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Nach Erntehelfer-Protest auf Spargelhof: Insolvenzverwalter angezeigt

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Reichlich Medienwirbel gibt es derzeit um den Spargelhof Ritter in Bornheim. Nachdem zunächst die tagelangen Proteste der in dem insolventen Betrieb beschäftigten Erntehelfer wegen Lohnausfall und unhaltbarer Zustände in den Unterkünften für Schlagzeilen gesorgt hatten, wurde jetzt gegen den Insolvenzverwalter des Spargelhofs Anzeige erstattet.

Aus Protest über nicht bezahlte Löhne und die unzumutbaren Unterkünfte hatten Erntehelfer auf dem Spargelhof Ritter mehrere Tage die Arbeit niedergelegt. Symbolbild: Ulrike Leone/Pixabay

Vorwurf: Erntehelfer ohne Hinweis auf laufende Insolvenz angeworben

Wegen des Verdachts auf Betrug, Vorenthaltung von Arbeitslohn sowie vorsätzliche oder fahrlässige Körperverletzung hat der örtliche Bundestagsabgeordnete der Partei Die Linke, Dr. Alexander Neu, jetzt Anzeige gegen den Insolvenzverwalter von Spargel Ritter erstattet. Man habe die Erntehelfer aus Osteuropa für den Betrieb angeworben, ohne sie über das laufende Insolvenzverfahren zu informieren, erklärte Neu gegenüber lokalen Medien. Damit seien die Saisonarbeitskräfte gezielt getäuscht worden. Zuvor hatte bereits die Gewerkschaft Freie Arbeiter*innen-Union Bonn (FAU) angekündigt, das Eröffnen von etwa 180 Gerichtsverfahren gegen den Insolvenzverwalter prüfen zu lassen.

Saisonarbeitskräfte legen Arbeit aus Protest nieder

Publik geworden waren die Missstände auf dem Spargelhof Ritter, nachdem am 15. Mai mehr als hundert der überwiegend aus Rumänien kommenden Saisonarbeitskräfte ihre Arbeit niedergelegt hatten, um gegen nicht bezahlte Löhne und unhaltbare Zustände in den Unterkünften zu protestieren. Medienberichten zufolge war den Erntehelfern entweder gar kein oder nur ein kleiner Teil des ihnen zustehenden Lohns ausbezahlt worden. So habe etwa einer der Betroffenen berichtet, lediglich 225 Euro statt der vereinbarten 2.000 Euro erhalten zu haben.

Ebenso klagten die Saisonarbeitskräfte über ihre Unterkunft auf dem Spargelhof. Demnach waren die Wohnräume nicht beheizt und dreckig, und pro Zimmer seien vier bis fünf Personen auf engem Raum untergebracht. Zudem seien die Zustände in den Dusch- und Toilettenräumen katastrophal, wie einer der Erntehelfer Medienberichten zufolge angab. Anlass zur Sorge gaben mit Blick auf die Corona-Pandemie auch die Arbeitsbedingungen – hier war zum Teil von fehlenden Masken oder nicht erfolgter Aufklärung über Schutzmaßnahmen zu hören, wobei die Arbeiter hier zum Teil widersprüchliche Angaben gemacht hätten, wie es heißt.

Rumäniens Arbeitsministerin informiert sich über Zustände auf Spargelhof

Weitere Protest-Aktionen von Erntehelfern des Spargelhofs Ritter gab es in den darauffolgenden Tagen, was sogar die Aufmerksamkeit von Rumäniens Arbeitsministerin Victoria Violeta Alexandru erregte, die sich im Rahmen ihrer Deutschlandreise vor Ort in Bornheim über die Situation der Arbeiter informierte. Wie unter anderem der Express berichtet, wurde den rumänischen Saisonarbeitskräften in der vergangenen Woche schließlich der noch ausstehende Lohn ausbezahlt.

Gegen den Erdbeer- und Spargelhof Ritter war Anfang März das Insolvenzverfahren eröffnet worden, der Betrieb sei aber zumindest bis zum Abschluss der Ernte 2020 gesichert, wie der zuständige Insolvenzverwalter erklärt hatte. Auch mit potenziellen Investoren soll es demnach bereits Gespräche gegeben haben.

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