Grüne Branche

Netzwerk Pflanzensammlungen: Label ist in Sicht

Am 10. und 11. November trafen sich zahlreiche Akteure in Veitshöchheim, um über die Möglichkeiten zu beraten, Pflanzensammlungen auch in Deutschland zu erfassen und zu bewahren.

Armand Kremer (Green Globe, Würselen) sammelt Geum. Foto: Netzwerk Pflanzensammlungen

Andere Länder wie Großbritannien, die USA oder die Niederlande verfügen diesbezüglich bereits über eine strukturierte Vorgehensweise. Plant Heritage wurde in Großbritannien bereits 1978 gegründet, die ersten National Collections entstanden 1981. Ziel ist es, die Vielfalt der Kulturpflanzen dauerhaft zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es gibt Regelwerke in diesen Ländern, welche Mindestanforderungen an solch eine Sammlung zu stellen sind, denn drei verschiedene Alpenveilchen machen ja noch keine Sammlung.

Dass Pflanzensammlungen auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sein können, zeigen die Briten ganz eindrücklich. Nicht umsonst boomen die Gartenreisen ins Vereinigte Königreich, ganze Busladungen kaufen dabei die häufig angeschlossenen Spezialitätengärtnereien leer. Die Niederländer und Amerikaner gehen ganz ähnlich vor. Bei dem Symposium wurde die Frage gestellt, ob ein ähnliches System für Deutschland möglich sei, und wenn ja, wie ein solches Regelwerk aufgebaut werden könnte.

Ein erster Schritt ist dabei das Netzwerk Pflanzensammlungen, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. Das Netzwerk Pflanzensammlungen versteht sich als Plattform für die unterschiedlichsten Belange privater Pflanzenliebhaber (natürlich auch der Profi-Gärtner) und als Archiv zur Dokumentation von Sammlungsbeständen. Jeder Sammler kann sich auf deren Webseite registrieren und stellt sich der Sammler-Community mit einem Kurzporträt und dem Schwerpunkt der eigenen Sammlung vor.

Über Anfragen können sich die Sammler vernetzen, ihr Wissen austauschen, beispielsweise nach verschollenen Pflanzen nachfragen und untereinander Pflanzenmaterial tauschen. Bisher haben sich 125 Sammler registriert. Der nächste Schritt ist die Eintragung von Sammlungen in die Datenbank. Vielleicht entsteht daraus im Laufe der Zeit eine Art „deutscher Plantfinder“?

Auch über die Kennzeichnung hochwertiger Sammlungen mittels eines Qualitätslabels wurde angeregt diskutiert. Grundsätzlich sah man es positiv, aber zunächst müssen Kriterien und Einsatzmöglichkeiten noch gründlich erarbeitet werden. Das soll nun in den nächsten Monaten geschehen. Einzelne Kriterien der Briten, Amerikaner und Niederländer können dabei sicherlich als Basis dienen, ebenso die Kriterien, die bereits beim Verband Botanischer Gärten zum Thema Qualitätslabels erarbeitet wurden. Ein weiterer Punkt ist die dauerhafte Finanzierung, denn die laufende Projektförderung durch das Bundeslandwirtschaftsministerium kann nur eine Anschubfinanzierung sein. Kommt ein solches Label, kann es sicher zur Förderung von Gartenbau und Gartentourismus eingesetzt werden. (ka)