Grüne Branche

Neuer Schädling auf Fehmarn entdeckt

Nach dem Asiatischen Laubholzbockkäfer und dem Citrusbockkäfer ist nun in Europa ein neuer Schädling aufgetaucht und zwar in Johannisberg auf der Insel Fehmarn. Noch sind die dort gefundenen Larven nicht mit letzter Sicherheit bestimmt. Die Untersuchungen werden am Julius Kühn-Institut (JKL), der Bundesforschungsanstalt für Kulturpflanzen, koordiniert und in Österreich durchgeführt, weil man dort auf Bockkäfer spezialisiert ist. Mit Ergebnissen wird frühes-tens Ende August gerechnet. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich aber um Saperda candida, der auch als Rundköpfiger Apfelbaumbohrer bezeichnet (roundheaded apple tree borer) wird - ein bisher in Europa unbekannter Schädling. Die etwa drei Zentimeter großen Larven wurden an Sorbus, Crataegus und Apfelbäumen entdeckt, bestätigt Jens Matthey, von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Referat Pflanzengesundheit. Die Stämme weisen große Fraßlöcher auf. Nach dem ersten Befall hat ein so genanntes Monitoring stattgefunden, das heißt im Umkreis von zwei Kilometern um den Erstbefund wurden alle Gehölze untersucht. Das Auftreten der Larven ist auf einen engen Bereich von etwa 200 bis 300 Metern im Umkreis beschränkt, was auf einen engen Flugradius des Schädlings schließen lässt, so Matthey. Zwanzig Alleebäume (Sorbus intermedia) im öffentlichen Grün wurden bereits gefällt, vor allem auch um genügend Beprobungsmaterial für die notwendigen Untersuchungen zu haben. Dr. Peter Baufeld vom Institut für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit beim JKI stuft das phytosanitäre Risiko dieses Schädlings als hoch ein. Anders als die meisten anderen Bockkäfer befällt Saperda candida auch gesunde Bäume. Das Alter spielt dabei keine Rolle, drei bis zehnjährige Bäume werden aber am meisten geschädigt. Der Schädling bevorzugt Apfel, geht aber auch an Sorbus, Weißdorn, Kirsche, Pflaume und Quitte. Ein Befall kann bis zum Absterben der Laubbäume führen. Sollten die Untersuchungen bestätigen, dass es sich um Saperda candida handelt, könnten weitere Fällungen folgen. Der Schädling würde dann als Quarantäneschädling eingestuft. Saperda candida ist im Osten der USA beheimatet, kommt aber auch in den kanadischen Provinzen Manitoba und Saskatchevan vor. Die Entwicklungszeit beträgt zwei bis vier Jahre. In den USA gilt er als bedeutendster Apfelschädling. In Kanada ist er als Quarantäneschädling eingestuft. Wie der Schädling nach Fehmarn gekommen ist, bleibt unklar. Als mögliche Einschleppungsrouten werden Schiffstransporte über Puttgarden oder das Einbringen fremder Gehölze in Gärten vermutet.