Grüne Branche

Pflanztöpfe: „Kreislaufwirtschaft ist unser wichtigstes Zukunftsthema“

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Greenwashing vs. Authentizität – in einem Gespräch mit Pöppelmann-Geschäftsführer Matthias Lesch und dem globalen Vertriebsleiter Sven Hoping ging es um Verantwortung, zukunftsfähige Strategien und den Beitrag zur Gartenbau-Branche des Kunststoffherstellers. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Pflanztopf Circular 360.

Matthias Lesch (l.) und Sven Hoping präsentieren die Pflanztöpfe des 4-Stufen-Modells von Pöppelmann. Foto: Pöppelmann GmbH

Derzeit hat man es als Kunststoffhersteller in der öffentlichen Diskussion nicht gerade leicht. Dennoch sind Sie im Bereich Pflanztöpfe mit Pöppelmann blue ein Vorreiter in Bezug auf die Herstellung aus recyceltem Material bei gleichzeitiger Recyclingfähigkeit der Töpfe. Inzwischen ist Recyclingkunststoff in fast jedem Ihrer Teku-Töpfe ...

M. Lesch: Ich denke unsere Branche muss sich nicht verstecken vor dem, was wir tun oder in der Vergangenheit getan haben. Zunächst einmal ist ein Topf zum Topfen gemacht – das ist unser Beitrag für die Gartenbau-Branche. Im Zuge unserer Nachhaltigkeitsstrategie haben wir uns Handlungsfelder gesucht, die auf den Nachhaltigkeitsempfehlungen der Vereinten Nationen beruhen. Wo und wie können wir als Firma hier einwirken? In Entscheidungsprozessen, in die externe Berater ebenso eingebunden waren wie unsere internen Mitarbeiter, haben wir einen gangbaren Weg und Lösungsansätze entwickelt.

Was zum Beispiel zählt hier dazu?

S. Hoping: Die nachhaltige und ressourcenschonende Kunststoffverarbeitung ist Kernstück unserer Unternehmensstrategie. Glaubwürdigkeit und Transparenz unserer Arbeit sind damit unabdingbar verknüpft.

M. Lesch: Unser Unternehmen hat sich den Zielen der Ellen-MacArthur-Stiftung und der Circular Plastic Alliance der EU-Kommission verpflichtet. Diese passen sehr gut zu unserer Unternehmenspolitik und insbesondere zu den Produktkonzepten für den Materialkreislauf der von Ihnen bereits angesprochenen Initiative Pöppelmann blue.

Mit Ihrem Engagement in diesem Bereich verpflichten Sie sich unter anderem dazu, den Anteil von recycelten Kunststoffabfällen aus den Wertstoffsammlungen für die Herstellung von Kunststoffverpackungen bis 2025 im Durchschnitt deutlich zu erhöhen. Wie wollen Sie dies erreichen?

M. Lesch: Die Kreislaufwirtschaft ist das Modell der Zukunft bei kurzlebigen Kunststoffprodukten. Und das ist nicht nur aus Geschäftsführer- oder Gesellschafter-Sicht so. Auch unsere Mitarbeiter unterstützen uns hier, denn auch sie möchten mit gutem Gewissen zur Arbeit kommen.

S. Hoping: Unser neues 4-Stufen-Modell stellt nachvollziehbar dar, aus welchem Material wir Pflanztöpfe herstellen. Damit distanzieren wir uns ausdrücklich von Greenwashing und Augenwischerei. Wir unterscheiden zwischen Post-Consumer-Rezyklaten, kurz PCR, und Post-Industrial-Rezyklaten, kurz PIR. Denn bei den oft üblichen Angaben wie „Altplastik“ oder „Recyclingkunststoff“ wird nicht näher angegeben, woher das Material eigentlich stammt. Um aber solche Produkte und Verpackungen bewerten zu können, muss man eben genauer differenzieren.

Können Sie vielleicht kurz verständlich erklären, was die Unterschiede bei PCR und PIR sind?

