Grüne Branche

Neues Zertifizierungsverfahren für Saat und Knospen ist praxisreif

Das Thema Autochthonie und deren Nachweis, also die Zertifizierung von Saatgut, werden in der Baumschulbranche schon länger kontrovers diskutiert. Weniger bei Waldbäumen, für die es seit etwa 100 Jahren Untersuchungen zur Eignung von Herkünften gibt, als vielmehr bei Landschaftsgehölzen. Ziel ist, den Weg des Pflanzenmaterials von der Ernte bis zur Jungpflanze nachverfolgen und auf Plausibilität prüfen zu können, um unabhängig von den staatlichen Kontrollen eine bessere Herkunftssicherheit für forstliches Vermehrungsgut bieten zu können.

Dazu müssen bei jedem Produktionsschritt zumindest von den wichtigen Massengehölzen Rückstellproben gezogen werden. Von denen werden standardmäßig jährlich fünf Prozent stichprobenartig im Hinblick auf die Herkunft untersucht. Das Anliegen einer Zertifizierung von Landschaftsgehölzen brachte als erstes der ZÜF (Zertifizierungsring überprüfbare forstliche Herkunft Süddeutschland) zur Sprache und nutzte auch ein entsprechendes technisches Zertifizierungsverfahren, das mit Genmarkern arbeitet. Später beschäftigte sich auch die DKV (Gütegemeinschaft für forstliches Vermehrungsgut) mit dem Thema. In der DKV sind staatliche Stellen ebenso wie private Baumschulen und Erntebetriebe organisiert. Die DKV wandte sich an das Untersuchungslabor "Isogen" (Göttingen) mit dem Auftrag ein konkurrenzfähiges Zertifizierungssystem zu erarbeiten. Diese Art von Zertifikaten ist dem hoheitlich ausgegebenen Stammzertifikat nachgelagert, das für Vermehrungsgut ausgestellt werden muss, welches dem Forstvermehrungsgutgesetz (FoVG) unterliegt. "Isogen" nahm den Auftrag an und im Herbst 2006 erfolgte der erste Lauf des neu entwickelten Zertifizierungssystems. Es ist von den Grundgedanken her mit dem ZÜF-Verfahren vergleichbar, aber praxisnaher und etwas weniger aufwändig, sagt Dr. Ludger Leinemann, einer der Betreiber von "Isogen". Mittlerweile konnten von über 120 Herkünften Rückstellproben angelegt und eingelagert werden, die für das Stichprobenverfahren herangezogen werden. Datenbank, eingelagerte Rückstellproben und stichprobenweise Laboruntersuchungen sind dabei die wichtigsten Säulen des Verfahrens. "Isogen" selbst bietet nur die Dienstleistung der Untersuchung an. Die Kontrollfunktion hat in dem System einzig der Zertifizierer, Prof. Dr. Reiner Finkeldey. Eine weitere Schlüsselfunktion hat der Träger des Verfahrens, das Forum forstliches Vermehrungsgut (FfV), das die jeweilige Methodenwahl mit "Isiogen" abstimmt und die Aufträge zur Untersuchung erteilt. Dem FfV gehören Forstbeamte, Ernteunternehmer und Baumschuler aus verschiedenen Bundesländern an. Das FfV wiederum benennt auch den Zertifizierer, der "Isogen" kontrolliert und anhand der Datenbank stichprobenweise Kontrollen durchführt beziehungsweise Laboruntersuchungen anordnet. Wichtige Prinzipien des neu entwickelten Zertifizierungsverfahrens sind die Transparenz, die Neutralität durch wirtschaftliche Unabhängigkeit, die Marktoffenheit, bei der kein Marktteilnehmern ausgeschossen wird, und dass die Sicherheit stets auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist. Vorsitzender des FfV ist Bolko Haase von der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt.

Die Untersuchungen werden mit Hilfe von Genmarkern durchgeführt. Anhand der Genmarker sind charakteristische Häufigkeitsprofile der Erbanlagen erkennbar. Stimmen diese signifikant nicht mit der Referenzprobe, die aus dem Erntebestand genommen wurde, überein, liegt die Vermutung nahe, dass das geprüfte Vermehrungsmaterial nicht aus dem angegebenen Erntebestand kommt (Gegenbeweis). Für die Nachweise sind Rückstellproben aus den verschiedenen Stadien des Produktionsprozesses nötig, die bei jedem Besitzübergang genommen werden. Für die Untersuchung verwendbar sind grundsätzlich alle Pflanzenteile: Äste, Zweige, Knospen oder Samen. Das neue Zertifizierungsverfahren arbeitet mit Samen und Knospen. Das FfV-Zertifizierungsverfahren wurde im April dieses Jahres durch den PEFC akkreditiert. Die für einen ersten Probelauf kalkulierten Kosten erwiesen sich als korrekt und können auch für das akkreditierte Verfahren in Ansatz gebracht werden. Dabei kostet ein Erntezertifikat preisgünstige 238 Euro, ein Saatgut- oder Pflanzen-Zertifikat 60 Euro (kleine Partie, aus der bis zu 100000 verkaufsfähige Pflanzen gezogen werden können), 119 Euro (für bis zu 250000 verkauffähige Pflanzen) oder 238 Euro (größere Mengen). Verluste durch Verschulung und Ausfälle werden mit 50 Prozent kalkuliert. Der FfV und "Isogen" sowie die anderen Beteiligten erhoffen sich nun eine breitere Marktakzeptanz dieses Verfahrens. Vor allem eine Beteiligung der Staatswaldbesitzer wäre wünschenswert. Auch für die Vermehrung von Nordmanntannen im Hinblick auf den Weihnachtsbaumanbau bietet das Verfahren Sicherheit bei der Herkunftsbestimmung.