Grüne Branche

Neue Tomaten für's Freiland

Welche Tomatensorten eignen sich für den Anbau im Freiland und wie können neue Sorten gezüchtet werden, die gut schmecken und gegen Pilzbefall resistent sind? Mit diesen Fragen befasst sich seit 2003 die Arbeitsgruppe Standortanpassung und ökologische Züchtung der Georg-August-Universität in Göttingen unter der Ägide von Dr. Bernd Horneburg.

Tomaten gehören zu den wichtigsten Gemüsen in Deutschland. Mehr als 14 Kilo werden pro Person und Jahr verzehrt und die Tendenz ist steigend. Doch durch einen zunehmend aggressiven Befall mit dem Pilz Phytophthora infestans ist der Freilandanbau schwierig geworden. Gegen die Kraut- und Braunfäule helfe nur eine langfristig angelegte Resistenzzüchtung, so Dr. Horneburg.

Die Forscher haben bundesweit 3.500 Tomatensorten auf Feldresistenz gegen diese Fäule geprüft und ihre Ertrags- und Qualitätseigenschaften untersucht, um Sortenempfehlungen für den ökologischen Freilandanbau zu geben. Herausgekommen ist eine Liste der zehn Besten: 'Cerise rot' und 'Cerise gelb', 'Resi', 'Celsior', 'Rote Zora', 'Matina', 'Golden Currant', 'Rote Murmel', 'De Berao' und 'Die Paprikaförmige'. "Vor allem die Wildtomaten 'Rote Murmel' und 'Golden Currant' sind gut geeignet, weil sie einer Pilz-Infektion lange standhalten und auch in ungünstigen Lagen noch Früchte tragen", erläutert der Agrarwissenschaftler. Es sind interessante Sorten für Hobbygärtner. "Denn in Privatgärten und auf Balkonen werden in Deutschland etwa genauso viele Tomaten produziert wie im gesamten Erwerbsanbau", erläutert Dr. Horneburg. Insgesamt würden in Deutschland jährlich im Hobby- und im Profibereich etwa 40 Millionen Tomatenpflanzen angebaut.

Parallel zur Arbeit an den Sortenempfehlungen hat das ökologische Züchtungsprogramm auch 2003 begonnen. Die Göttinger Forscher kooperierten in ihren Untersuchungen mehrere Jahren mit dem gemeinnützigen Verein Dreschflegel. Im letzten Jahr wurden die besten Zuchtlinien mit Standardsorten bundesweit verglichen. Daraus sollen neue Sorten für den Anbau im Hobbybereich entstehen. Davon könnte auch der Erwerbsgartenbau profitieren, und zwar durch die Produktion von Jungpflanzen für den Endkunden.

In dem Forschungs- und Versuchsbetrieb der Göttinger Universität, dem Klostergut Reinshof, wurden 2009 in einem Genotypen-Vergleich 28 eigene Zuchtlinien getestet und mit Standardsorten wie 'Goldene Königin' und 'Harzfeuer F1' verglichen. Die Auswahl entstammte den Genotypen-Vergleichen des Vorjahres.

Eine Auswahl der Zuchtlinien wurde auch in der Naturland-Gärtnerei Rhauderfehn in Ostfriesland, dem klimatisch härtesten Standort, bei N. L. Chrestensen in Erfurt, dem Bioland-Betrieb der Domäne Dahlem in Berlin, dem Versuchsgut Kleinhohenheim der Universität Stuttgart-Hohenheim und im Versuchsbetrieb Ökologischer Gemüsebau der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Bamberg geprüft. Zuchtkriterien sind Frühzeitigkeit, Fruchtqualität, Feldresistenz und Wüchsigkeit. Aus diesem Vergleich gingen mehrere Zuchtlinien hervor, die auch 2009 mit guten Ergebnissen hinsichtlich Ertrag und Qualität überzeugen konnten, so dass Dr. Horneburg jetzt die Sortenanmeldung vorbereitet.

Wildtomaten für den Erwerbsgartenbau im Test

Darüber hinaus wird auch der erwerbsmäßige Anbau von Wildtomaten-Genotypen erprobt. In vergangenen Jahr wurden Cocktailtomaten in "wilder" Anbauweise getestet, das heißt sie wurden nicht gestäbt oder angebunden, sondern wuchsen in Gestellen. Das Züchtungsprogramm wird auch in den nächsten zwei Jahren fortgeführt.