Grüne Branche

Plädoyer für die Flatterulme

Beobachtungen zur Fallterulme als Stadtbaum
Die Flatterulme (Ulmus laevis Pall.) hat als Stadtbaum ein bisher wenig genutztes Potenzial, wie umfangreiche Beobachtungen zum Flatterulmenbestand unter anderem im Stadtgebiet von Landshut (Bayern) verdeutlichen.

Flatterulme (Mitte) an einer Bundesstraße in Landshut. Foto: Müller-Kroehling

Die Verfasser haben seit Jahren Zufallsbeobachtungen von Flatterulmen im Stadt-gebiet von Landshut und dem angrenzenden Ergolding zusammengetragen und aus Anlass einer Bestandserhebung 2012 im Auftrag der Stadt Landshut zusammengeführt und systematisch ergänzt.

Im Stadtgebiet von Landshut konnten 140 Flatterulmen festgestellt werden (ohne Naturverjüngung). Landshut weist dabei Flatterulmenvorkommen in vielen verschiedenen Situationen auf. Die Standortbedingungen umfassen überwiegend anthropogen überformte Auen- und Aufschüttungsstandorte, seltener die kaum noch vorhandenen Überflutungsaue.

Die Auswertung nach Nutzungsart zeigt, dass die städtischen Parkulmen knapp 40 Prozent ausmachen, die Flatterulmen auf Infrastrukturflächen und Sukzessionsgehölze belaufen sich auf über 40 Prozent des Gesamtbestandes (ohne Naturverjüngung).

Bestände überaltern
Insgesamt fällt bei den Flatterulmen in Landshut ein starkes Missverhältnis der Altersklassen, also vor allem ein Mangel an Naturverjüngung und dem „Mittelbau“ auf, so dass der Bestand auf Dauer zu überaltern oder zurückzugehen droht. Ein ähnliches Bild für die Flatterulme zeigt sich auch bayernweit. Grund ist die Eigenschaft als Rohbodenkeimerin.

Pflanzungen sind in den letzten 100 Jahren praktisch nicht erfolgt. Dies dürfte mit verschiedenen Faktoren zusammenhängen, unter anderem der Tatsache, dass die Flatterulme vor allem im Forstbereich bisher überwiegend unter „Ulmen“ subsummiert wurde, denen man meist pauschal ein hohes Risiko attestierte, am Ulmensterben zu erkranken. Ferner wurde sie auf der Liste geeigneter Stadtbäume der Stadtgartenamtsleiterkonferenz („GALK-Liste“) zu Unrecht als nicht geeignet für den Stadtbereich eingestuft. In der Folge dieser Umstände war sie bis vor wenigen Jahren über Baumschulen nur sehr schwer zu beschaffen.

Keine Schädigung durch Ulmensterben
Im Stadtgebiet von Landshut wurden seit Beginn der Beobachtungen Mitte der 1990er Jahre an der Flatterulme keine Schädigungen oder Absterben durch das Ulmensterben festgestellt, selbst dann nicht, wenn Flatterulmen in nächster Nähe zu erkrankten oder abgestorbenen Feld- und Bergulmen standen. Grund ist, dass die Haupt-Vektoren des Pilzes, Großer und Kleiner Ulmensplintkäfer, Flatterulmen deutlich seltener anfliegen, sowie auch gewisse Resistenzmechanismen der Flatterulmen.

Folgerungen
Es zeigte sich, dass die Flatterulme ein vitaler und widerstandsfähiger Baum ist, der an die extremen Bedingungen urbaner Lebensräume gut angepasst und vom Ulmensterben weitgehend nicht betroffen ist. Dieses Potenzial sollte bei städtischen Baumpflanzungen viel stärker genutzt werden. Neuerdings wurde daher verstärkt damit begonnen, die Baumart nachzuziehen und an geeigneten Stellen im Stadtgebiet einzubringen. Mittlerweile sind südbayerische wie nordbayerische Herkünfte auch über Forstbaumschulen auf dem Markt.

Dr. Stefan Müller-Kroehling, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising, Almut Kroehling, Landshut