Mooswände sollen Feinstaub reduzieren

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Das Thema Feinstaub ist besonders in urbanen Ballungszentren immer wieder ein Thema, welches die Gemüter erhitzt. Ein Forschungsprojekt, welches sich mit Mooswänden zur Bekämpfung von Feinstaub beschäftigt liefert nun erste Ergebnisse.

Feinstaubbelastung in Städten zu groß

In den urbanen Zentren hat die Feinstaubbelastung in der Luft dramatische Auswirkungen, denn in vielen Großstädten hierzulande werden die Grenzwerte von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Tagesdurchschnitt regelmäßig überschritten. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Wie sich dieser Feinstaub eindämmen lässt, will das Forschungsprojekt MoosTex mit den Kooperationspartnern Helix Pflanzen GmbH, Deutsches Institut für Textil- und Faserforschung (DITF) und dem Bauunternehmen Ed. Züblin AG zeigen. Anfang September wurden erste Ergebnisse des Projekts bekannt gegeben.  

Luftverbesserung und Schallschutz durch Moose

Zunächst wurde gemeinsam ein modulares, begrüntes Wandsystem entwickelt. Dieses lasse sich flexibel in urbanen Räumen einsetzen und solle die Luftqualität verbessern, sowie gleichzeitig die Lärmbelästigung eindämmen. In einem Zeitraum von drei Jahren wurde dieses System unter realen Umweltbedingungen an verkehrsreichen Straßen in Ludwigsburg und Stuttgart getestet. Insgesamt wurden sieben Paneele mit je einem Meter Breite und 2,50 Meter Höhe eingesetzt, in deren querliegenden Schienen Module aus moosbewachsener, textiler Funktionsstruktur eingesetzt werden konnten. Bereits vor zehn Jahren bewiesen Forscher der Uni Bonn, dass neben Gehölzen vor allem Moose dafür verantwortlich sind, dass Feinstaub gebunden werden kann. Da Moos im Winter keinerlei Blätter abwirft, bleibt es auch in der kalten Jahreszeit aktiv und können Feinstaub binden.

Moose können Feinstaub binden und verarbeiten

Im Labor haben etliche Versuche gezeigt, dass Moos 60 Prozent des gebundenen Feinstaubs innerhalb von nur 26 Tagen abgebaut hatte, weshalb sie für das Projekt hervorragend geeignet seien. „Moose sind aufgrund verschiedener Eigenschaften die perfekten Feinstaubvernichter. Ein Quadratmeter Moospolster verfügt über viele Millionen kleinster Blättchen, die zusammen eine riesige Oberfläche bilden. Die Pflanzen nehmen ihre Nährstoffe nicht über die Wurzeln, sondern direkt über diese Blätter auf. Ammoniumionen beispielsweise, die durchschnittlich 40 Prozent des Feinstaubes ausmachen, benötigen sie für ihr Wachstum. Die positiv geladenen Mikropartikel in der Luft werden von den negativ geladenen Moosflächen angezogen und verstoffwechselt. Andere Bestandteile des Feinstaubs - etwa Salze und organische Kohlenwasserstoffe - sind für Bakterien, Blaualgen und tierische Einzeller, die zwischen den Moosblättchen leben, eine wichtige Nahrungsgrundlage. So wird aus dem Feinstaub nach und nach Biomasse", erklärt Hans Müller, Geschäftsführer der Helix Pflanzen GmbH die Vorgehensweise der Mosse.  

Moosmischungen und textile Strukturen wurden entwickelt

Für die in die Paneele eingesetzten Module entwickelte DITF spezielle Textilbahnen, auf denen sich die von Helix entwickelten Moosmischungen am besten kultivieren ließen. „Bei der Auswahl der Moosarten und -kombinationen haben wir auch darauf geachtet, wie sich das optische Erscheinungsbild verschiedener Kombinationen im Laufe der Jahreszeiten verändert. Denn auch dieser ästhetische Aspekt ist ja ein entscheidender Faktor, wenn die Paneele in Innenstädten aufgestellt werden sollen", führt Müller weiter aus. Neben der optimalen Pflanzenmischung wurde auch ein geschlossenes Bewässerungssystem entwickelt. „Für eine optimale Luftreinigung ist es entscheidend, dass die Feuchte stimmt: Trockenes Moos entfaltet kaum Wirkung, zu nass darf es aber auch nicht sein.“ Die Vermarktung der entwickelten Moos-Paneele werde zukünftig gemeinsam von Züblin und Helix erfolgen.

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