Obst und Gemüse auf dem Friedhof?

Veröffentlichungsdatum: , Sven Weschnowsky / TASPO Online

In Braunschweig wachsen auf einem Krab Kürbisse, die zurzeit für Kontroversen sorgen. Symbolfoto: S. Hermann & F. Richter/ Pixabay

Auf dem Braunschweiger Hauptfriedhof sorgt aktuell ein bestimmtes Grab für Diskussionen. Anstatt mit Zierpflanzen ist es mit Obst- und Gemüsepflanzen versehen. Doch nicht nur in der Löwenstadt ist diese Bepflanzung zu sehen, auch in anderen Städten wie Wien sorgen Obst und Gemüse vom Grab für Kontroversen.

Braunschweiger Friedhofsordnung erlaubt Obst- und Gemüsepflanzen

In Braunschweig sorgten in den vergangenen Wochen auf dem Hauptfriedhof in der Tagespresse Kürbispflanzen, ein Apfelbaum, Stachelbeeren, Johannisbeeren und Rote Beete auf einem Grab für Berichterstattung. Auch der NDR widmete in seiner Sendung Hallo Niedersachsen dem Gemüse auf dem Grab einen Beitrag. Demnach sorgt die Bepflanzung für Diskussionsstoff. Gehört es sich, ein Grab mit Obst oder Gemüse zu bepflanzen? Traditionell lautet die Antwort eher nein, doch da es die Braunschweiger Friedhofsordnung hergibt, haben Angehörige hier das Grab eines Verstorbenen mit Kürbispflanzen versehen. Einzige Bedingung sei es, dass die Pflanzen nicht auf benachbarte Gräber wuchern.

„Friedhof genauso bunt wie die Welt“

Auch von Seiten der Kirche betrachtet man die Situation sehr liberal. „Der Kürbis symbolisiert das pralle Leben. Gottes Beziehung endet nicht an Gräbern, sondern reicht weiter. Das ist uns als Kirche sehr wichtig und das hier ist ein Ort des Lebens“, erläutert der stellvertretende Probst Braunschweigs Peter Kapp. „Wir haben hier auch Skatkarten auf Gräbern von Skatspielern, […] oder Zigarettenspitzen, wo Angehörige für den Verstobenen eine Zigarette angezündet haben, damit er rauchen kann. Der Friedhof ist genauso bunt wie die Welt“, fügt Wilhelm Klose, Friedhofsverwalter in Braunschweig hinzu. Und laut NDR habe auch Birgit Ehlers-Ascherfeld, Vorsitzende im Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) keinerlei Bedenken gegenüber Obst- und Gemüsepflanzen auf Gräbern geäußert.

Kritik von Besuchern und Zeitungslesern

Anders sehen die Situation einige Leser der Braunschweiger Zeitung (BZ), sowie vom NDR befragte Besucher. „Friedhöfe und Obst- und Gemüseanbau gehören nicht zusammen“, so die Meinung einer Leserin der BZ. „Dagegen spricht die Nutzung. Ich möchte kein Gemüse oder Salat vom Grab essen wollen“, so ein Friedhofsbesucher in Braunschweig vor dem Mikrofon bei Hallo Niedersachsen.

Wien verpachtet Gräber zum Gemüseanbau

Einen Schritt weiter geht man dabei sogar noch in Wien. Auf dem Matzleinsdorfer Friedhof verpachtet Friedhofsverwalter Walter Pois Grabflächen, die nicht mehr von Angehörigen gepflegt und betreut werden für 75 Euro im Jahr an Urban-Gardening-Fans. Zur Verfügung stehen rund 1.500 Grabstellen mit jeweils zweieinhalb Quadratmeter. Vor ein paar Jahren begann man in Wien mit der alternativen Nutzung von Gräbern. Mittlerweile seien rund 20 Gräber in den Händen von Gemüsegärtnerinnen und Gärtnern, die hier Kartoffeln, Kohlrabi, Zwiebeln und Tomaten anpflanzen, Tendenz steigend.

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