Grüne Branche

Orientierungsdaten Baden-Württemberg: Situation der Friedhofsgärtnereien

Die Gewinne der Friedhofsgartenbaubetriebe blieben in den vergangenen drei Jahren in etwa stabil. Ein zentrales Thema für die Friedhofsgärtner muss die Steigerung der Arbeitsproduktivität sein. So lautet zwei Ergebnisse der Orientierungsdaten von identischen Friedhofsgartenbaubetrieben zusammengestellt von Christoph Hintze von der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg.

Von insgesamt 33 ausgewerteten Betrieben sind 29 sogenannte identische Friedhofsgartenbaubetriebe. Diese Betriebe machen bereits über einen längeren Zeitraum beim Kennzahlenvergleich mit und liefern die Daten für die langfristige Betrachtung. Die Gewinne dieser Betriebe blieben in den vergangenen drei Jahren in etwa stabil.

Bei für eine Familien-Arbeitskraft angenommenen 2.500 Arbeitsstunden pro Jahr kommen die Betriebe im Durchschnitt auf eine Entlohnung von etwas über 21 Euro pro Arbeitsstunde.

Die 2011er Zahlen verdeutlichen den zunehmenden wirtschaftlichen Druck, der auf den Betrieben lastet: Während die betrieblichen Erträge nur noch um 1,5 Prozent stiegen, mussten deutlich höhere Steigerungen bei den wichtigsten Aufwandspositionen hingenommen werden. Die Aufwändungen für Löhne stiegen gegenüber dem Vorjahr um 2,4 Prozent, die für Handelsware um 2,7 Prozent und die für Fuhrpark, Reparaturen und Abschreibungen um 2,8 Prozent.

Hinzu kommt eine niedrigere Arbeitsproduktivität als im Jahr zuvor. Die Werte der Bruttoarbeitsproduktivität (Betriebsertrag pro AK) sanken um 1,7 Prozent und die der Netto-Arbeitsproduktivität (Betriebseinkommen pro AK) sanken um 3,3 Prozent. Die Konsequenz ist eine leicht gesunkene Rentabilität.

Im Mittel der 33 ausgewerteten Betriebe konnte mit einem Reinertrag von etwas über sechs Prozent eine Verzinsung des eingesetzten Kapitals erwirtschaftet werden. Der mit 30 Prozent höchste bisher festgestellte Anteil von Betrieben ohne positiven Reinertrag weist allerdings auf eine deutlicher werdende wirtschaftliche Auseinanderentwicklung der Friedhofsgartenbaubetriebe hin.

Daher ist der Vergleich zwischen den Erfolgsgruppen umso wichtiger, um Erfolgsmerkmale benennen zu können. Wie ist es zum Beispiel möglich, daß die Betriebe des ersten Drittels mit im Vergleich zum arithmetischen Mittel 0,4 Arbeitskräften weniger einen um 27 Prozent höheren Betriebsertrag erwirtschaften? Es sind sicherlich eine ganze Reihe von ausschlaggebenden Einflußgrößen.

Eine ist der um 25 Prozent höhere Lohnaufwand pro Mitarbeiter, den die Betriebe des ersten Drittels im Vergleich zum Mittel betreiben. Zusätzlich investieren die überdurchschnittlich erfolgreichen Friedhofsgärtner mehr in Handelsware und in Material für Dienstleistungen. Bezieht man diese beiden Aufwandsgrößen auf die Summe der Arbeitskräfte, übersteigen die Werte des ersten Drittels diejenigen des Mittels um 29 Prozent beziehungsweise 35 Prozent.

Im Ergebnis übersteigt die Bruttoarbeitsproduktivität der erfolgreichen Betriebe diejenige des Mittels um 35 Prozent. Als Orientierungsgröße für den Betriebsertrag pro Arbeitskraft kann die Größenordnung von 85.000  bis 90.000 Euro dienen.

Die langfristige Betrachtung der Zahlen zeigt, daß die Betriebe heute im Durchschnitt um zwei AK kleiner geworden sind, begleitet von einem fortlaufend sinkenden Betriebsertrag (siehe Abbildung 1).

Abbildung 2 verdeutlicht die große Bedeutung der Arbeitsproduktivität für die Rentabilität der Betriebe. Das durchschnittliche Lohnniveau stagnierte im dargestellten Zeitraum, während die Netto-Arbeitsproduktivität (Betriebseinkommen pro AK) fortlaufend zurück ging.

In der Konsequenz hieraus sank die Rentabilität (Reinertrag in Prozent vom Betriebsertrag). Hieraus wird deutlich, daß die Steigerung der Arbeitsproduktivität zentrales Thema für die Friedhofsgärtner sein muss.

Christoph Hintze, LVG Heidelberg