Grüne Branche

Nachgefragt: Zeit fürs E-Mobil im Garten- und GaLaBau?

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Der Diskussion rund um CO2, SUV und E-Mobilität kann sich aktuell kaum jemand verschließen. Die Bundesregierung will die Schadstoffbelastung in der Luft reduzieren und durch eine Förderung etwa die Nachfrage nach E-Autos steigern. Wie reagieren Gartenbau- oder GaLaBau-Unternehmer darauf – ist ein E-Fahrzeug im Betriebsalltag heute überhaupt schon lohnend? Wir haben uns in der Branche umgehört.

Radius eines Elektrofahrzeugs reicht für Bauleiter noch nicht aus

„Grundsätzlich bin ich für einen ressourcenschonenden Umgang mit der Natur“, sagt Peter Knappmann (Knappmann Landschaftsbau, Essen) und erklärt: „Im Bereich unserer Kleingeräte haben wir heute rund 70 bis 80 Prozent bereits auf Elektrogeräte umgestellt. Ob Heckenschneider oder Motorsäge – die handgeführten Geräte sind heute für unsere Bedürfnisse im GaLaBau ausreichend leistungsfähig. Akkus sind in den letzten Jahren leistungsfähiger geworden, lassen sich zwischen den Geräten wechseln, um nur zwei Vorteile zu nennen.“

Im Fuhrpark bei großen Maschinen, Transportern oder bei Autos für die Bauleiter sehe das allerdings ganz anders aus, zeigt Knappmann auf. „Die Technologien sind insgesamt noch nicht ausgereift, als dass wir unsere diesel- oder benzinbetriebenen Fahrzeuge und Maschinen tauschen könnten. Weder das Stromnetz ist ausreichend – so ist der Baustrom auf Baustellen nicht dafür ausgelegt, Maschinen ausreichend aufzuladen – noch reicht der Radius eines E-Fahrzeugs mit einer Stromladung für unsere Bauleiter aus, die jeden Tag von Baustelle zu Baustelle unterwegs sind.“

Elektrofahrzeuge fallen im Alltagstest durch

Bei Hans-Christian Leonhards (Jakob Leonhards Söhne, Wuppertal) war das Thema E-Mobilität gerade sehr präsent. „Wir haben vier neue Transporter gekauft und uns mit dem Thema intensiv auseinandergesetzt, viele Fahrzeuge ausprobiert und alles ganz ohne Emotionen durchgerechnet“, erzählt er. „Den Alltagstest haben die Elektrofahrzeuge bei uns nicht bestanden. Schon beim Einsatz eines zusätzlichen Anhängers gab es Probleme. Schlussendlich haben wir uns für Dieselfahrzeuge mit der höchsten Schadstoffklasse entschieden“, zeigt Leonhards auf.

Anders als bei Fahrzeugen und großen Maschinen wird im GaLaBau-Betrieb von Leonhards bei Kleingeräten auch elektrisch gearbeitet. „Bei Heckenscheren und Co. liegt der Anteil der elektrischen Geräte bei uns heute bei rund 90 Prozent“, erklärt Leonhards.

Blumenlieferung mit Elektroauto

Ressourcen-Einsparung und Klimaschutz sind neben Regionalität und Mitarbeiter-Bindung Faktoren, auf die in der Gärtnerei von Kai Jentsch (Blumen Jentsch, Hamburg) besonderer Wert gelegt wird. „Wir fahren seit rund sechs Jahren an vier bis fünf Tagen in der Woche unsere Blumenlieferungen mit einem Elektroauto aus. Das Fahren ist angenehm, wartungsarm und sogar kostengünstig“, erklärt Jentsch gegenüber der TASPO und rechnet bei einem täglichen Einsatz von 60 bis 80 Kilometern vor: „Für ein treibstoffbetriebenes Fahrzeug werden neun bis zehn Euro pro 100 Kilometer veranschlagt. Unser E-Auto kostet sechs Euro pro 100 Kilometer.“

Auch die Anschaffungskosten hielten sich damals mit einem vergleichbaren Dieselfahrzeug die Waage. „Wir konnten von einem Förderprogramm Gebrauch machen, das die Stadt Hamburg damals angeboten hatte“, erzählt Jentsch, der nun, nachdem der Betrieb mittlerweile über vier E-Autos als „Dienstwagen“ verfügt, noch einen Schritt weiterging. Seit einiger Zeit gibt es auf dem Parkplatz der Gärtnerei eine eigene, öffentliche Ladestation. Blumen kaufen und E-Auto laden, lautet Jentschs Devise.