Nutzfahrzeuge: die „Schnuckeligen“ auf der IAA Transportation

Veröffentlichungsdatum: , Lorenz Wieland

Ebenfalls auf der IAA Transportation in Hannover präsentierte sich Veth Automotive aus den Niederlanden, ein Allround-Spezialist für die Umrüstung von Nutzfahrzeugen. Foto: Lorenz Wieland

Unter dem neuen Namen IAA Transportation ist am 20. September in Hannover die nach eigenen Angaben „weltgrößte Plattform für Transport und Logistik“ gestartet, auf der über 1.400 internationale Aussteller ihre Innovationen und neuesten Nutzfahrzeuge präsentieren. Wir waren auf der Messe unterwegs und stellen Ihnen hier einige besonders „schnuckelige“ Modelle vor.

Der erste vollelektrisch konzipierte Bus von VW

VW präsentierte in Hannover den neuen ID. Buzz und ID. Buzz Cargo. Der vollelektrische Volkswagen ID. Buzz Cargo erhielt zudem auf der Messe die Auszeichnung als „Van of the Year 2023“. Die Jury aus 24 Fachjournalisten lobte Volkswagen für „die Entwicklung dieses einzigartigen Fahrzeugs, das perfekt für das umweltbewusste städtische Umfeld geeignet ist“. Mit seinem futuristischen und raffinierten Design setze der neue ID. Buzz ein Zeichen, rufe aufgrund einiger äußerer Merkmale wie der V-förmigen Motorhaube und dem markanten VW-Zeichen aber auch Erinnerungen an den ursprünglichen Transporter T1 von vor 70 Jahren hervor.

Angelehnt an das ikonische Design der ersten Bulli-Generation und mit einer Reichweite von bis zu 423 Kilometer (WLTP-Prüfverfahren), ist der ID. Buzz auf Wunsch in vier Zweifarblackierungen erhältlich. Den Stromverbrauch gibt VW mit 18,9 kWh/100 km (kombiniert) an (Effizienzklasse: A+++), und die CO2-Emission mit 0 g/km (kombiniert). Im Sinne einer klimabewussten Zukunft wird der neue ID. Buzz laut VW nicht nur bilanziell CO2-neutral ausgeliefert, er fährt demnach auch lokal komplett CO2-frei. Mit dem ID. Charger7 gibt es auch die passende, optionale Wallbox dazu.

Der ID. Buzz werde die individuelle Mobilität verändern und den Weg in eine umweltbewusste Zukunft weisen, so Volkswagen. Dank seines tierlederfreien Interieurs und der Verwendung recycelter Materialien an vielen Stellen – etwa bei den Sitzbezügen, den Bodenbelägen und im Dekorhimmel – bringe er Nachhaltigkeit und Komfort in Einklang. Darüber hinaus beeindrucke der neue ID. Buzz auch mit zahlreichen digitalen Features. So könne er dank Car2X mit anderen vernetzten Verkehrsteilnehmenden kommunizieren, um den Fahrer bereits im Voraus über mögliche Gefahren und Staus auf dem Weg zu informieren. Auf Wunsch sind über 30 Assistenzsysteme „an Bord“, für die gute Sicht sorgen optionale LED-Matrix-Scheinwerfer. Mit seiner fest verbauten SIM-Karte ist er VW zufolge „always on“, um die digitalen Funktionen des ID. Buzz auf dem neusten Stand zu halten. Mit „Over-the-air“ Updates mittels We Connect lasse sich die Software für die Systeme bequem per Knopfdruck aktualisieren.

Der ID. Buzz Cargo bietet mit seinem neu gedachten Laderaumkonzept laut Volkswagen Platz für zwei quer eingeladene Europaletten. Das Ladevolumen gibt VW mit bis zu 3,9 Kubikmetern an, die Nutzlast mit 650 Kilogramm Dank seines kleinen Wendekreises von nur 11,09 Metern liefere der ID. Buzz Cargo sogar in den engen Straßen der Großstadt immer zuverlässig ab, wie der Fahrzeughersteller betont. Eine zweite, optionale Schiebetür auf der Fahrerseite mache das Be- und Entladen noch komfortabler, zudem ermögliche der leistungsfähige e-Antrieb des neuen ID. Buzz Cargo mit der optionalen Anhängevorrichtung Anhängelasten von bis zu 1.000 Kilogramm. Den Stromverbrauch gibt VW mit kombiniert 22,2 bis 20,4 kWh/100 km kombiniert (WLTP) an, die CO2-Emission mit 0 g/km (kombiniert).

IVECO kombiniert Vergangenheit und Zukunft

Drei Sondermodelle am Messestand von IVECO sollen das solide und prestigeträchtige Erbe des Nutzfahrzeugherstellers mit dem unermüdlichen Streben nach Innovation verbinden, um die Anforderungen der Kunden zu erfüllen. Der IVECO S-WAY Turbo Star ist dem Unternehmen zufolge eine Hommage an einen der kultigsten, innovativsten und kommerziell erfolgreichsten Lkw der Marke. Zwei Daily-Sondermodelle, die während der Pressekonferenz vor der Eröffnung der IAA Transportation vorgestellt wurden, sollen dagegen eine einzigartige Kombination aus Vergangenheit und Zukunft bieten, da sie von zwei legendären OM-Fahrzeugen aus den 50er und 60er Jahren inspiriert wurden – dem Tigrotto und dem Leoncino. Diese Kultfahrzeuge spielten eine grundlegende Rolle in der Welt des Transports und prägten die boomende Wirtschaft jener Jahre. Die Leoncino-Sonderedition ist eine Vintage-Interpretation des neuen eDAILY, während der Tigrotto eine Variante des Daily 4x4 ist.

