Grüne Branche

Nachgehakt: Fleurop, wo geht's hin?

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Vergangene Woche ging ein Aufschrei durch die Medien: Die Fleurop AG plane, vom Blumenboten abzurücken und gefährde möglicherweise einen ganzen Branchenzweig. Doch wie sehen die Bestrebungen des Blumenhändlers wirklich aus? Wir sprachen mit Geschäftsführer Stefan Gegg über unseriöse Berichterstattung, die Ausweitung des Kartonversands und die Zukunft der Branche. 

Die Fleurop AG um Geschäftsführer Stefan Gegg will den Kartonversand ausbauen, aber Floristen keine Aufträge wegnehmen. Foto: Fleurop

Wie hat sich die Branche aus ihrer Sicht in den letzten Jahren verändert?

Diese Branche hat eine unverwüstliche Kraft und eine tiefe Seele. Aber so langsam geht es an die Substanz. Die Floristen können nicht mehr mit Optimismus und bedingungsloser Einsatzbereitschaft eines Einzelhändlers gegen die Realitäten ankämpfen. Den Großhändlern geht es nicht anders und auch die Produzenten leiden.

Es gibt keinen Gewinner und keinen Gegner, den man per se verteufeln kann. Und noch haben wir gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen, welche durchaus positiv sind. Wenn Eltern ihren Kindern davon abraten, den eigenen Beruf zu ergreifen, sondern sich anderweitig beruflich zu verwirklichen, dann wissen wir, was dies für die Zukunft zu bedeuten hat! 

Planen Sie, das Angebot an Pflanzen, die per Paket durch DHL verschickt werden, in Zukunft zu erweitern?

Sie sprechen auf den „großen Aufschrei“ durch den Artikel eines Insiders in der „Welt am Sonntag“ an? Seit drei Jahren diskutieren  wir dieses Geschäftsmodell offen und klar auf jeder Hauptversammlung, auf den Regionalversammlungen und informieren ausführlich über unsere Medien MerkurPortal und Fleurop-Magazin. Mich macht diese plakative und unseriöse Art und Weise mit unserer gemeinsamen Zukunft umzugehen wütend. Der Kartonversand ist nicht die Lösung, sondern eine Möglichkeit, den Anforderungen des Marktes zu begegnen.

Was ich hingegen sehr wohl verstehe, ist die Befürchtung, dass dieses Geschäftsmodell bedrohend wirkt. Wenn an einem Ort kein Florist existiert, oder es wirtschaftlich keinen Sinn für einen Floristen mehr macht, eine Rose zuzustellen, dann dürfen wir diese Aufträge nicht dem Wettbewerb überlassen. Und es gibt weit und breit keinen Wettbewerber, der sich für Aus- und Weiterbildung, für die Belange des FDF, Werbung für Floristik und den Berufsstand sowie für die vertriebliche Entwicklung der Floristen so personell und finanziell engagiert wie die Fleurop AG.

Und dies hat einen guten Grund: Wir sind eine Organisation der Floristen! Um Ihre Frage konkret zu beantworten: Ja, wir werden das Angebot ausweiten, aber unter der Bedingung, dass Floristen nicht übergangen werden. Das bedeutet, dass ihnen keine Aufträge, die sie ausführen wollen, entgehen.

Gibt es konkrete Pläne, die sinkenden Mitgliederzahlen in den Griff zu bekommen?

Die Branche verliert rasant fünf bis acht Prozent an Facheinzelhandelsgeschäften jährlich. Fleurop verliert rund drei Prozent von über 6000 Fachgeschäften pro Jahr. 95 Prozent der Fachgeschäfte, die unsere Organisation verlassen, schließen ihr Fachgeschäft aus Alters-  oder wirtschaftlichen Gründen, wir erheben diese Zahlen bei Austritt der Inhaber.

Das heißt, für mich stellt sich nicht die Frage nach unseren Mitgliederzahlen, sondern nach der Entwicklung in der grünen Branche. Und diese Aufgabenstellung ist wesentlich größer, existentieller und weitreichender. Dennoch Ihre Frage trifft ins Schwarze: Die Floristikfachgeschäfte müssen sich dringend vereinigen, sie dürfen nicht mehr das schwächste Glied in einer intransparenten Handelskette sein.

Wo sehen Sie die Floristik-Branche in 25 Jahren?

Diese Branche steht in den nächsten drei Jahren vor einer Weichenstellung: Die zwei bestimmenden Organisationen – FloraHolland und Landgard, von denen 90 Prozent der Floristen ihre Ware direkt oder indirekt erhält, haben sich nach meiner Einschätzung im Geschäft mit dem Systemhandel (Aldi und Co.) leicht die Finger verbrannt, sind dadurch aber wieder offener geworden für eine intensive Kooperationsbereitschaft mit dem Facheinzelhandel.

Was jedoch von unserer Seite dringend erfolgen muss, ist die Bereitschaft, mit einer Stimme Blumen und Floristik  professionell  zu vermarkten. Es fehlt eine Vertriebsorganisation der Floristen! Nicht im traditionellen Sinne eine, die gegen den Großhandel und gegen die Produzenten agiert, sondern eine, die verlässlich unsere Leistungen vermarktet und selbstbewusst unsere Ansprüche geltend macht. Und das macht auch vor den Verbandsstrukturen keinen Halt: Produzenten, Großhändler und Floristen müssen an einem Tisch sitzen, und was dort beschlossen wird muss auch seine Umsetzung erfahren (von allen Parteien).

Die grundsätzliche Frage des Überlebens hängt nur in Teilen vom Konsumenten ab, sie ist vielmehr von uns beeinflussbar. Wir müssen die alten und unprofessionellen Strukturen, Denk- und Verhaltensmuster über Bord werfen. Wir finden sie zwar bequem, sie verbauen uns aber eine gemeinsame Zukunft.