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Pflanzenwuchs bremsen mit dem „Air Knife“

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Wie kann der Gärtner das Wachstum seiner Pflanzen beeinflussen, von Hemmstoffen einmal abgesehen? Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Heidelberg prüfte in mehrjährigen Versuchen bei verschiedenen Topfpflanzen, wie sich mit mechanischen Reizen der Pflanzenwuchs bremsen lässt.

Das „Air Knife“-Gerät legt einen Luftvorhang über die Pflanzen. Foto: LVG Heidelberg

Versuche mit Gewebestreifen zeigen unterschiedliche Effekte

Unterschiedliche Effekte zeigten sich nach dem Überfahren der Pflanzen mit Gewebestreifen (Vileda-Vlies) – teilweise gab es Schäden, bei Helianthus wirkte die Behandlung kaum. Nach dem Umstieg auf Tangentiallüfter stellte sich heraus, dass diese für festere Pflanzen wie Poinsettien zu schwach waren. Basilikum zeigte reduzierten Wuchs und stabilere Triebe, Falscher Mehltau wurde leicht gefördert. Aufgrund von Verwirbelungen ist die Luftgeschwindigkeit bei diesem Verfahren schwer zu bestimmen, so Versuchsleiterin Ute Ruttensperger.

Der nächste Schritt war ein zusammen mit den Unternehmen Knecht und Lechler entwickelter Luftdruckwagen mit einer modifizierten Knecht-Gießwagensteuerung. Die Lechler-Spezialdüsen verbreiten einen fächerartigen Luftstrom. Dieser Wagen kann mit einem zweiten Düsenstrang weiterhin zur Bewässerung genutzt werden, auch ist die Einbindung in eine RAM-Steuerung möglich.

Wuchs durch Luftdruckwagen kompakter und stabiler

In Versuchen war bei Tomaten die Anzahl der Blüten gegenüber der Kontrolle reduziert, der Wuchs war kompakter und stabiler. Bei Kalanchoe waren einige Sorten durch die Behandlung kompakter, andere nicht. Ruttensperger weist auf einen möglichen Ausbringungseffekt durch unterschiedlichen Druck in den Reihen hin.

In der Praxis ist dieses Gerät im Betrieb Fleischle (Vaihingen/Enz) bei der Produktion des „Pet Snack“ (Callisia repens) im Einsatz, Ziel ist hierbei der Bio-Anbau. Dabei zeigte sich, dass der auftretende Druckluftstoß eine seitliche Stabilisierung erfordert. Die Mehrkosten abzüglich der Einsparungen bei Hemmstoffen beliefen sich auf 2,5 Cent pro Topf, das sehe der Unternehmer als tragbar an. Allerdings fehle die Druckluft an anderer Stelle im Betrieb.

„Air Knife“ legt Luftvorhang über die Pflanzen

Für dieses Jahr kündigt Ruttensperger Versuche an der LVG Heidelberg mit dem „Air Knife“ (Luftmesser) an, das einen Luftvorhang über die Pflanzen legt. Ein Zentrifugalgebläse drückt die Luft dabei mit weniger als 0,25 bar durch einen bis zu fünf Millimeter breiten Schlitz in einem Balken, der über den Tisch fährt.

Ein generelles Problem bei den druckluftgestützten Verfahren ist die hohe Lautstärke, die ein Betreten des Gewächshauses nahezu unmöglich macht. Die Behandlungen lassen sich aber auf den Morgen oder Abend legen. Zu empfehlen seien Zeiten, zu denen bei einer Störung jemand eingreifen kann – nachts sollte man also besser nicht behandeln. Zu klären ist laut Ruttensperger, wie viel Reiz eine Pflanze benötigt und wie viel Zeit demnach für die Überfahrten einzuplanen ist.

Wuchshemmung durch Rütteln der Pflanzen

Ein weiterer Ansatz zur Wuchshemmung ist das Rütteln der Pflanzen. Hierzu liefen an der Humboldt-Universität in Berlin Versuche mit einem Tisch mit Vibrationsunterbau. Eine Hemmwirkung war zu beobachten. Die Pflanzen vibrierten aber nicht immer gleichmäßig, die Kraftübertragung ist offenbar schwierig. Zu prüfen wären nach Aussage von Ruttensperger die mechanische Beanspruchung der Tische und die Kosten einer stabilen Montage.

Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit der alternativen Verfahren sind die geringeren Arbeitskosten für die Ausbringung von Hemmstoffen zu berücksichtigen. Die Kosten der Nachrüstung eines vorhandenen Gießwagens bezeichnet Ruttensperger als moderat. Müsse dafür ein Gießwagen erst installiert werden, sei es aber relativ teuer. Beim Einsatz von Druckluft entstehen Betriebskosten.

Behandlungsintensität als begrenzender Faktor

Der Bioanbau ist ein mögliches Einsatzgebiet der beschriebenen Verfahren, ebenso das „Vertical Farming“. Im konventionellen Anbau lasse sich der Hemmstoffeinsatz reduzieren, so Ruttensperger. Ein begrenzender Faktor der mechanischen Verfahren sei bei manchen Pflanzen die notwendige Behandlungsintensität. Technisch seien die Verfahren realisierbar, die Umsetzung in der Praxis scheitere aber zumeist an den Investitionskosten.