Grüne Branche

Mit Volldampf zur Lösung?

Reduzierung von Bodenmüdigkeit
Wie lassen sich Wachstumsdepressionen und Bodenmüdigkeit insbesondere bei Gehölzen der Familie Rosaceae minimieren, wenn chemische Mittel zur Bodenentseuchung wie Basamid Granulat nicht mehr zur Verfügung stehen? Auf der Suche nach Alternativen gewinnt das Dämpfen des Substrats an Bedeutung. Hier hat die Technik einiges an Neuem zu bieten.

Die Weiterentwicklung dieser Technik wird als Projekt der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP ) gefördert und trägt den Titel „Einführung und Optimierung eines mobilen, kontinuierlichen Verfahrens zur Bodendämpfung für erdgebundene Baumschulkulturen“.

Das Dämpfen von Substraten wird im Gartenbau bereits seit Jahrzehnten genutzt, um Pflanzsubstrate und Erden für die Kultur von Zierpflanzen im Gewächshaus und zur Jungpflanzenanzucht zu sterilisieren, das heißt von unliebsamer Pflanzenkonkurrenz und von Schadorganismen im Boden zu befreien.

Das Phänomen der Bodenmüdigkeit, dessen Ursachen aktuell im Rahmen eines in einem Wissenschaftsverbund geförderten Projekts aufgedeckt werden sollen, wurde lange mit chemischen Mitteln minimiert. Die bislang in der Praxis gebräuchlichen Präparate wie Basamid Granulat stehen derzeit jedoch nicht mehr zur Verfügung, so dass nach neuen Wegen gesucht werden muss.

Auf der Suche nach Alternativen
Es gilt, die langjährig genutzten, bodenmüden Kulturflächen im Freiland auch in Zukunft ausreichend produktiv zu halten, das heißt, die mit der Bodenmüdigkeit einhergehenden Wuchsdepressionen insbesondere bei Rosaceen nachhaltig zu verringern.

Die wissenschaftlich begleiteten Versuche sollen von Beginn an sämtliche aktuell vorhandenen Analysemöglichkeiten mit einbeziehen.


Mobil ist aufwendig: Einblicke in das Verfahren
Thermische Voraussetzungen: Um die gewünschte Desinfektionswirkung zu erzielen, ist es notwendig, die obere Bodenschicht (bis etwa 15 cm) flächendeckend für einige Minuten bis auf 85 °C aufzuheizen.
Hierzu stehen verschiedene Prototypen von Bodendämpfungsaggregaten zur Verfügung (siehe www.mobildampf.de), von denen eins im Kreis Pinneberg eingesetzt wurde, in unserem Beispiel in der Forstbaumschule Grelck (Halstenbek).

Die Analyse – mit einer Fülle von Daten
Im Rahmen der Versuche zur Bodendämpfung werden lückenlos alle Eckdaten erfasst, die für eine praxisorientierte Einstufung dieser Alternative benötigt werden. Zur Beurteilung der Kulturfläche sind dies unter anderem: Bodenstruktur, Bodentemperatur zum Zeitpunkt der Bearbeitung und Bodenfeuchte. Im Hinblick auf den Maschineneinsatz werden zum Beispiel Daten zur Leistungsfähigkeit des Dämpfaggregats, zur Fahrgeschwindigkeit und zur Dämpfungstiefe aufgezeichnet.

  • Die Versuche sollen zugleich weitere Fragen klären:
  • Wann ist der optimale Anwendungszeitraum (Frühjahr oder Herbst)?
  • Wie wirksam ist die Bodendämpfung gegen Unkräuter?
  • Wie wirkt sich das Verfahren auf das Bodenleben und die Nährstoffverfügbarkeit im Boden aus (Freisetzung, Festlegung, Verlagerung)?
  • Welche Bodentemperatur ist für die Bearbeitung optimal, in Abhängigkeit von Bodenstruktur und -feuchte?

Dies alles soll letztlich dazu beitragen, eine vorhandene Bodenmüdigkeit auf nahe Null zu reduzieren.
Dr. Heinrich Lösing, Ellerhoop; Helmuth G. Schwarz, Appen

Lesen Sie den ausführlichen Bericht in Ausgabe 11/2016 Deutsche Baumschule.