Grüne Branche

Nachhaltige Kunstrasenflächen: Wohin geht die Reise?

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Rund 7.000 Kunststoffrasenplätze gibt es nach Informationen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) derzeit in Deutschland – und deren Betreiber waren wegen der Mikroplastik-Diskussion zuletzt stark verunsichert. Der DOSB als Dachorganisation von rund 90.000 Sportvereinen veranstaltete deshalb eine Podiumsdiskussion, in der es grundsätzlich darum ging, Kunststoffplätze nachhaltig zu bauen.

Mögliches Verbot von Mikroplastik als Füllmaterial sorgt für Verunsicherung

Auslöser für die Verunsicherung war die Diskussion um ein mögliches Verbot des Einsatzes von Mikroplastik als Füllmaterial von Kunstrasenflächen. Bei den Verbänden, die gerade einen Förderantrag gestellt hatten, habe man „die Anspannung mit Händen greifen können“, beschrieb Andreas Silbersack, DOSB Vizepräsident Breitensport und Sportentwicklung, die Situation zu Beginn der Mikroplastik-Diskussion. Inzwischen sei durch das derzeitige Verfahren „ein wenig Druck aus dem Kessel genommen worden“.

Wohin die Reise geht, das wollten die Podiumsteilnehmer vor allem von Christian Schultheiss von der Europäischen Chemikalien Agentur (ECHA) erfahren. Die ECHA, eine Agentur der Europäischen Union und Regulierungsbehörde für eine sichere Verwendung von Chemikalien, erarbeitet derzeit einen Beschränkungsvorschlag für primäres Mikroplastik. Derzeit bereite die ECHA Empfehlungen vor, mit denen im März 2020 zu rechnen sei.

Politische Entscheidung voraussichtlich erst 2022

Wie diese aussehen werden, das sei derzeit noch offen: Vorstellbar sei sowohl ein sofortiges Verbot von Mikroplastik als Infillmaterial, als auch eine Übergangsfrist oder auch gar kein Vorschlag, sofern andere Lösungen als erfolgversprechender angesehen würden. Vorstellbar seien auch technische Risikomanagementlösungen – also etwa der Bau von technischen Auffangsystemen, um den Austrag zu verhindern.

Nach Veröffentlichung der Empfehlungen im Frühjahr 2020 bestehe für Interessierte die Möglichkeit, diese zu kommentieren. Danach verfasse der ECHA-Ausschuss seine endgültige Stellungnahme für die EU-Kommission. Erst dann beginne der politische Entscheidungsprozess, voraussichtlich 2022 sei mit einer Entscheidung zu rechnen, die sich dann in der Verordnung zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt vor den Risiken, die durch Chemikalien entstehen können (REACH), niederschlage. Komme es hier zu Beschränkungen, dann seien diese unmittelbar wirksam: „Beschränkungen im REACH gelten unmittelbar auch auf nationaler Ebene“, so Schultheiss auf Nachfrage.

Schon im Markt befindliches Granulat weiter nutzbar?

Komme es hier zu Einschränkungen, dann würden diese allerdings nur das neue Inverkehrbringen betreffen, bestehendes – schon im Markt befindliches – Granulat könne weiter genutzt werden, so Schultheiss. Noch gibt es also ein Zeitfenster, um sich auf mögliche Beschränkungen einzustellen und nach möglichen Alternativen Ausschau zu halten.

Mehr über die Podiumsdiskussion, die der DOSB auf der Internationalen Fachmesse für Freiraum, Sport- und Bewegungseinrichtungen (FSB) in Köln veranstaltet hatte, lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von TASPO GaLaBauReport, der in unserem Online-Shop abrufbar ist.