Grüne Branche

Pflanzen mit Mehrwert: „Königskerze, wie wird das Wetter?“

Heute können Meteorologen das Wetter fünf Tage zuverlässig vorhersagen. Doch wie war das früher? Pflanzen galten neben den Tieren als bewährte Wetterboten.

Die Experten der Bayerischen Gartenakademie empfehlen: „Gehen Sie im kommenden Jahr bewusst durch den Garten und beobachten Sie die Wetterpflanzen.“

Ein Tipp, den auch Einzelhandelsgärtner und Gartencenter-Betreiber an ihre Kunden weitergeben können. Sind besagte Pflanzen im Sortiment, lässt sich mit Hilfe eines passenden Themenaufbaues mit Sicherheit auch deren Absatz ankurbeln. Denn das sogenannte Storytelling weckt ja bekanntlich die Kauflust.

Die Wetter- oder Silberdistel (Carlina acaulis) gilt bis heute als zuverlässiger Wetterprophet. Die geöffnete Blüte verspricht Sonnenschein in den nächsten Stunden. Falls sich die Blüte selbst bei Sonnenschein nicht öffnet, kündigt dies Regen oder Gewitter an.

Vogelmiere und Ringelblume sind ebenfalls pflanzliche Hygrometer. Sie schließen ihre Blüten vorzeitig, wenn sich die Luftfeuchte vor einem Regenschauer erhöht.

Im Sommer zeigen die Samendolden der Möhre das Wetter an: Vor dem Regen krümmen sie sich nach innen. Und auch die Blütenspitze der kleinblütigen Königskerze (Verbascum thapsus) – passend auch Wetterkerze genannt – gibt Aufschluss über das Wetter im Sommer: Neigt sich der Blütenstängel nach Westen, kommt Regen. Zeigt er nach Osten, wird es ein sonniger Tag.

Die Wetterkerze sagt auch langfristig das Wetter voraus: Im ersten Jahr bildet sie eine Blattrosette. Liegen die Blätter im unteren Teil sehr dicht beieinander, wird es wohl schon zeitig Schnee geben. Liegen die Blätter hingegen im oberen Teil dicht aneinander, ist erst zum nächsten Jahresanfang mit Schnee zu rechnen.

Der Samenstand des Storchschnabels kann die Luftfeuchte messen: Steckt man den Samen durch das Loch einer Pappe, dreht sich die Spitze der Granne. Dreht sie sich im Urzeigersinn, steigt die Luftfeuchte. Dreht sie sich gegen den Uhrzeigersinn, sinkt diese.

Feuchtwarme Luft verstärkt zudem den Duft aromatischer Pflanzen. Wenn der Waldmeister und die Nachtviole (Hesperis matronalis) einen starken Duft verströmen, sollte man den Regenschirm bereithalten.

Birken duften vor Regen besonders würzig und Lindenblüten riechen noch intensiver.

Eine sehr alte Tradition besagt: Blüten der Christrose sagen das Wetter des nächsten Jahres voraus. Dazu werden zwölf Blütenknospen in der Weihnachtsnacht gepflückt und im Zimmer in Wassergläser gestellt. Jede Blüte steht für das Wetter eines bestimmten Monats.

Nach einiger Zeit öffnen sich die Blüten. Geöffnete Blüten prognostizierten viel Sonnenschein, während geschlossene Knospen viel Regen bedeuteten. (bg/lwg/jl)