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Naturnahe Bestattungen im Wald und neue Blütenwiesen

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Der Wunsch nach einer Vielfalt an Bestattungsmöglichkeiten macht auch vor kirchlichen Friedhöfen nicht Halt. Die Gemeinde St. Andreas im ostfriesischen Cloppenburg bietet naturnahe Bestattungen unter Bäumen und richtet sich dank neuer Wildblumenwiesen ökologischer aus.

Der neue Rundweg im kirchlichen Bestattungswald wurde naturnah angelegt. Foto: St. Andreas Friedhof

Kleine Waldfläche in Bestattungswald umgewandelt

Am Rande des St. Andreas-Friedhofs in Cloppenburg gibt es eine kleine Waldfläche, den die katholische Stadtgemeinde St. Andreas zu einem Bestattungswald umwandeln konnte. Voraussetzung war neben einer Durchforstung die Vermessung der Bäume. Auch ein Zaun und eine Wallhecke als Sichtschutz wurden angelegt. Darüber hinaus wurden Wege frisch angelegt und die Unterpflanzung der Bäume erneuert. Aus der Unterpflanzung sollen später Zukunftsbäume für Bestattungen wachsen, der Wald wurde mit Frühlingszwiebeln bepflanzt. „Für die Wege haben wir Naturmaterialien verwendet“, erklärt Friedhofsgärtner Jürgen Grüßing. „Der Rundweg wurde mit Hackschnitzeln gestaltet, die bei der Durchforstung angefallen sind. Dieser Untergrund eignet sich durchaus auch für eine Überfahrt mit dem Rollator.“

Rege Nachfrage nach Bestattung unter Bäumen

Cloppenburger Bürger aller Glaubensrichtungen oder auch ohne Konfession können sich in einer biologisch abbaubaren Urne unter den Bäumen bestatten lassen. Die Nachfrage für die Bestattungsform sei rege. Erste Bestattungen unter Bäumen sind bereits erfolgt, gibt Pfarrer Bernd Strickmann an. Allerdings gibt es keine Reservierungen: Eine Erstvergabe sei erst mit dem Tod möglich, ein zweiter Platz für den Partner könne dann mit erworben werden.

Erstmals im vergangenen Jahr haben die Friedhofsgärtner vom St. Andreas Friedhof auf dem Weg zum Bestattungswald für eine große Blütenwiese die Wildblumen-Mischung „Veitshöchheimer Bienenweide“ mit rund 34 verschiedenen Wildblumen-Sorten ausgesät. Damit haben sie zwei rund 500 Quadratmeter große Flächen in ein Blumenmeer verwandelt. Nach Grüßings Erfahrungen aus dem ersten Jahr sei es nicht allzu wichtig, wie der Untergrund vorbereitet ist. „Auf der einen Fläche haben wir den Rasen komplett abgetragen und durch Sand ersetzt. Auf dem anderen Teilstück wurde der Rasen gefräst und gemulcht. Auf beiden Flächen sind wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden.“

Insgesamt rund 5.000 Quadratmeter Blühwiesen in Cloppenburg geplant

Es sollen noch weitere Flächen auf dem Friedhof in Blühwiesen umgewandelt werden – Ziel sind insgesamt rund 5.000 Quadratmeter – testweise auch mit regionalem Saatgut, ergänzt Grüßing. Weitere Pflegemaßnahmen wurden nicht durchgeführt trotz großer Trockenperioden in den zurückliegenden Sommern. Bestattungen in den Wiesen, die – passend zur Schöpfungsgeschichte – Schöpfungswiesen getauft wurden, sind derzeit noch nicht geplant, berichtet Grüßing. Geplant ist zudem ein großes Insektenhotel, das als Anschauungsmaterial für Schulen/Kitas dienen soll.

► Mehr zu den naturnahen Bestattungen und Blühwiesen des St. Andreas-Friedhofs in Cloppenburg lesen Sie in der Ausgabe 11-12/2020 von Friedhofskultur.

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