Grüne Branche

Nutzen des Friedhofs stärker gewichten - Neues Friedhof-Positionspapier des Deutschen Städtetags

"Die Friedhöfe sind in ihrem Nutzen für die Allgemeinheit mit steuerfinanzierten Park- oder Grünanlagen vergleichbar. Diese Wertschöpfung ist finanziell im Haushaltsplan abzubilden." Das Zitat stammt aus einem neuen Positionspapier des Deutschen Städtetages zur "künftigen Struktur und Strategie im Friedhofs- und Bestattungswesen". Friedhofs-Amtsleiter Matthäus Vogel aus Karlsruhe sprach es bei der Friedhofstagung der Gartenakademie Baden-Württemberg in Heidelberg an. Friedhöfe seien "mehr als nur Beisetzungsorte für Tote, sie sind auch Orte der Lebenden". Über die Funktion der reinen Daseinsvorsorge erfüllen sie kulturelle und historische Funktionen, soziale Funktionen, wirtschaftliche Funktionen, denkmalschützerische Funktionen, ökologische Funktionen und Erholungsfunktionen.

Seit den 80er-Jahren werden mancherorts kommunale Leistungen auf dem Friedhof mit dem Ziel der vollen Kostendeckung kalkuliert. Die Friedhofsgebühren - so ein unkommentierter Hinweis im Positionspapier - seien in der Folge sprunghaft angestiegen. Verschärft wurde diese Problematik durch den Wegfall des Sterbegeldes. Immer mehr Nutzern falle die Bezahlung der hohen Friedhofsgebühren schwer.

Obwohl Friedhöfe viele Funktionen haben und allen Bewohnern zugute kommen, würden die Gesamtkosten in zunehmendem Maße den einzelnen Nutzern angerechnet. Dieses "Ziel der vollen Kostendeckung" mit den hohen Friedhofsgebühren als Folge fördere unter anderem aber private Krematorien, private Beisetzungsangebote (wie Friedwald) und Bestattungsangebote im Ausland.

Friedhöfe - so lautet einer der weiteren Grundsätze in dem Positionspapier - bedürften auch künftig einer Trägerschaft in öffentlich-rechtlicher Form. Dies, um langfristig als Kulturgut erhalten zu werden. Nur öffentliche Träger könnten diese Nachhaltigkeit - mindestens 50 bis 100 Jahre - gewährleisten.

Die Passage "Bewirtschaftung von Friedhöfen" hebt andererseits hervor, alle Aufgaben seien möglichst wirtschaftlich zu erledigen. Kommunen könnten sich hierfür auf dem Friedhof durchaus den Angeboten privater Unternehmen bedienen.

Neuanlagen und Erweiterungen sowie das Flächenmanagement von vorhandenen Friedhöfen seien im Hinblick auf ihre Gebührenrelevanz "äußerst sorgsam vorzunehmen". Hierbei wäre zugleich die Nachfrage nach neuen Bestattungsformen zu beachten.

Der Deutsche Städtetag empfiehlt in seinem neuen Positionspapier den Kommunen außerdem, einfache Begräbnisse oder zumindest Teilleistungen hierfür wie früher durch "allgemeine Deckungsmittel" zu finanzieren. Für bestimmte Leistungen sollten keine kostendeckenden Gebühren erhoben werden. Dies gelte insbesondere bei der Festsetzung der Gebühren für Kapellen und Leichenhallen.

Das Recht auf eine würdige Bestattung gilt nach Angabe im Positionspapier gleichermaßen für jene, die dies nicht aus eigenen Kräften finanzieren können. Jedem müsse "ein würdiger Abschied von dieser Welt und ein persönliches Gedenken in Form eines entsprechenden Grabes" zugesichert werden. Dies bedeute als Mindeststandard: Begräbnis in ortsüblicher Mindestqualität und Beisetzung in einem Reihengrab!