Grüne Branche

Nach dem Wegfall der Veiling-Preisinformationen: neue Lösungen gesucht

Die Versteigerung FloraHolland macht ihre wöchentlichen Preisinformationen seit der Kalenderwoche 30 nicht mehr öffentlich, weder auf ihrer Website noch über Fachmedien wie der TASPO. Die Veiling Rhein-Maas schließt sich dem an (wir berichteten in der TASPO 32 und 35/13). Wie sieht die Situation nun in der Praxis aus, nachdem es keine öffentlichen Preisinfos mehr gibt? Woran können sich Betriebe, die keiner Vermarktungsorganisation angeschlossen sind, künftig orientieren? 

Begründet haben die Vermarkter ihre Entscheidung wie folgt: Nach Einschätzung der Veiling FloraHolland waren diese Preisinformationen zu einseitig und daher für eine ganze Reihe von Produktgruppen von zu geringem Wert. Die veröffentlichten Preise hätten nur Durchschnittswerte von Produkten und Preisen wiedergegeben und spiegelten zudem nur die Verkäufe an der Uhr wider, deren Anteil bekanntlich weitaus geringer ist als der Anteil der Direktverkäufe und der an Bedeutung abnimmt.

Ein großer Anteil der FloraHolland-Mitglieder wünsche die Veröffentlichung zudem nicht mehr, heißt es in einem Schreiben an die Fachmedien. Die Veiling Rhein-Maas hat sich dieser Entscheidung angeschlossen und stellt nur die wöchentlichen Top 10 beim Umsatz zusammen – allerdings ohne nähere Zahlenangaben zu Mengen oder Preisen (siehe Seite 2 in der TASPO).

Viele Gärtner zeigen sich enttäuscht über die neue Informationspolitik. „Mir ist durchaus bewusst, dass die veröffentlichten Preise nicht immer die aktuellsten und genauesten waren und teilweise viel zu niedrig für uns, aber sie gaben immer eine sehr gute Richtschnur“, sagt ein westdeutscher Zierpflanzenproduzent. „Sie waren eine Art Preisbarometer, das uns Zeichen setzte, wo es gerade nicht so gut läuft, worüber wir im Gärtnerkreis diskutieren und nach Ursachen suchen konnten.“

Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) hatte sich bisher der Veiling-Preisinformationen bedient und sie über das Informationssystem Hortigate verbreitet. „Diese Informationen haben mehr Transparenz gegeben, waren für unsere Betriebe wertvoll, weil sie Entwicklungen aufzeichneten und sicher bei der einen oder anderen betrieblichen Entscheidung geholfen haben“, sagt ZVG-Generalsekretär Dr. Siegfried Scholz. Der ZVG bedauere die Entscheidungen der Veilingen, zumal Marktdaten im Gartenbau einfach Mangelware seien. Die Aufwendungen, selbst solche Daten zu erheben, seien über den ZVG aber derzeit nicht finanzierbar. Der Verband wolle versuchen, in Gesprächen mit den Vermarktern Lösungen zu finden.

Was können die Betriebe nun tun?, fragten wir verschiedene Marktexperten. „Vermarktungsorganisationen wie FloraHolland oder Veiling Rhein-Maas sind private Organisationen, die keinerlei Verpflichtung haben, ihre Marktdaten außerhalb ihres Mitgliederkreises an Private öffentlich zu machen“, heißt es richtig. Hinzu kommt, dass das Wissen um Preise auch zu einem immer wesentlicheren Marktvorteil geworden ist, den sie verständlicherweise ihren eigenen Mitgliedern zugute kommen lassen.

Betriebe sind hier nach Einschätzung von Branchenkennern selbst in der Pflicht: „Es ist klar, dass beispielsweise Erzeugerbetrieben, die keiner Organisation angeschlossen sind, ohne die Preisdaten der Veilingen Orientierung fehlen dürfte. Aber wer sich den bestehenden Systemen nicht anschließt, der hat nun einmal auch keinen Anspruch auf solche Infos“, sagt ein weiterer Marktexperte. Betrieben empfiehlt er deshalb, sich mit anderen Betrieben selbst zu organisieren oder sich verstärkt in den Gartenbauverbänden zu engagieren. „Wenn jeder Betrieb seine Daten regelmäßig und freiwillig meldet, dann lässt sich daraus – beispielsweise über die AMI – ein aktueller und guter Überblick erstellen“, rät er.

Das Ganze funktioniere aber eben nur mit aktivem, auch finanziellem Engagement der Betriebe. Sich auf die Versteigerungsdaten an der Uhr zu stützen, hält der Experte langfristig sowieso für ungeeignet. „Gerade dieses Jahr hat doch gezeigt, dass das nicht funktioniert.“ Die Preise hätten zeitlich und regional abhängig von den Marktgegebenheiten viel zu sehr geschwankt. „Wir arbeiten im Gartenbau ja nun einmal nicht mit Instrumenten wie Preissubventionen, deshalb sind unsere Preise völlig unterschiedlich.“ (kla)

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der aktuellen TASPO 37/13.
Ihre Meinung zur neuen Informationspolitik der Veilingen können Sie uns gerne zusenden per Fax: 05 31–3 80 04–40 oder E-Mail: red.taspo(at)haymarket.de, Stichwort „Preisinformationen“.