes Haus verkaufen, so backe vor der Besichtigung einen Apfelkuchen.“ Der Interessent fühle sich dann an Großmutters Küchentisch versetzt und empfinde die Atmosphäre als wunderbar.

Bestimmte Gerüche, mit denen der Mensch in seinen ersten Lebensjahren schlechte Erfahrungen machte, werden auch später als schlecht empfunden. Medizinisch ist unter anderem relevant, dass der Warn- und Schmerznerv von vielen Duftstoffen aktiviert wird. Herausgestellt wurde auch die Wirkung der ätherischen Öle, genutzt in der Kosmetikindustrie, Naturheilkunde Aromatherapie) ebenso wie in der Medizin. Die schleimlösende Wirkung von Menthol ist eines von vielen Beispielen.

Dass Rosenduft stimulierend und harmonisierend wirkt, wird nach Angabe von Gelis vor allem in Japan viel genutzt. Zu den „Superstars“ unter den duftenden Pflanzen zähle der Lavendel mit der tröstenden und entspannenden Wirkungen des betreffenden Duftes.

„Gehen Sie mit offener Nase durch die Welt“ – riet Lian Gelis zum Abschluss ihres Heidelberger Vortrags.

Mehr zur Heidelberger Fachtagung Zierpflanzenbau lesen Sie in unserer aktuellen TASPO Ausgabe 32/2012. (eh)