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Neue Schadsymptome an Baum-Hasel: Aufruf zur Proben-Einsendung

Die Baum-Hasel (Corylus colurna) gilt als immissions-, kälte- und hitzetolerant und hat relativ geringe Ansprüche an die Wasser- und Nährstoffversorgung. Auch als Alternative zur heimischen Esche ist sie wegen des Eschentriebsterbens zunehmend gefragt. Umso beunruhigender, dass Prof. Dr. Rolf Kehr von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (Göttingen) auf den Deutschen Baumpflegetagen neue Schadsymptome an Baum-Haseln vorstellte, die seit einigen Jahren gehäuft in Deutschland und den Niederlanden auftreten. 

Welken und Absterben der Krone. Foto: Prof. Dr. Rolf Kehr (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Göttingen)

Es handelt sich um relativ rasch verlaufende Absterbeerscheinungen, die auf den ersten Blick nicht den bekannten Ursachen wie etwa Streusalzschäden, Verticillium-Belastung, Bodenverdichtung oder Vernässung zuzuordnen sind, so Kehr.

Betroffene Bäume befinden sich oft ein Jahrzehnt oder mehr am Standort. Im Verlauf der Vegetationsperiode kommt es innerhalb weniger Wochen zur Laubverfärbung und zum Absterben einzelner Äste oder der ganzen Krone. Abgestorbene Äste und Stammteile zeigen verwelktes Laub und abgestorbene, dunkel verfärbte und teils bereits abblätternde Rinde. Auf Querschnitten absterbender Äste sind dunkel verfärbte Phloembereiche zu finden, und auf dem Querschnitt abgestorbener Stämme zeigen sich oftmals dunkle Zonen im Splint sowie im Zentralbereich des Holzkörpers. Die betroffenen Bäume sind in vielen Fällen von gesunden Nachbarbäumen gesäumt, es handele sich also offenbar um rasche Erkrankungsverläufe an Einzelbäumen.

Symptomatische Bäume wurden bislang aus verschiedenen geografischen Regionen gemeldet und untersucht, unter anderem aus Göttingen, Mannheim, Köln, Leipzig und mehreren Städten in den Niederlanden. Ähnliche Kronensymptome und zusätzlich ein auffälliger Schleimfluss der Rinde wurden auch an heimischen Corylus avellana in Norddeutschland gefunden.

Die Ursache für die beschriebene Symptomatik ist bislang noch unklar. Allerdings besteht laut Kehr der Verdacht, dass es sich um Bakterien der Gattungen Pseudomonas und Xanthomonas handeln könnte, wovon einige auch C. colurna befallen können. In Baumschulen und vielen Erwerbsanlagen sowie Wildbeständen von C. avellana im Süden und Südwesten Deutschlands seien seit etwa 2004 häufig Bakterien der genannten Gattungen aus kranken und absterbenden Haselnuss-Sträuchern isoliert worden.

C. colurna bilde in Deutschland auch Hybriden mit der heimischen Hasel (C. avellana). Zur Anfälligkeit der Hybriden gegen das neue Syndrom liegen bislang keine Erkenntnisse vor. Dies wäre jedoch sowohl für die Verwendung als Wald- und Straßenbaum als auch im Hinblick auf deren Eignung als Unterlage für den Erwerbsobstbau wichtig, so Kehr. Es besteht also noch erheblicher Forschungsbedarf, weswegen Kehr auch dazu aufrief, erkrankte Bäume von Corylus colurna und auch Absterbeerscheinungen an C. avellana zu melden und nach Absprache Proben zur weiteren Untersuchung einzusenden. „Die Symptomatik lässt sich am besten während des Hochsommers im belaubten Zustand beobachten“, so Kehr.

Kontakt: kehr(at)hawk-hhg.de oder joerg.schumacher(at)forst.bwl.de. (bo)