Grüne Branche

„Mit Vergnügen“

Damals noch außerhalb der Stadt gelegen, feierten hier die Einwohner von Lissabon ihren Jahrmarkt. Später entstand auf dieser Fläche ein Friedhof. Die Stadt wuchs und heute liegt er mitten im Zentrum. Der Cemiterio dos Prazeres zählt zu den ältesten Friedhöfe in Portugals Hauptstadt.

Der Friedhof (Eingang hinten links) ist zugleich Endstation der Straßenbahn Linie 28. Foto: Martin Glauert.

Sogar der Weg zum Friedhof kann Spaß machen. Jedenfalls dann, wenn man einen Fensterplatz erwischt. Die uralte gelbe Straßenbahn mit der Nummer 28 rumpelt gemütlich durch halb Lissabon, bis sie schließlich am Cemiterio dos Prazeres ankommt. „Endstation Friedhof“, ruft der Schaffner - ein unfreiwilliger Philosoph!

Durch ein mächtiges Marmorportal betritt man den ältesten und wohl auch schönsten Friedhof Lissabons. Während der Cholera-Epidemie 1833 wurde er angelegt, damals noch außerhalb der Stadtmauern. In der Mitte erhebt sich eine große Kapelle, von hier aus führen schachbrettartig angelegte Zypressenalleen in alle Richtungen und laden ein, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Dabei muss man Katzen ausweichen, die sich gemütlich schnurrend auf den Wegen breit machen. Sie lassen sich vom Besucher nicht stören, schließlich ist dies ihr Zuhause. Provokativ räkeln sie sich mit Vorliebe vor dem einzigen Hundegrab, wohl wissend, dass der Bello aus Marmor ihnen nichts anhaben kann.

Auf einem herrschaftlichen Grabmal prangt eine Bronzeplatte mit dem Portrait des Verstorbenen, der Herr mit dem eindrucksvollen Walrossbart erweist sich als Antonio Augusto de Acuiar, Gründer des Portugiesischen Industrieverbandes. Eine junge Frau steht davor und betrachtet sein Bild halb wehmütig, halb nachdenklich. Eine Schrecksekunde lang ist man verlegen, fühlt sich als Störenfried der intimen Szene, bis man erkennt, dass die Frau aus Stein ist, ebenso wie der Engel, der auf dem Sockel sitzt und gedankenversunken in einem Buch blättert. Lesen Sie mehr dazu in der Juli-Ausgabe der Friedhofskultur ab Seite 34.