Grüne Branche

Nachgehakt: Wandert das Marketing ins Netz?

Printanzeigen, Beilagen, Wurfsendungen und Werbebriefe zur Ansprache der Endverbraucher waren gestern, sagen Marketingexperten. Die Zukunft gehört dem Marketing im Internet über Google, als E-Mail, in Sozialen Medien oder direkt aufs Smartphone. Doch was sagt die Branche? 

Auf möglichst vielen Kanälen Präsenz zeigen

Um wirklich alle Endverbrauchergruppen anzusprechen, ist es notwendig, auf möglichst vielen Kanälen präsent zu sein, findet beispielsweise Bellaflora-Geschäftsführer Alois Wichtl. Worauf die führende Gartencenter-Kette aus Österreich in der Endkundenansprache noch achtet, beantwortet Wichtl in der Mai-Ausgabe des TASPO GartenMarkt. Zu Wort kommen außerdem Lubera-Inhaber Markus Kobelt, Frank Teuber vom Blumenbüro Holland sowie Erwin Meier-Honegger, Garten-Center Meier (CH-Dürnten).

Dass sich noch immer viele Händler darauf ausruhen, dass ihre Endkunden das Internet nicht nutzen, wird nicht mehr lange gut gehen, erklärt Dr. Torsten Schwarz, Herausgeber des Standardwerks „Leitfaden Online Marketing“, Berater internationaler Unternehmen (Dr. Schwarz Consulting) und seit über zehn Jahren Leiter der Kompetenzgruppe Online-Marketing im Verband der deutschen Internetwirtschaft. Seine Tipps lesen Sie im nachfolgenden Interview.

Was kann der Fachhandel tun, um zukunftsfähig zu sein und sich vom Markt abzuheben?

„Es ist wichtig, als Fachhandel überhaupt erst mal im Internet dabei zu sein. Viele haben zwar eine Homepage, die ist aber oft nicht professionell gemacht. Gerade was die Suchmaschinenoptimierung betrifft, sind häufig elementare Anfängerfehler zu sehen. Dabei ist es das Wichtigste, als Fachhändler überall da präsent zu sein, wo regional gesucht wird. Die besten Werbemöglichkeiten heutzutage sind, sich ein regionales Profil bei Facebook zu geben, bei Google+, auf dem Empfehlungsportal Yelp und im neuen Branchenverzeichnis von Apple gelistet zu sein. Über diese Dienste lassen sich heute Menschen erreichen, die in der Nähe sind und Geld ausgeben wollen. Das gedruckte Branchenbuch (gemeint sind Branchenverzeichnisse für Endverbraucher, Anm. d. Red.) ist hingegen mega-out. Denn der Kunde von heute nutzt immer mehr das Handy, um übers Internet zu suchen.“

Was sind die Voraussetzungen, um im Gartenmarkt Marketing über neue Medien zu etablieren?

„Während heute nur sehr große Unternehmen ihr Warenwirtschaftssystem an die Suchmaschinen anbinden, könnte das langfristig auch für Fachhändler interessant werden. Der Kunde will künftig keine Werbung mehr und braucht keine Adressen. Stattdessen will er wissen, wer den gesuchten Artikel in der Nähe vorrätig hat. Das könnte folgendermaßen aussehen: Jemand möchte eine winterblühende Zaubernuss kaufen und sucht auf dem Smartphone danach. Ein Internet-Dienst zeigt ihm an, wo es die Pflanze zu welchem Preis gibt. Anhand der aufgelisteten Entfernungen sucht er sich ein Angebot aus. Er kann sich überlegen, ob er 20 Kilometer fahren möchte, um die Zaubernuss ein paar Euro günstiger zu bekommen oder er entscheidet sich für den Händler in der Nähe. In beiden Fällen lässt er sich von seinem Smartphone dorthin navigieren.“

Was müssen Fachhändler dabei beachten?

„Zuerst einmal ist es eine Herausforderung, eine gute Agentur zu finden. Online-Marketing ist ein boomender Markt, auf dem sich viele tummeln. Es empfiehlt sich, nicht an der Agentur zu kleben, mit der man bislang Werbung gemacht hat, sondern kritisch zu schauen, wer „State of the Art“, also auf der Höhe der Zeit ist. Denn die Entwicklung ist brutal schnell. Da hilft nur, mit anderen Unternehmen im Kontakt zu sein und sich umzuhören, wer gut ist. Bei Facebook, Twitter, in einem Newsletter oder Blog sollte man allerdings auf professionelle Dienstleistung verzichten. Viel besser ist, wenn das jemand übernimmt, der ein Gefühl für Soziale Medien hat und das Unternehmen kennt.“

Was sind die häufigsten Fehler?

„Der größte Fehler ist, gar nichts zu tun. Noch immer ruhen sich viele Händler darauf aus, dass ihre Kundschaft das Internet nicht nutzt. Doch das wird nicht mehr lange gut gehen: Zum einen werden die Kunden jedes Jahr ein wenig älter und junge Kunden müssen nachrücken. Zum anderen wird die Bedienung der Geräte immer einfacher, sodass auch zunehmend Ältere Smartphones für sich entdecken.“

Inwieweit lässt sich mit Online-Marketing Geld verdienen?

„Vor allem lässt sich mit Online-Marketing Geld sparen. Wenn ich bei Google eine regionale Anzeige schalte, kostet mich das zwei Cent, wenn jemand darauf klickt. Habe ich also als AdWord ‚Zaubernuss‘ geschaltet und jemand aus meiner Region sucht über Google danach, bekommt er meine Anzeige ganz oben zu sehen. Es macht zwar viel Arbeit, die relevanten Suchworte einmal festzulegen, doch diese regionalen Anzeigen sind ein Riesen-Potenzial.“

(Das Interview führte Verena Groß)

Eine differenziertere Sichtweise nimmt dagegen Dr. Eva Stüber, Leiterin Research und Consulting beim IFH Köln, ein. Warum sie einen crossmedialen Marketingmix dem reinen Online-Marketing vorzieht, lesen Sie in der Mai-Ausgabe des TASPO GartenMarkt.