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Naschgarten: Glücksfall für den Gartenbau

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Für den deutschen Gartenbau ist das sich stetig entwickelnde Segment Naschgarten ein Glücksfall. Auf den Blumengroßmärkten (BGM) spürt man, dass das Thema Naschgarten erst am Anfang der Möglichkeiten steht, dass sich etwas ganz Eigenes entwickelt.

Viele moderne Balkon- und Terrassen-Gärtner unterscheiden nicht mehr strikt zwischen Nutz- und Zierpflanzen. Foto: Franz Peter Rudolf/Fotolia

Angesprochen auf Naschgarten-Neuigkeiten, nennt Reiner Wilk vom BZG in Frankfurt am Main spontan „Kleinpflanzen im Zweiblatt-Stadium, die wie Kresse kurz und erdfrei kultiviert werden“. Er zählt in diesem Zusammenhang „Senf-Sorten, Radies, Rettich, Rucola oder Fenchel“ auf – ein Hinweis darauf, dass das Segment Jahr für Jahr „mehr Umsatzbedeutung“ erhält und „zugleich die Vielfalt zunimmt, der Gartenbau sehr innovativ“ ist. Die wachsende Popularität der Naschgarten-Idee steht für Reiner Wilk in „direktem Zusammenhang mit dem Kräuter-Boom“.

Naschgarten: Auch Nutzpflanzen werden als schön empfunden

Die Basis für die Gesamtentwicklung „insbesondere beim großstädtischen Publikum“ sieht er in einem Umdenken von jahrzehntelang tradierten Überzeugungen. „Die neue Generation der Balkon- und Terrassen-Gärtner unterscheidet nicht mehr, wie einst üblich, strikt zwischen Zier- und Nutzpflanzen. Auch was nützlich ist – etwa Kräuter, Tomaten, Erdbeeren oder Paprika –, wird heute als schön empfunden.“ Das trifft insbesondere auf Beeren und Zwergobstgewächse wie Kirsche, Apfel, Pfirsich oder Mandel zu.

Seit „etwa fünf Jahren“ sieht Iris Fuhr-Jansen vom BGM Düsseldorf (Order und Vermittlung) deutliche Zuwächse, „zunächst über zehn, jetzt über fünf Prozent Plus jährlich“. Umsatzstärkste Zeit ist der April, „da hatten wir an manchem Tag das Gefühl, mehr Gemüse als Blumen und Zierpflanzen zu verkaufen“. Die Entwicklung habe auch schon zu „Produktionsumstellungen geführt, etwa weg von Alpenveilchen oder Weihnachtssternen und hin zu Naschgarten-Produkten“.

Spezielle Produktprogramme Umsatztreiber im Segment Naschgarten

Zuwächse in jüngerer Zeit gab es in Düsseldorf bei „Physalis sowie essbaren Blüten und bei Trio-Bepflanzungen, etwa mit drei unterschiedlichen Salaten in einem Topf“. Eine große Rolle spielt Fuhr-Jansens Meinung nach „die Optik des Gesamtprodukts – etwa roter Topf zu roter Cherry-Tomate. Zugenommen hat ebenfalls die Professionalität der Verbraucherinformationen, beispielsweise über bedruckte Töpfe oder Manschetten“.

Ein weiterer Umsatztreiber seien „spezielle Produktprogramme“, Fuhr-Jansen nennt als Beispiel Grillkräuter. In „zunehmender Markenbildung“ sieht auch Peter René Hecker eines der Erfolgsgeheimnisse. „Werbekampagnen der Züchter machen sich sehr positiv im Verkauf bemerkbar“, meint der Düsseldorfer BGM-Geschäftsführer. Er nennt als ein Beispiel „Volmary-Freiland-Fruchtgemüse“.

Umsatzanteile von Beet & Balkon wandern in Richtung Naschgarten

Hecker sieht als einen Pluspunkt des BGM Düsseldorf im Naschgarten-Segment „die enge Verzahnung von unserem Blumen- mit dem benachbarten Obst- und Gemüsegroßmarkt“. Beispielhaft nennt er „essbare Blumen“, die als Nischenprodukt durchaus auch für Floristen interessant sein können. Insgesamt erwartet er, dass sich „Umsatzanteile von Beet- und Balkonpflanzen in Richtung Naschgarten“ verlagern.

Den kompletten Beitrag zu Neuheiten und Umsatzentwicklung im Segment Naschgarten lesen Sie im neuen TASPO Extra Genusspflanzen, das Teil der heute erschienenen TASPO 29/2017 ist. Ein Exemplar der Ausgabe können Sie auch per Mail bei Melanie Schuhmacher bestellen.