S. Hoping: PCR werden hergestellt aus Kunststoffprodukten, die zuvor ihrer Bestimmung gemäß genutzt wurden. Für dieses Material gibt es verschiedene Quellen: Vielfach handelt es sich um Kunststoffverpackungen, die von Verbrauchern im Gelben Sack entsorgt wurden. Doch auch Kunststoffprodukte, die zuvor in Handel und Gewerbe in Gebrauch waren, fließen nach ihrer Entsorgung in die Produktion von PCR mit ein. PIR stammen von Kunststoffabfällen, die im Rahmen der industriellen Kunststoffverarbeitung anfallen und direkt wieder in die Produktion mit einfließen. Sie sind sortenrein verfügbar und müssen in der Regel nicht aufwendig gereinigt werden.

Dennoch steht auf dem RAL-Gütesiegel Ihrer Circular 360-Töpfe, dass diese zu mindestens 80 Prozent aus Recyclingkunststoff bestehen. Warum sind es nicht 100 Prozent?

S. Hoping: Weil genau das Augenwischerei wäre. Der Kunststoffanteil ist tatsächlich zu 100 Prozent aus dem Gelben Sack – aber man braucht auch noch Additive und Farbe. Diese Transparenz in den Aussagen halten wir für wichtig – da ist im Markt oft noch Luft nach oben. Auch kann ein Produkt, dem zu viele Additive beigemischt wurden, seine Recyclingfähigkeit sogar verlieren.

Ressourcenschonende Pflanztöpfe sind Ihr Beitrag für die Gartenbau-Branche in Bezug auf Nachhaltigkeit. Aber wie unterscheiden sich die Töpfe des 4-Stufen-Modells letztlich voneinander? Oder, anders gefragt: Welche Töpfe kann ich als Gartenbau-Betrieb nun guten Gewissens einkaufen?

S. Hoping: Den klassischen schwarzen Pflanztopf gibt es noch – dieser ist wegen seiner Rußanteile nicht recyclingfähig. Wenn ich mit Nachhaltigkeit punkten möchte, dann kommen zunächst wenigstens unsere recycelbaren Töpfe in Frage. Diese sind entweder aus einer PCR/PIR- und Neuwarenmischung hergestellt oder ausschließlich aus PCR. Wie es der Name verrät, nämlich Circular 360, ist der Topf der Zukunft derjenige, der aus der geschlossenen Kreislaufwirtschaft stammt. Dieser ist unter Pöppelmann blue im Markt eingeführt und an der blauen Farbe erkennbar.

Die blaue Farbe ist eher ungewöhnlich bei einem Pflanztopf. Wie kamen Sie ausgerechnet auf die Farbe Blau? Inzwischen ist die Farbe ja akzeptiert ...

M. Lesch: Weil die Farbe Blau für die Kreislaufwirtschaft steht, also den technischen Kreislauf. Die Farbe ist im Gartenbau größtenteils akzeptiert und auch schon beim Endverbraucher angekommen. Hier sehe ich einen riesigen Vorteil der Branche: Entscheidungen fallen im Gartenbau schnell und pragmatisch.

S. Hoping: Wem die Farbe nicht komplett zusagt, hat die Möglichkeit, den Topf durch ein eigenes Druckbild zu individualisieren und aufzuwerten.

M. Lesch: Dennoch soll die Farbe Blau erst mal beibehalten werden, damit sie sich endgültig etabliert.

Wo sehen Sie nun die Zukunft bei den Pflanztöpfen?

M. Lesch: Ganz klar bei unserem Circular 360. Wir sehen diesen als unsere dauerhafte Lösung. Wir gehen davon aus, dass jedwede Form der Kreislaufwirtschaft eine gesetzliche Vorgabe der EU im Zuge der „Circular Plastic Alliance“ werden könnte. Der Kreislauf auf einer Stufe ist der – unser – Maßstab. Wenn wir sehen, dass wir etwas besser tun können, dann ist es in unserer Verantwortung, es zu tun und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln. Gern beziehen wir unsere Kunden mit ein, und ich kann hier nur dazu ermutigen, mit uns zusammenzuarbeiten. Unsere Vertriebskollegen sind als Ansprechpartner in den Gärtnereien – oder Sie treffen uns auf der IPM im Januar.