Grüne Branche

Obstbauern rechnen mit geringeren Ernten

Nicht überall ist dieses Jahr gut Kirschen essen!
Hervorragende Qualität – aber geringere Erträge: Die Ernte der Süßkirschen ist in vielen Regionen Bayerns zum Teil sehr gering ausgefallen. Dieses Fazit zieht Hubert Siegler, Obstbauexperte der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim: „Ein langer Winter, eine kurze Blüte, ein kühles Frühjahr und mancherorts Starkregen verursachten nicht nur eine um rund zwei Wochen verspätete Reife. Viele Früchte fielen vorzeitig ab. Begünstig sind lediglich die Unterfranken.

Im Versuchsgelände Stutel der LWG zum Beispiel freut sich Siegler über eine gute Ernte in hervorragender Qualität. Und sie ist noch nicht zu Ende: Voraussichtlich bis Ende Juli werden die Mitarbeiter Süßkirschen ernten können. In Spätgebieten wie der Fränkischen Schweiz wohl noch länger.

Besonders stark von Ernteeinbußen betroffen sind Obstbauern im Hauptanbaugebiet der Fränkischen Schweiz . Trotz vielfach starker, jedoch zu rasch verlaufender Blüte verzeichnen die Obstbauer unterdurchschnittliche Erträge. Kirschen, aber auch Äpfel und Zwetschgen wurden nur mäßig befruchtet. Das kühle, regnerische und trübe Wetter mit hohem Lichtmangel in Mai und Juni stoppte eine zügige Entwicklung junger Früchte. Ein außergewöhnlich hoher, vorzeitiger Fruchtfall war die Folge. Heftige Regenfälle ließen in manchen Regionen zusätzlich die Kirschen platzen. „Daher rechnen die Obstbauern hier bestenfalls mit mittleren, meist jedoch geringen Erntemengen, sagt Siegler.

„Allerdings besitzen die geernteten Früchte eine sehr gute Qualität. Und da die Saison gut zwei Wochen später startete, gibt es den ganzen Juli über frische, köstliche Kirschen, In Spätgebieten wie der Fränkischen Schweiz auch darüber hinaus“, tröstet er.

Der Anbau von Süßkirschen ist anspruchsvoll. Denn sie gedeihen nicht überall. Die Bäume stellen hohe Ansprüche an ihren Standort. Der Boden sollte nicht zu nass sein und Kaltluft sollte gut abfließen können, denn die Blüten sind frostempfindlich. Die besondere Erziehung zu Spindelbäumen und intensiver Schnitt erfordern viel Geschick und gärtnerisches Können. Neue, dicht stehende Kirschbäume in größeren Anlagen auf schwach wachsenden Unterlagen werden oft mit einer Tropfbewässerung ausgestattet. Um ein Platzen der Kirschen bei Regen zu verhindern, schützen einige Obstbauer ihre Anlagen mit aufwändigen Foliendächern. Netze bieten zusätzlichen Schutz vor Vögeln, die gerne die süßen Früchte anpicken.

Im Versuchsgelände Stutel der LWG werden viele Sorten geprüft, sowohl für den Erwerbsanbau als auch für den Hausgarten. „Freizeitgärtner sollten sich bei der Wahl ihres Baumes für Bewährtes entscheiden: Nur früh reifende Kirschen wie Burlat, Johanna, Merchant, Early Star und die neue ‘Bellise‘ bleiben weitgehend madenfrei. Bei Spätsorten wie der qualitativ sehr hochwertigen Kordia, Regina oder Neuheiten wie Tamara muss leider mit dem Wurm in der köstlichen Frucht gerechnet werden,“ betont Siegler.