Grüne Branche

Pflanzen-Trends 2018: Kunden suchen nach Besonderheiten

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Viele Pflanzenfachhändler blicken mit ausgeprägtem Optimismus auf die kommende Beet- und Balkonsaison. Anlass dazu gibt unter anderem das generelle Konsumverhalten. Zudem sind Kunden bereit, für Besonderheiten auch tiefer in die Tasche zu greifen. 

Balkon bedeutet Sommer, der wiederum mediterrane Gefilde und südeuropäisches Flair. Passend dazu hat das Blumenbüro mit Lavendel ein Symbol aus dem Mittelmeerraum zur Balkonpflanze des Jahres 2018 auserkoren. Foto: BBH

Pflanzen spielen wieder größere Rolle

Da ist zum einen das generelle Konsumverhalten, das schon lange nicht mehr so ausgeprägt war wie in der jüngeren Vergangenheit. Pflanzen spielen auch außerhalb der Branche wieder eine größere Rolle – wie es in der Werbung deutlich sichtbar ist.

Hinzu kommt, dass der verregnete, dunkle Sommer 2017 vielen Menschen noch in den Knochen steckt. Sie sehnen sich nach Sonne und lauen Sommerabenden auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten. Wobei das Outdoor-Wohnzimmer, angeregt durch den Zeitgeist der „Individualität“, weiter an Bedeutung gewinnt.

Das Upgrading spielt eine große Rolle, mehr denn je suchen die Konsumenten nach Besonderheiten – ein klarer Vorteil für den Pflanzenfachhandel.

Kundengruppen im Beet- und Balkonsegment trennen sich

Im Beet- und Balkonsegment trennen sich die Verbrauchergruppen immer stärker: In die, die primär auf den Preis gucken und somit im Systemhandel kaufen. Und in die, die auch auf dem Balkon ihre Persönlichkeit darstellen möchten und Bepflanzungen bevorzugen, die der Nachbar nicht hat.

Insbesondere die zweite, für den Pflanzenfachhandel wichtigere Gruppe nimmt aktuelle modische Einflüsse auf. „Die Einrichtungswelten vermitteln wieder mehr Geborgenheit und Gemütlichkeit“, benennt Armin Strecker (Streckerhandelt, Renningen) deutlich sichtbare Tendenzen für die Indoor- wie für die Outdoor-Wohnzimmer.

Erkennbar ist diese Entwicklung unter anderem an den aktuellen Gefäßen für den Außenbereich. „Stark im Kommen sind Anthrazit und Grau, Hell-Dunkel-Kombinationen“, erläutert Karin Kampe (Floristenbedarfshandel Konrad Kampe, Braunschweig). „Der Look von Zement und Granit ist en vogue.“

Den einen Trend gibt es nicht

Bestätigt wird dies von Britta Kroggel (Floristenbedarfshandel Klocke, Porta Westfalica). Sie verweist aber auch auf die Tatsache, dass es außerhalb des Hauses nicht den einen, alles bestimmenden Trend gibt. „Die Zement-Beton-Optik entwickelt sich parallel. Die eine löst die andere Farbgebung nicht abrupt ab.“

Unterschiedliche Strömungen sieht auch Matthias Klimmeck, der seit über 30 Jahren in der Hamburger Innenstadt das Blumenfachgeschäft Hortensia mit einem ausgeprägten Beet- und Balkon-Sortiment leitet. „Balkon bedeutet Sommer, der wiederum Italien – oder andere mediterrane Gefilde. Südeuropäisches Flair: Olive, Rosmarin, Thymian oder das Minze-Sortiment bleiben feste Umsatzgrößen.“

Dazu passt, dass das Blumenbüro mit Lavendel ein Symbol aus dem Mittelmeerraum zur Balkonpflanze des Jahres 2018 auserkoren hat. Neben der schon seit Goethes Zeiten ausgeprägten mediterranen Sehnsucht spürt Klimmeck einen deutlichen Retro-Trend. „Nicht – wie noch vor wenigen Jahren – große, dominante Blüten sind gefragt, sondern Pflanzen mit vielen kleinen Blüten.“

Kombination von nützlich und schön angesagt

Für den Hamburger Blumenfachhändler speist sich auch der „Naschgarten-Trend aus dieser Rückbesinnung“. Wie zu „Omas Zeiten“ soll alles möglichst natürlich aussehen, die Kombination von nützlich und schön sei angesagt, Nutzpflanzen wie Tomaten stünden wieder ganz selbstverständlich auf dem Balkon neben Zierpflanzen.

Das Outdoor gerade erst anklingende Vintage-Flair ist eine Weiterführung des im Innenbereich schon deutlich sichtbaren Retro-Trends. In Anlehnung an die 1960er lösen runde Formen die Geradlinigkeit der vergangenen Jahre ab, die Haptik wird wieder wichtiger.

Veränderungen lassen sich auch bei den Bepflanzungen feststellen. „Unsere Kunden kaufen nicht mehr so saisongebunden wie früher, also Frühjahr, Sommer und Herbst. Gewünscht werden Bepflanzungen, die das ganze Jahr über halten. Dazu werden dann wechselnde blühende Pflanzen gesetzt“, erklärt Klimmeck. „Pastelltöne, Rosa, aber auch Pink“ dominieren die Farbpalette. Viele kleine, bunte Blüten in dunkelgrauer Beton-Optik der Gefäße – das sieht natürlich toll aus.

Kunden zahlen für Besonderheiten mehr

Aufgefallen ist dem Hamburger Blumenfachhändler eine weitere Veränderung im Verbraucherverhalten: „Der Balkon muss heute sofort gut aussehen. Die Leute wollen nicht warten, bis etwas wächst und dann später blüht.“ Dieser Kundenwunsch hat natürlich Einfluss auf seine Einkaufspolitik, die sich auch in anderer Hinsicht verändert hat. „Wir kaufen insgesamt weniger ein als früher. Dafür spezieller, außergewöhnlicher. Die Kunden sind bereit, mehr Geld auszugeben – wenn sie denn Besonderheiten finden.“

Dieser Artikel ist in der TASPO 10/2018 erschienen.