Grüne Branche

Neonicotinoide: Beschluss über EU-Verbot vertagt

Die Abstimmung über ein zweijähriges Verbot von Neonicotinoiden auf EU-Ebene wurde jetzt verschoben. Das teilt der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP) mit und begrüßt die Entscheidung. Die Abstimmung war nach einem Vorstoß des EU-Kommissars Tonio Borg, basierend auf einer Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), zunächst für den 25. Februar vorgesehen. 

„Der Aufschub eröffnet die Möglichkeit, in den Diskussionsprozess Erkenntnisse einzubeziehen, die in die EFSA-Studie bisher keinen Eingang gefunden haben“, erklärt Dr. Carl-Stephan Schäfer, Geschäftsführer des BDP. So könne ein etwaiges Risikopotenzial von Neonicotinoiden durch den Einsatz von Risikomanagement-Maßnahmen wie der Zertifizierung von Beizstellen und dem Einsatz abdriftreduzierter Sägerätetechnik, weitestgehend vermindert werden. Dies würden laut BDP die Erfahrungen in Deutschland zeigen.

Hier seien eine Qualitätssicherung bei Beizstellen, die Neonicotinoide anwenden wollen, sowie die Verwendung abdriftreduzierter Sägeräte für das mit Neonicotinoiden behandelte Saatgut seit geraumer Zeit Bestandteil der Zulassung. Die Beizstellenzertifizierung über die zu diesem Zwecke gegründete SeedGuard GmbH habe mittlerweile in Raps und Rübe nahezu Flächendeckung erreicht.

Selbst im Mais und im Getreide, wo derzeit keine Neonicotinoide zugelassen sind, nehme die Beizstellenzertifizierung konkrete Formen an. So würden bereits jetzt erste Maisbeizstellen über SeedGuard zertifiziert. Auch von Getreidebeizstellen lägen laut BDP erste Anmeldungen für eine Zertifizierung vor. Untersuchungen hätten gezeigt, dass durch die in Deutschland eingeleiteten Risikomanagement-Maßnahmen der potentielle Expositionspfad über wirkstoffhaltige Stäube praktisch geschlossen werden konnte.

Unberücksichtigt seien in der EFSA-Studie auch die Ergebnisse des Deutschen Bienenmonitoring sowie einer neuen Studie der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim und des Julius Kühn-Institutes geblieben, die sich jeweils mit dem Einfluss von neonicotinoid-haltigen Saatgutbehandlungsmitteln auf die Bienengesundheit befassen. „Die Einbeziehung der hier gewonnenen Erkenntnisse in den europäischen Diskussionsprozess ist geboten und muss nun nachgeholt werden“, fordert Schäfer. (ts/bdp)