Pilotprojekt zur Begrünung von Bushaltestellen gestartet

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Auf dem Dach des Fahrgastunterstandes in der Hamburger Osterstraße sollen künftig Wildbienen angelockt werden. Foto: Michael Zapf

In Hamburg hat der Stadtmöblierer Wall in Zusammenarbeit mit der Deutschen Wildtier Stiftung ein Pilotprojekt zur Begrünung von Fahrgastunterständen gestartet. Dabei sollen die Effekte für Wildbienen im Stadtgebiet erforscht werden.  

Antrag der Regierungsfraktionen

Das Thema Erhalt der Biodiversität in urbanen Zentren ist zurzeit nahezu allgegenwärtig, so auch in Hamburg. In der Osterstraße im Stadtteil Eimsbüttel stellte das Stadtmöblierungsunternehmen Wall kürzlich ein Pilotprojekt zur Erprobung von Dachbegrünungen auf Bushaltestellen vor. Entstanden ist die Idee durch einen gemeinsamen Antrag der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen, die perspektivisch mehr Lebensräume für Insekten, Vögel und Pflanzen schaffen und das Stadtbild aufwerten wollen. Neben dem Standort Osterstraße soll noch an einem Fahrgastunterstand an der Stadthausbrücke in der Hamburger Innenstadt ein Jahr lang untersucht werden, ob und wie Dachbegrünungen den Schutz und die Vermehrung von Wildbienen im Stadtgebiet effektiv fördern können. Dabei wurde sowohl auf einen sehr sonnigen Ort (Osterstraße), sowie auf einen eher schattigen Standort (Stadthausbrücke) geachtet. Die Dächer der Fahrgastunterstände wurden mit einer neuen Dachkonstruktion zur Aufnahme der Bepflanzung versehen und dementsprechend umgebaut.

Die eigesetzten Pflanzenarten der Begrünungen

Das Stadtmöblierungsunternehmen Wall ist in Hamburg für den Betrieb und die Pflege von über 2.000 Fahrgastunterständen zuständig und somit auch mit der Umsetzung des Projektes betreut, dem die Deutsche Wildtier Stiftung mit Expertise zur Seite steht. Bei den Pflanzenmischungen, die auf den Dächern zum Einsatz kamen, wurden vor allem trockenheitsresistente Wildstauden verwendet, die extreme Standorte vertragen. Die eingesetzten Korbblütler wie die Skabiosen-Flockenblume, Kamillen und Wiesenmargerite spielen vor allem im Sommer eine sehr wichtige Rolle für Wildbienen. Löcherbienen, Hosenbienen und Seidenbienen sind hier häufige Besucher. Aus dem Bereich Lippenblütler wurden Thymian und Katzenminze eingesetzt, die vor allem von Pelzbienen, Wollbienen, Hummeln und der seltenen Schlürfbiene frequentiert werden. Zudem befinden sich noch Glockenblumen als Pollenquelle für eine Reihe hoch spezialisierter Bienenarten auf den begrünten Dächern. „Mit der Nutzung von Moos auf Dächern zum Zweck der Luftfiltration haben wir im Unternehmen bereits länger Erfahrung, aber nicht mit Bepflanzungsarten, die Wildbienen als Nahrungsquellen dienen können. Wir haben je nach Standort unterschiedliche Ortsumgebungen, für die jeweils die richtigen Begrünungskonzepte gefunden werden müssen“, sagt Patrick Möller, Geschäftsführer Städtemarketing & Service der Wall GmbH.

Blühflächen an Haltestellen des HHV

Hamburg geht damit einen ersten Schritt in die Richtung, die bereits Städte wie Utrecht eingeschlagen haben (TASPO Online berichtete). „Die Begrünung sorgt nicht nur für ein besseres, angenehmeres Mikroklima in heißen Sommern unterhalb des Daches, ein grüneres Stadtbild sowie sauberere Luft und bessere Aufenthaltsqualität, sondern flankiert auch die Klimaziele des Senats: die Emissionen im Mobilitätssektor deutlich zu reduzieren“, sagt Anjes Tjarks, Hamburgs Senator für Verkehr und Mobilitätswende. Das Projekt ist ein weiteres Puzzleteil zu mehr Grün in der Hansestadt, denn an den Haltestellen Burgstraße, Ohlsdorf, Schlump und Sternschanze des Hamburger Verkehrsverbundes (HHV) wurden bereits Blühflächen als Lebensraum für Insekten geschaffen. „Der HVV hat, dem Wunsch zahlreicher Fahrgäste nach mehr Grün im Umfeld von Haltestellen folgend, ebenfalls in Kooperation mit der Deutschen Wildtier Stiftung ein Pilotprojekt ‚Blühende Wiesen‘ ins Leben gerufen“, ergänzt Dietrich Hartmann, Geschäftsführer des Hamburger Verkehrsverbundes.

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