Grüne Branche

Naturschutzfördernder Erdbeer- und Spargelanbau gestartet

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In einem Pilotprojekt zwischen Landwirten, dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), dem Landesverband Baden-Württemberg und dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) wurden naturschutzfördernde Maßnahmen in einem Maßnahmenkatalog für den Anbau von Spargel und Erdbeeren gesammelt. Das Projekt soll zeigen, wie sich intensiver Spargel- und Erdbeeranbau mit Naturschutz vereinbaren lässt.

Das Pilotprojekt zeigt Möglichkeiten auf, wie sich der Spargel- und Erdbeeranbau mit Naturschutz kombinieren lässt. Foto: VSSE/Christoph Göckel

Spargel- und Erdbeeranbau: Gemeinsam im Dialog

In Zusammenarbeit mit drei Erdbeer- und Spargelbauern wurde im Rahmen des Projekts ein Maßnahmen-Katalog konzipiert, der naturschutzfördernde Maßnahmen beinhaltet. Umgesetzt werden sie in einer Auswahl von drei Anbaubetrieben in diesem Jahr, darunter das Erdbeerland Enderle aus Durmersheim und der Huber-Hof aus Iffezheim.

Für Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, stehe vor allem der Dialog der Bürger, Anbauer und Naturschützer im Vordergrund des Projekts. Es ermöglicht ihnen, sich über die Anliegen der Anwohner, die Rahmenbedingungen des Naturschutzes und die spezifischen Erfordernisse für die Produktion gezielt auszutauschen. Besonders der Anbau unter Folie wird im Spargel- und Erdbeeranbau immer wieder von Naturschützern und Bürgern kritisiert.

„Um jedoch qualitativ hochwertige Spargel und Erdbeeren effizient und konkurrenzfähig zu produzieren, ist der Folieneinsatz notwendig“, sagt Schumacher. „Die Erzeuger nehmen die Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von Dauerkulturen auf die Biodiversität ernst und schaffen mit den naturschutzfördernden Maßnahmen wie Blühstreifen und Nistkästen Lebens- und Rückzugsräume.“

Erhalt von Lebensräumen und Artenvielfalt

Zu den Maßnahmen im Vorschlagskatalog zählen unter anderem Sitzstangen für Greifvögel, Nistkästen für unterschiedliche Vogelarten und Fledermäuse, Stein- oder Totholzhaufen als Rückzugsort für Reptilien sowie Blüh- und Grünstreifen für Wildbienen und andere Insekten. Laut Landwirtschaftsreferent des NABU Baden-Württembergs Jochen Goedecke werden sich immer mehr Landwirte ihrer Verantwortung im Hinblick auf den Erhalt der Artenvielfalt bewusst.

Ziel des gestarteten Pilotprojekts ist es, Lebens- und Rückzugsraum für Insekten, Vögel und Reptilien auf und am Acker zu schaffen. Zudem sollen die für den Vorschlag-Katalog konzipierten Maßnahmen der Bodenerosion entgegenwirken und künftig die Biodiversität fördern, um Insekten und Kräuter mit einem positiven Effekt auf die Spargel- und Beerenkulturen zu unterstützen.

Die bereits auf den beiden Höfen von Erdbeerland Enderle und Huber-Hof umgesetzten Blühstreifen sorgen für eine wichtige Vernetzung von Lebensräumen für die Insekten, Vögel und für Niederwild und bieten Nahrung und Deckung.

Mit Landwirtschaft die Natur unterstützen

Der Huber-Hof hat sich im Rahmen des Projektes für vier Maßnahmen für den Spargel- und/oder Erdbeeranbau entschieden. Auf seinem Areal wurden Nistkästen für Vögel, Sitzstanden für Greifvögel und Totholzhaufen integriert. „Die Landwirtschaft ist wie keine andere Branche auf die Natur angewiesen. Es liegt im ureigensten Sinne von uns Landwirten dafür zu sorgen, dass wir den Insekten Blühwiesen und den Vögeln Nistplätze anbieten. Wir arbeiten schon seit Jahren mit der örtlichen Naturschutzgruppe INI zusammen. Das gemeinsame Pilotprojekt mit NABU und VSSE hat unsere Aktivitäten noch verstärkt“, erklärt Joachim Huber, Betriebsleiter des Huber-Hofs.

Auch das Erdbeerland Enderle hat vier Vorschläge aufgegriffen und neben einem Blühstreifen nahe der Erdbeeranbauflächen, weitere Grünflächen zwischen den Erdbeertunneln sowie Nistkästen und den Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge vorgesehen. Das Unternehmen setzt bereits seit Jahren auf Blühstreifen, um Insekten anzuziehen und die vollständige Fruchtbildung der Erdbeere zu unterstützen.

„Wir haben auf 7 bis 10 Hektar Blühflächen und Blühstreifen. Die Zusammenarbeit mit dem NABU war beeindruckend. Wir haben weitere Hinweise bekommen, was wir verbessern können, und beide Parteien dabei festgestellt, dass wir gar nicht so weit auseinander liegen, wenn es um Naturschutz geht“, sagt Rolf Enderle, Betriebsleiter von Erdbeerland Enderle.