Grüne Branche

Moorschutz: NABU Niedersachsen und IVG mit gemeinsamem Konzept

Der NABU Niedersachsen und der Industrieverband Garten (IVG) haben am 17. Juli ein gemeinsames Natur- und Klimaschutzkonzept unter Einbeziehung der Rohstoffnutzung vorgelegt. Wie der IVG mitteilt, liegt im Ergebnis eine Liste von niedersächsischen Moorgebieten vor, in denen aus Sicht des NABU und des IVG von der Industrie unter definierten Rahmenbedingungen ein wesentlicher Beitrag für ein Mehr an Moorschutz in Niedersachsen geleistet werden kann. 

NABU und IVG fordern von der Niedersächsischen Landesregierung eine Verankerung des Konzeptes in der vorgesehenen Aktualisierung des Landesraumordnungsprogrammes (LROP).

Entgegen der bisher bestehenden Genehmigungspraxis betrachtet das vorliegende Konzept laut IVG nicht nur die direkt von der Rohstoffnutzung beanspruchten Flächen. Grundlegend für eine nachhaltige Entwicklung der Hochmoorgebiete sei eine umfassende naturschutzfachliche Planung für den gesamten Moorkomplex.

Die torfabbauende Industrie werde verpflichtet, auch angrenzende hydrologisch zusammenhängende, von der Rohstoffnutzung nicht beanspruchte Moorflächen in der Renaturierungsplanung zu berücksichtigen und Maßnahmen umzusetzen. Staatliche Fördermittel würden hier nicht eingesetzt.

„Effektiver Klimaschutz wird durch eine vollständige Aufgabe der Torfgewinnung in Niedersachsen nicht erreicht. Da Torf gerade im Erwerbsgartenbau derzeit nicht vollständig zu ersetzen ist, wird die Importquote erhöht. Damit exportiert Niedersachsen seinen ökologischen Fußabdruck lediglich in andere Länder wie etwa die des Baltikums. Wir sind jedoch gefordert, hier vor Ort nachhaltige Strategien zu entwickeln, die möglichst vielen gesellschaftlichen Anforderungen Rechnung tragen“, erklärt Tanja Constabel vom Industrieverband Garten.

Dr. Holger Buschmann, NABU-Landesvorsitzender Niedersachsen, legt Wert auf die Feststellung, dass der NABU weiterhin grundsätzlich den Torfabbau ablehne und sich für eine Reduzierung des Verbrauches ausspricht. Wenn ein Torfabbau jedoch unterstützend zur Hochmoorrenaturierung genutzt und die Klimarelevanz der Rohstoffentnahme mit zusätzlichen Maßnahmen kompensiert wird, die Torfauflage durch landwirtschaftliche Nutzung eh verloren gehen würde und der Rohstoffbedarf nicht ohne Torf gedeckt werden könne, werde der Abbau in Niedersachsen unter Berücksichtigung hoher Standards geduldet.

„Der NABU arbeitet weiter mit aller Kraft daran, den Einsatz dieses fossilen und damit endlichen Rohstoffes zu reduzieren und zu ersetzen. Die derzeitige Perspektive vieler ehemaliger Moorlandschaften ist aufgrund der zunehmenden Intensivierung der Landwirtschaft jedoch katastrophal“, so Dr. Buschmann. „Das vorliegende Konzept zielt daher vor allem auf genutzte Moorböden außerhalb von Schutzgebieten.“

Die vorgelegte Konzeption, so der IVG weiter, kann ein Baustein sein, Hochmoorflächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung in eine Wiedervernässung und damit wieder in die Entwicklung eines Hochmoores zurückzuführen. Die Akteure fordern eine Verankerung des Konzeptes in der vorgesehenen Aktualisierung des LROP (siehe TASPO 29/2014).

Der Ende Juni 2014 vorgelegte Entwurf des LROP sieht vor, dass 100.000 Hektar Moorfläche – großteils unter landwirtschaftlicher Nutzung – zu Flächen für den Torferhalt und die Moorentwicklung werden sollen. Dieses Ziel sei aber gemäß des IVG ohne Zwang oder erhebliche öffentliche Mittel nicht zu erreichen.

Das von NABU und IVG vorgelegte Konzept hingegen könne innerhalb eines bereits konkretisierten Suchraumes von rund 25.000 Hektar mit 8.450 Hektar möglicher Rohstoffentnahme dazu beitragen, die Ziele der Landesregierung mithilfe der Industrie zu realisieren. (ts/ivg)