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Niederländischer Blumen- und Pflanzenhandel: Exportwert im Minustrend

„Exportwert kräftig gestiegen“, so lautete vor einem Jahr die Schlagzeile zu den niederländischen Schnittblumen- und Topfpflanzen-Exportwerten (siehe TASPO 31/2012). Seither aber ging’s bergab. In allen vier folgenden Quartalen war der Exportumsatz niedriger als im gleichen Quartal des Jahres zuvor. Diese negative Entwicklung hat sich im zweiten Quartal 2013 sogar noch verstärkt.

Motiv vom Export- und Großhändlerbereich (Trade Parc Westland) auf dem Gelände von FloraHolland in Naaldwijk. Foto: Edwin Hanselmann

Im zweiten Quartal 2013 war der Exportumsatz für Schnittblumen und Topfpflanzen (einschließlich Beet- und Gartenpflanzen) um fünf Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum 2012. Im gesamten ersten Halbjahr 2013 fiel der Exportwert um über dreieinhalb Prozent niedriger aus als von Januar bis einschließlich Juni des vergangenen Jahres. Er sank von 3,10 auf 2,99 Milliarden Euro, wie aus der vom Marktverband HBAG Bloemen en Planten veröffentlichten Exportstatistik hervorgeht.

Auf die beiden Produktbereiche verteilt sich der Rückgang prozentual annähernd gleich. Bei Schnittblumen war der Exportwert im ersten Halbjahr 2013 um 3,5 Prozent niedriger als im gleichen Vorjahreszeitraum und erreichte 1,83 Milliarden Euro, bei den Topfpflanzen (einschließlich Garten-, Beet- und Balkonpflanzen) sank der Exportwert um 3,7 Prozent auf 1,16 Milliarden Euro.

Noch etwas drastischer als im Gesamtdurchschnitt war der Rückgang bei den Lieferungen nach Deutschland, dem wichtigsten Abnehmerland: minus 5,5 Prozent auf 940,9 Millionen Euro (Januar bis Juni 2013 im Vergleich zu Januar bis Juni 2012). Hierbei war der Schwund bei den Lieferungen nach Nordrhein-Westfalen (minus 2,9 Prozent auf 366,4 Millionen Euro) geringer als beispielsweise nach Süddeutschland (minus 7,8 Prozent auf 245,8 Millionen Euro).

Beim Export ins Vereinigte Königreich – dem nach Deutschland zweitwichtigsten Bestimmungsland – gab es nur eine Verringerung um 1,9 Prozent auf 429,5 Millionen Euro. Dagegen fiel der Aderlass bei den Lieferungen nach Frankreich ähnlich stark wie nach Deutschland aus: minus 5,3 Prozent auf rund 342 Millionen Euro.

Noch höher war das Minus bei den Lieferungen in die Alpenländer Schweiz (minus 7,8 Prozent auf 90,5 Millionen Euro) und Österreich (minus 6,6 Prozent auf 85,5 Millionen Euro).

Der Rückgang bei den niederländischen Blumen- und Pflanzenexporten in die südeuropäischen Krisenländer hat sich weiter beschleunigt. Der 9,3-prozentige Rückgang nach Italien (auf 134,3 Millionen Euro) erscheint noch moderat. Drastischer sank der Wert der Lieferungen nach Spanien (minus 26,9 Prozent auf 35,5 Millionen Euro), Portugal (minus 17,5 Prozent auf 13,4 Millionen Euro) und Griechenland (minus 30,1 Prozent auf 9,25 Millionen Euro).

Zuwächse verzeichnet die Halbjahres-Statistik des niederländischen Schnittblumen- und Topfpflanzen-Exportes bei den Lieferungen nach Osteuropa und in die skandinavischen Länder. Jedoch gab es beim Export nach Russland – dem insgesamt viertwichtigsten Bestimmungsland – nur eine Zunahme um 0,3 Prozent auf 150 Millionen Euro.

Teilweise überraschend starke Zuwächse verzeichnete man bei den Exporten in die Ukraine (plus 28,3 Prozent auf 26,5 Millionen Euro), nach Lettland (plus 30 Prozent auf 14,2 Millionen Euro), in die Türkei (plus 22,9 Prozent auf 8,95 Millionen Euro) und nach Weißrussland (plus 57 Prozent auf 6,5 Millionen Euro). Eine markante Zahl ist auch der 36,2-prozentige Zuwachs des Exports in die Vereinigten Arabischen Emirate (auf 5,95 Millionen Euro).

85,5 Prozent des niederländischen Schnittblumen- und Topfpflanzen-Exportwertes basiert auf den Lieferungen in die Länder der Europäischen Union. Auf den Rest Europas – einschließlich Russland und Türkei –entfallen 11,8 Prozent. Somit verbleiben nicht ganz drei Prozent für die weiter entfernten Ziele. Hierbei gab es einen 10,2-prozentigen Rückgang bei den Exporten nach Nordamerika, andererseits deutliche Zunahmen bei den Lieferungen nach Afrika, Südamerika und den Mittleren (= Vorderen) Osten.

Ungünstige Witterung gilt als einer der Gründe für den Rückgang. Dies habe sich besonders im höheren Preissegment niedergeschlagen. Auch wurde angemerkt, dass die Halbjahreszahlen 2012 und damit die Vergleichsdaten sehr gut gewesen waren. Generell gab es im ersten Halbjahr 2013 einen viel stärkeren Druck auf die Preise.

Angesichts des bisherigen Jahresverlaufs – so die Einschätzung von HBAG Bloemen en Planten – werde es der niederländische Blumen- und Pflanzen-Exporthandel schwer haben, im gesamten Jahr 2013 insgesamt noch ein positives Ergebnis zu erzielen.

Mittel- und längerfristig seien die Wachstumsperspektiven beim niederländischen Blumen- und Pflanzenexport allerdings weiterhin vorhanden. Mit weiterer Digitalisierung und neuen Marketing-/Absatzkonzepten könne Holland die Position als führender Lieferant von Schnittblumen, Topf- und Gartenpflanzen halten. (eh)