Grüne Branche

Mitgliederversammlung Westfalen-Lippe: vom Torfersatz zum Probeschlag auf dem Golfplatz

Von Torf bis Golf reichte in diesem Jahr die Themenpalette bei der Mitgliederversammlung des Landesverbandes Gartenbau Westfalen-Lippe in Fröndenberg. Denn zunächst besichtigte man das Einheitserdewerk Balster und diskutierte das Thema Torfersatzstoffe. Nach dem theoretischen Teil der Regularien einer Mitgliederversammlung ging es in eine sportliche Kaffeepause. Direkt vor den Terrassentüren lud der Golf-Club Unna-Fröndenberg zu ein paar Probeschlägen.

Im Einheitserdenwerk Balster: Wie geht es weiter mit Torfersatzstoffen? Foto: Gabriele Friedrich

In drei Gruppen führten Gerhard und sein Sohn und jetziger Geschäftsführer Christian Balster sowie Betriebsleiter Joachim Jahn die Interessierten durch den 1949 gegründeten Betrieb. Sie erläuterten, warum eigentlich das Balster Einheitserde Werk ausgerechnet in Fröndenberg an der Grenze zum Sauerland siedelt.

Hier am Haarstrang können sie geeigneten Ton abbauen, der ist schwer und teuer zu transportieren. In England steht Torf in Hobby-Erden bereits in heftiger Diskussion, ein Verbot könnte kommen. Dann müsste man auf Torfersatzstoffe zugreifen.

Für den Hobby-Bereich ist dies möglich, sagte Jahn, im Profi-Bereich jedoch ist Torf derzeit nicht komplett ersetzbar. Etwa 30 bis 40 Prozent Torf ersetzen, das müsste machbar sein, so Jahn. Er nannte die Hauptschwierigkeiten, an gute Ersatzstoffe wie Holzfasern zu kommen, durch die harte Konkurrenz der Energiewirtschaft. Auch der Torf selbst gehe in zahlreichen Ländern größtenteils in die thermische Verwertung, also Verbrennung.

Helmut Rüskamp, Präsident des Landesverbandes Gartenbau Westfalen-Lippe, forderte, darauf in der Öffentlichkeit vermehrt hinzuweisen. Dieses Problem sei in der politischen Diskussion viel zu wenig bekannt. Er ging während der Mitgliederversammlung in seiner Rede vor allem auf den ungewöhnlichen Witterungsverlauf in NRW ein. Es sei daher zu erwarten, dass es für den Gartenbau ein weiteres schweres Jahr werden wird.

Die Saison habe sich jedoch länger hingezogen als üblich, sodass die Hoffnungen jetzt auf dem Sommer- und Herbstgeschäft ruhen. Der Geschäftsführer des Verbandes, Jürgen Winkelmann, verwies auf die Hilfestellung, die der Verband Betrieben geben kann, die durch das Wetter in finanzielle Bedrängnis geraten: gemeinsame Gespräche mit Banken, Vermittlung von betriebswirtschaftlicher Beratung, Rechtsberatung oder Stundung und ratenweise Zahlung des Mitgliedsbeitrages.

Er verwies auf die Absicht des Gesetzgebers, das Landesforstgesetz zu ändern. Viel Engagement und noch mehr Gespräche hätten jetzt zu einer Selbstverpflichtung der Betriebe geführt, ihre Kulturführung und Verhaltensweisen nachhaltig zu ändern. Wenn die Vorgaben jedoch nicht erfüllt werden, dann droht doch noch eine gesetzliche Regelung, warnte Winkelmann.

Ende Juni hatten Vertreter des Berufsstandes die Gelegenheit, im Landtag Stellung zur Änderung des Bestattungsgesetzes zu beziehen, so Winkelmann weiter. Es ging vor allem um das Festschreiben von Beisetzungsfristen für Urnen, die Möglichkeit als privater Unternehmer Friedhöfe betreiben zu können, ordnungsbehördliche und Sozialbeisetzungen und um die Friedwaldproblematik.

Eine weitere Stellungnahme an den Ausschuss werde derzeit vorbereitet, so Winkelmann. Weiterhin arbeite die Fachgruppe an dem Ziel, dass die Grabpflege, die Lieferung von Grabsteinen der kommunalen und konfessionellen Friedhofsträger den gleichen umsatzsteuerlichen Auflagen unterworfen werden wie private Gewerbetreibende.

Wegen der Neuregelung im Pflanzenschutzrecht, der Überprüfung von Pflanzenschutzgeräten sowie der Regelung der Sachkunde laufen gerade Gespräche mit der Landwirtschaftskammer NRW, informierte Winkelmann. Die jetzt notwendigen Schulungsveranstaltungen sollten möglichst in einem größeren Rahmen erfolgen, um die Kosten gering zu halten. (fri)

Lesen Sie mehr zum Thema in der aktuellen TASPO Ausgabe 29/2013.