Grüne Branche

Nachgehakt: Der Gartenbau braucht Fachkräfte

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Vor allem junge Fachkräfte und potenzielle Betriebsnachfolger sind im Deutschen Gartenbau immer dünner gesät. Wir sprachen mit ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer über den heimischen Nachwuchs und eine mögliche Änderung des Einwanderungsgesetzes.

"Wir brauchen dabei ein entsprechendes System, wie beispielsweise nach dem Vorbild des Punktesystems in Kanada", sagt ZVG-Generalsekretär Bertram Fleischer. Foto: ZVG

Sollte nicht lieber die Nachwuchsarbeit im deutschen Gartenbau verstärkt werden, anstatt Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland anzulocken?

Der Deutsche Gartenbau braucht Fachkräfte. Die Priorität liegt jedoch ganz klar bei der Gewinnung von Nachwuchskräften aus dem Inland. Seit nunmehr drei Jahren sind die Ausbildungszahlen fachrichtungsübergreifend relativ stabil - und zwar bei sinkenden Schülerzahlen-. Das bewerten wir positiv.
Mit unserer Nachwuchswerbekampagne „Gärtner. Der Zukunft gewachsen.“ (www.beruf-gaertner.de) sind wir seit etwa fünf Jahren aktiv. Wir setzen uns über verschiedene Kanäle, angefangen von Social Media bis hin zu Aktionen auf Messen wie der Grünen Woche in Berlin, der IPM in Essen oder jüngst auch auf der Bildungsmesse didacta in Stuttgart dafür ein, den Beruf Gärtner in seiner Vielfalt zu präsentieren.

So überzeugen wir zum einen den Nachwuchs direkt von der gärtnerischen Ausbildung, sprechen aber auch Multiplikatoren, wie Lehrkräfte aus den allgemeinbildenden Schulen und Berufsberatern in den Arbeitsagenturen an. Nicht zu vernachlässigen ist zudem das Engagement unserer Betriebe. Wir unterstützen diese mit Informationsmaterialien für Schüler, sowie mit Ideen und Konzepten zur jugendgerechten Ansprache.

Ein Einwanderungsgesetz stellt kein Allheilmittel für den Gartenbau dar, die Politik kann jedoch die entsprechenden Rahmenbedingungen für die Fachkräftegewinnung aus dem Ausland schaffen.

Wie könnte ein entsprechendes Einwanderungsgesetz aussehen?

Es braucht klare Regeln für die Einwanderung von Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland. Hier muss zum einen der Fachkräftebedarf berücksichtigt und zum anderen entsprechend qualifizierte Fachkräfte angesprochen werden. Wir brauchen dabei ein entsprechendes System, wie beispielsweise nach dem Vorbild des Punktesystems in Kanada. Dieses System muss flexibel an die Entwicklungen der Demographie und des Arbeitsmarktbedarfs angepasst werden können.

Gibt es bereits Erfahrungen oder Best-Practice-Beispiele aus der Branche, bei denen sich die Beschäftigung von Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland bewährt hat?

Im Moment ist es noch mit erheblichen Hürden verbunden, überhaupt Fachkräfte aus dem Nicht-EU-Ausland einstellen zu können, sofern man nicht zu den bevorzugten Branchen gehört. Dazu zählt der Gartenbau leider nicht. Daher sind uns aktuell auch keine Best-Practice-Beispiele bekannt. Auch der Saisonarbeitskräftebedarf wird nur aus dem EU-Ausland gedeckt, da es nicht ohne weiteres möglich ist Saisonarbeitskräfte aus dem Nicht-EU-Ausland einzustellen.