Grüne Branche

Naturnahe Baumbestattungen: Plauener Hauptfriedhof bietet neue Bestattungsform an

Immer vielfältiger werden die Bestattungsangebote. Leider nicht immer zum Vorteil für die Friedhofsgärtner. So hat beispielsweise der Plauener Hauptfriedhof nun eine neue Form der Baumbestattung im Angebot, die jedweder friedhofsgärtnerischer Pflege entbehrt.

So sieht die Baumbestattung in Plauen unter einer Fichte aus. Foto: Peter Benz

Am 1. Februar 1918 war der Hauptfriedhof in Plauen seiner Bestimmung übergeben worden. Dieser Hauptfriedhof wurde 1983 dendrologisch erfasst. Diese Begräbnisstätte hat 1.453 Nadelbäume in 22 Arten und 1.420 Laubbäume in 42 Arten. Hinzu kommen verschiedene Kultivare. Gegenwärtig sind es etwa 3.200 Bäume. Die zu Gründerzeiten gepflanzten Bäume sind zu beachtlichen Exemplaren herangewachsen. So wurde die als waldparkähnlicher Friedhof vorgesehene Konzeption voll erreicht.

Der Hauptfriedhof stellt einen Ort zur Bestattung von Verstorbenen und damit der Trauer, Trauerbewältigung und der Besinnung dar. Der parkähnliche Charakter erlaubt es auch, Stille und Natur zu erleben. Er dient darüber hinaus zur Erholung für benachbarte Wohngebiete.

In der Vergangenheit wandelte sich die Trauer- und Bestattungskultur aufgrund tief greifender gesellschaftlicher Veränderungen. Immer mehr Menschen suchen nach neuen oder außergewöhnlichen Wegen der Beisetzung. Das sind unter anderem der Friedwald und auch die Baumbestattung. Besondere naturnahe Bestattungsformen unter Bäumen oder auf Wiesenflächen werden zunehmend von der Bevölkerung als Alternative zu den aufwändiger gestalteten traditionellen Grabanlagen empfunden. Mit dem „Urnenpark“ wurde auf dem Hauptfriedhof der Vogtlandmetropole eine solche Bestattungsanlage geschaffen.

Die Pflege der Anlage übernimmt die Friedhofsverwaltung. Die Beisetzung erfolgt ausschließlich in biologisch abbaubaren Urnen. Die Urnen werden kreisförmig um den Baum oder Strauch angeordnet. Die Distanz zu einem Baum oder Strauch beträgt zwei Meter. Eine Kennzeichnung an einem Baum ist nicht erlaubt, denn die Bäume symbolisieren unangetastet das Leben.

Die Bestattungsplätze werden mit Natursteinplatten gekennzeichnet, optional können diese durch eine Namensplatte ersetzt werden. Grabbeete oder Pflanzungen werden nicht angelegt. Für Blumen und Gebinde ist eine zentrale Ablagefläche vorhanden. Bänke zwischen den Gehölzen bieten Platz zum Verweilen. Die Vergabe der Bestattungsstellen erfolgt für eine Ruhefrist von zwanzig Jahren.

Erste Nachfragen und Bestattungen gibt es bereits. Vier Urnen wurden in Plauen um eine große Fichte herum beigesetzt. Bis zu fünfzehn Grabstätten können um einen Baum entstehen. Diese letzte Ruhestätte für einen Verstorbenen unter einem Laub- oder Nadelbaum oder einem Rhododendron betrachten inzwischen viele Angehörige als Vorteil, denn die frei zugängliche Grabstätte muss nicht gepflegt oder bepflanzt werden. Diesen Vorteil bieten natürlich auch die inzwischen überall neu entstehenden Memoriam-Gärten und Grabfelder, die professionell gepflegt werden.

Auf dem Plauener Hauptfriedhof stellt die Baumbestattung eine Bestattungsform dar, bei der gezielt die klassische Grabpflege entfällt. Dazu haben die Gärtnereien, denen auch die Bestattung obliegt, eine eigene Meinung:

Gärtnermeister Frank Hösel von der gleichnamigen Gärtnerei aus Plauen Westend hat gegenwärtig noch genügend Aufträge für die Pflege von Privatgräbern, aber das könnte sich in Zukunft ändern. Vor allem die Urnenbestattungen auf der „grünen Wiese“ sorgen für einen großen Auftragsabbruch. Die Urnen werden auf einem vorgeschriebenen Bereich aufgestellt und die Betreuung erfolgt durch die Friedhofsverwaltungen oder Kirchen.

Gärtnermeister Steffen Packmohr von Grünservice (Garten- und Landschaftsbau) in Plauen sieht diese Art der Pflege mit einer gewissen Skepsis. Außerdem gebe es noch keine Erfahrungen. Die Urnenbestattung auf der „grünen Wiese“ wird genauso wie die Baumbestattung für eine rückläufige Auftragslage sorgen. Auch die Aufträge für Dauergrabpflege nehmen ab, ist Packmohr überzeugt. (pb)