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Nachhaltig: Laubblätter als Einweggeschirr

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Grillpartys und Open Air Events gehören untrennbar zum Sommer – hinterlassen jedoch leider meist Berge an Einweggeschirr aus Plastik. Um das zu ändern, hat leaf republic, ein junges Start-up-Unternehmen aus dem Raum München, eine ebenso innovative wie nachhaltige Alternative entwickelt: biologisch abbaubares Einweggeschirr aus reinen Laubblättern.

Nachhaltiges Einweggeschirr von der Dipschale bis zur Salatschüssel

Das Unternehmen produziert nachhaltiges Einweggeschirr und Lebensmittelverpackungen in verschiedenen Größen und Ausführungen – von Dipschalen über Teller mit allen möglichen Winkeln und Rundungen bis hin zu Salatschalen mit über einem Liter Fassungsvermögen.

Sämtliche Produkte bestehen aus dem gleichen Ausgangsmaterial – reine Laubblätter. Diese werden zu größeren Blattteppichen zusammengeheftet, von denen je nach Produkt zwei oder mehr aufeinandergelegt und mit Hitze verpresst werden. Anschließend werden die Teller oder Schalen ausgeschnitten beziehungsweise ausgestanzt.

Schlingpflanze liefert Laubblätter für nachhaltiges Einweggeschirr

Die von leaf republic verwendeten Blätter stammen ausnahmslos von einer Schlingpflanze, die in Asien und Südamerika vorkommt. Von welcher Pflanze genau, bleibt Betriebsgeheimnis. „So leicht wollen wir es der Konkurrenz nicht machen“, sagt Carolin Fiechter, geschäftsführende Gesellschafterin und Mitgründerin von leaf republic. Immerhin habe es über zwei Jahre gedauert, bis Pedram Zolgadri, Fiechters Kompagnon und Geschäftsführer des Unternehmens, die perfekte Pflanze auf einer Weltreise entdeckt hat.

Laub aus einheimischen Wäldern kommt für die nachhaltigen und vollständig biologisch abbaubaren Produkte dagegen nicht in Frage, wie umfassende Tests ergaben. „Unsere einheimischen Blätter besitzen nicht die Stabilität. Entsprechend können wir diese nicht so verarbeiten, weil sie ihre Form nicht behalten beziehungsweise zerbröseln“, so Fiechter.

Laubblätter für nachhaltiges Einweggeschirr nur aus natürlichen Beständen

Geerntet werden die Schlingpflanzen-Blätter für leaf republic dreimal im Jahr – ausschließlich von wildwachsenden Pflanzen. „Die Vorkommen sind so groß, dass wir den Bedarf aus den natürlichen Beständen decken können, ohne den Pflanzen zu schaden“, erklärt Fiechter. Fragen wie „inwieweit muss ich düngen und Pestizide einsetzen“ oder „wie intensiv wird die Landwirtschaft“ stellen sich somit erst gar nicht.

Um sicherzustellen, dass die Blätter-Teller und -Schalen vollständig lebensmittelkonform und unbedenklich sind, hat das Unternehmen das verwendete Laub vorab eingehend getestet – unter anderem auf Pestizide, Schwermetalle und seine Mikrobiologie. „Von der Grundidee bis dann klar war, mit welchen Blättern wir arbeiten, hat es mehr als zwei Jahre gedauert“, so Fiechter.

Ebenfalls einige Zeit in Anspruch genommen hat es, den Produktionsprozess und die notwendigen Werkzeuge zusammen mit dem teameigenen Verfahrenstechniker zu entwickeln sowie Investoren für das Projekt mit ins Boot zu holen. „Das haben wir quasi drei Jahre lang gemacht: Gelder eingeworben, geforscht, Prototypen gemacht, erste Produkte produziert“, erinnert sich Fiechter.

Einweggeschirr aus Laubblättern: Produktion ganz ohne Abfall

Inzwischen ist leaf republic in der Lage, Teller und Lebensmittelverpackungen aus Laubblättern in Serie herstellen zu können, und das völlig abfallfrei. Denn selbst die Zwischenschicht aus Papier – die die Teller und Schalen wasserdicht macht – besteht aus Laubblättern, genauer gesagt aus dem Verschnitt.
Entsprechend umweltfreundlich sind die Produkte – auch, weil die verwendeten Blätter weitgehend natürlich erhalten bleiben und das Unternehmen so nur einen sehr geringen CO2-Fußabdruck hinterlässt, wie Fiechter erklärt.

„Der Nachteil unserer momentanen Technik sind die vielen manuellen Schritte. Mittelfristig ist unser Ziel natürlich, den Produktionsprozess voll zu automatisieren“, so die Mitbegründerin von leaf republic. Dennoch lassen sich bereits mit dem jetzigen Verfahren rund 40 Teller in der Minute produzieren.

Erweiterung des Laubblätter-Sortiments denkbar

Künftig könnte das bestehende Sortiment sogar um weitere Produkte aus Laubblättern oder dem daraus hergestellten Papier erweitert werden. In der Überlegung sind etwa Faltschachteln, Kartonagen und ähnliche Umverpackungen. „Anzuchttöpfe wären ebenfalls machbar, aber hier besteht momentan keine Nachfrage“, sagt Fiechter. Zudem sei die Nachfrage im Kernbereich von leaf republic so groß, dass erst einmal diese gedeckt werden müsse. „Und dann schauen wir, in welche anderen Bereiche wir gehen“, so Fiechter.