Grüne Branche

Pflegeaufwand: Kalkulation auf solide Basis stellen

Als zweitwärmster April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zeigte sich der April 2011, wie der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) mitteilt. Im Schnitt lagen die Temperaturen bundesweit drei bis fünf Grad über dem Durchschnitt. Der Regen zeigte sich nur spärlich und blieb mit 22 Litern Niederschlag pro Quadratmeter weit hinter dem Bedarf der Vegetation zurück.

Insgesamt erreichte die Niederschlagsmenge nur 38 Prozent des Solls von 58 Litern pro Quadratmeter.

Unter den fast sommerlichen Bedingungen erfuhr die Garten- und Landschaftsbaubranche eine gewisse Sonderkonjunktur, speziell im Bereich Privatgarten, wie Josef Schmitz, GaLaBau-Berater am Gartenbauzentrum Essen, einschätzt.

Auch Niels Sommer, Geschäftsführer des Bundes deutscher Baumschulen Servicegesellschaft mbH, geht davon aus, dass das Frühjahrsgeschäft in diesem Jahr sehr gut läuft. Die anhaltende Trockenheit der vergangenen Wochen ließ allerdings Befürchtungen zur ausreichenden Versorgung, speziell von Neupflanzungen, aufkommen.

Das betreffe sowohl größere Baustellen im öffentlichen Bereich als auch den Privatgarten, wo man vielleicht in einer Schönwetterlaune den Garten neu bestückt habe, dann aber in den Osterurlaub gegangen sei. Für derartige Versäumnisse könnten die Betriebe der Baumschulwirtschaft nicht haftbar gemacht werden.

 

Verminderte Ertragsleistung

Nicht nur den höheren Arbeitsaufwand der letzten Wochen, sondern auch eine verminderte Ertragsleistung schreiben die norddeutschen Baumschulen der warmen und niederschlagsarmen Periode zu, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Zwar konnten die Bestände durch intensive Bewässerung gesichert werden, doch sei die Wuchsleistung in den vergangenen Wochen hinter dem normalen Zuwachs zurückgeblieben.

Aus Sicht von Josef Schmitz verdichten sich die Folgen des Klimawandels zum Frühjahr hin spürbar. Bereits in den Jahren 2007 und 2009 seien hier längere Wärmeperioden zu verzeichnen gewesen. Für die Unternehmen des Garten- und Landschaftsbaus ergäben sich daraus kürzere und intensivere Frühjahrsleistungen.

Ob ein Betrieb in diesem Zusammenhang zu zusätzlichen Bewässerungsleistungen verpflichtet sei, hänge im Wesentlichen von der Fertigstellungspflege-Vereinbarung ab, die im Privatbereich meist nicht bestünde. Entscheidend seien hier die Großpflanzungen im öffentlichen Bereich und die im Rahmen der Fertigstellung getroffenen Vereinbarungen zur Bewässerung, die in der Praxis sowohl pauschal als auch pro Bewässerungsdurchgang abgegolten werden.


Keine Kostenmehrbelastung

Martin Erdmann, Geschäftsführer des Unternehmens Hartmann Ingenieure GmbH in Berlin, hat dazu eine klare Auffassung. Er sieht für den Betrieb auch in extremer Witterungslage keine Kostenmehrbelastung, da in den Verträgen mit den Auftraggebern explizit vereinbart werde, wie viele Bewässerungsgänge mit welcher Wassermenge durchgeführt werden sollen.

Nur auf dieser Grundlage sei eine exakte Kalkulation möglich. Reichen die vereinbarten Leistungen nicht aus, müsse der Auftraggeber gegebenenfalls nachlegen.

Auch die Friedhofsgärtner begegneten der warmen Witterung mit erhöhtem Bewässerungseinsatz. Trockenheitsbedingte Ausfälle in der Friedhofsrahmenbepflanzung gab es nicht, wie der Bund deutscher Friedhofsgärtner mitteilt, lediglich an Rhododendren zeigten sich vereinzelt Stress-Symptome.

Um Ausfälle zu vermeiden, kamen vermehrt Gießwagen und Kreisregner zum Einsatz. Die Arbeitsmehrbelastung gestaltete sich regional unterschiedlich, ebenso die Höhe des Wasserverbrauchs und die Zusatzkosten für eingesetzte Fahrzeuge und Technik.