Besonders im Fokus stand bei IVECO der neue eDAILY als ein Wegbereiter für den lokal emissionsfreien Straßengüterverkehr. Als „elektrischer Zwilling“ des DAILY biete er die gesamte Palette mit allen Karosserievarianten – Kastenwagen, Fahrgestell und Minibus, von 3,5 bis 7,2 Tonnen. Er behält die berühmten charakteristischen Merkmale des DAILY bei und verfügt über einen vollständig modularen 37-kWh-Batteriesatz, der eine Optimierung der Reichweite ermöglichen soll und den eDAILY laut IVECO für alle Einsätze anpassbar macht.

Maßstäbe will der Hersteller mit dem neuen eDAILY setzen, indem er Elektrofahrzeuge in das Um- und Aufbaugeschäft einführt – den Angaben zufolge lassen sich verschiedene Arten von ePTOs bis zu 15 kW installieren. Dadurch könne der eDAILY Kühlaggregate, Kräne und andere Aufbauten und sogar die anspruchsvollsten Fahrzeuge wie Müllabfuhr und Hebebühnen mit Energie versorgen.

Zu den speziellen eServices gehört die innovative eDAILY Routing App, die mit dem Fahrzeug interagiert, um die Reichweite des Fahrzeugs, die erforderliche Batterieladung zum Erreichen des Ziels und die genaue Ankunftszeit vorherzusagen. Die IVECO ON Easy Daily App, die in den Sprachassistenten IVECO DRIVER PAL integriert ist, biete darüber hinaus spezifische Informationen für Elektrofahrzeuge wie Fahrzeugzustand, Batterieladezustand, Planung der Batterieaufladung aus der Ferne, Navigation zu Ladestationen und mehr.

Grünes Fahrzeug = aCar von EVUM

EVUM Motors als Spin-off-Unternehmen der Technischen Universität München stellt unter der Typbezeichnung aCar einen kompakten, elektrisch angetriebenen Kleintransporter mit Allradantrieb her und vermarktet diesen auch. 2017 gegründet, lieferte EVUM Motors im Sommer 2021 die ersten Fahrzeuge an Kunden aus. Den allradangetriebenen (20 kW) Elektro-Transporter aCar gibt es mit einer Zuladung bis zu 1.100 Kilogramm und einer Anhängelast bis 1.100 Kilogramm (gebremst) sowie verschiedenen Ladeplattformen. Die Reichweite mit kleiner Batterie betrage rund 100 Kilometer, mit größerer (33 kW) bis 200 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit gibt EVUM Motors mit 70 km/h an. Als Besonderheit gibt es am Heck eine Steckdose mit 230 Volt.

Das Safari-like Fahrzeug von Cenntro

Cenntro, Entwickler und Hersteller von leichten und mittelschweren elektrischen Nutzfahrzeugen, präsentierte in Hannover neben seiner Weltpremiere des neuen elektrischen Lieferfahrzeugs Logistar 100 und innovativen neuen Aufbauten für die Logistar 200- und Metro-Serie auch sein Safari-Stimmung aufkommen lassendes Showcar „Dessert Beaver“. In der Serienversion – die Markteinführung ist Ende des Jahres geplant – ist er zwar einfacher ausgestattet, optional aber auch mit anderer Ausstattung bis zu der vorgestellten Version zu haben. Der „Dessert Beaver“ hat eine Zuladung bis zu einer Tonne bei einem zulässigen Gesamtgewicht bis 2,1 Tonnen, eine Reichweite bis 75 Kilometer und eine Höchstgeschwindigkeit bis 55 km/h. Als Showcar war er mit Seilwinde und Anhängekupplung ausgestattet. Als Abnehmer stellt sich der Hersteller Forstwirtschaft, GaLaBau oder Freizeitparks vor.

Der als Weltpremiere vorgestellte neue Logistar 100 von Cenntro hat eine Reichweite von 120 Kilometern, eine Nutzlast von 525 Kilogramm und ein Ladevolumen von zwei Kubikmetern. Der kleine Cityflitzer qualifiziert sich für eine breite Palette von Anwendungen wie Schnelllieferdienste, Handwerker-Notdienste, Gastgewerbe und Facility Management. Auf der IAA ist neben dem LS 100 die gesamte Produktpalette von Cenntro vor Ort zu sehen. Das umfasst den in Deutschland gefertigten Elektrotransporter Metro L und N, den größeren Logistar 200 sowie den Logistar 400 Truck, der zum ersten Mal außerhalb der USA gezeigt wird. Für die urbanen Transportspezialisten Metro und Logistar 200 präsentiert das Unternehmen neue Aufbauten, die mit innovativen Lösungen aufwarten sollen.

Ebenfalls in Hannover steht das Antric One Cargobike, ein E-Lastenrad mit vier Rädern, das speziell auf Lieferdienste und den Transport von Stückgut auf der letzten Meile zugeschnitten ist. Das Cargobike nutzt ein innovatives Rollwagen-System in Kombination mit einer niedrigen Ladefläche. Messebesucher können das Antric One auf der vom 20. bis 25. September stattfindenden IAA Transportation im Rahmen einer Probefahrt im Lastenrad-Parcours auf dem Freigelände am Stand CB90 testen.

 

Die Bildergalerie zeigt das Showcar „Dessert Beaver“, den ID. Buzz, den Tigrotto und das aCar auf der IAA Transportation in Hannover. Fotos: Lorenz Wieland

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