Grüne Branche

Plastiktrays im Gartenbau: Umwelthilfe wird aktiv

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Plastikmüll – Abfallvermeidung – Mehrwegsysteme: Neben der CO2-Reduzierung steht dieser Themenkomplex in der aktuellen Umweltdiskussion ganz deutlich im Fokus. Betroffen ist auch der Gartenbau, da der Pflanzentransport nach wie vor in großen Teilen über Einwegtrays aus Plastik abgewickelt wird. Die Umwelthilfe plant deshalb jetzt ein Strategiepapier zu Mehrweg- und Einwegtrays in der Branche.

Mit den Palettinos gibt es seit fast 30 Jahren bewährte Mehrwegtrays in der Grünen Branche. Foto: Jürgen Kuhl/BGM Köln

Viele Einwegtrays landen nach nur einer Woche im Müll

Allein ein Hersteller (Normpack) produziert für den niederländischen Markt etwa 180 Millionen Einwegtrays jährlich, etwa die Hälfte davon strömt auf den deutschen Markt. Oft landen diese Einwegtrays nach nur einer Woche in der Mülltonne.

Allein über diesen Weg entsteht in Deutschland jede Woche ein Abfallberg von 200.000 Kilogramm. Und das, obwohl es seit fast 30 Jahren mit den Palettinos bewährte Mehrwegtrays gibt, die aber weitgehend nur von Erzeugern der Blumengroßmärkte eingesetzt werden. Großvermarkter haben sich schon vor Jahren von dem Mehrwegsystem verabschiedet und setzen auf Einwegtrays.

Mehrwegsystem Floratino: Top-Manager von Royal FloraHolland vor Gericht

Nun gibt es aber drei Entwicklungen, die Bewegung in diese Umweltfrage bringen dürften. Zum einen hat Landgard angekündigt, das neue Mehrwegsystem von Floritray als Ersatz für Einweg-Wasserpaletten für Blumen und Pflanzen zu unterstützen und sich am Aufbau und an der Umsetzung zu beteiligen.

Zweitens gibt es am 28. Mai in den Niederlanden eine vorläufige richterliche Zeugenvernehmung, bei der es zur Anhörung einiger Top-Manager von Royal FloraHolland kommt. Die öffentliche Anhörung soll die Frage klären, ob trotz anders lautender vertraglicher Vereinbarung FloraHolland die Förderung des in den Niederlanden und anderen Ländern Europas erfolgreich eingesetzten Mehrwegsystems Floratino verzögert hat, da durch das Einwegsystem Millionen-Gewinne erzielt wurden.

Deutsche Umwelthilfe: „Es muss dringend etwas passieren“

Zum Dritten beschäftigt sich nun auch die schlagkräftige und gut vernetzte Deutsche Umwelthilfe (DUH), die durch ihre Klagewelle im Dieselskandal besonders bekannt wurde, intensiv mit dem Thema. „Die Zahlen sind ungeheuerlich“, umreißt Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft, die in der breiten Öffentlichkeit und bei den politischen Entscheidungsträgern kaum bekannten Dimensionen.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass einige Branchen nicht so stark im öffentlichen Fokus stehen und deshalb bestimmte Dinge nicht umgesetzt werden, die ansonsten als selbstverständlich gelten. Es muss dringend etwas passieren“, erläutert Thomas Fischer.

Umgang mit Mehrweg- und Einwegtrays im Gartenbau dokumentieren

Weil die im Kreislaufwirtschaftsgesetz verankerte Abfallhierarchie, an deren erster Stelle die Abfallvermeidung steht, von allen Branchen gleichermaßen umgesetzt werden sollte, plant die Deutsche Umwelthilfe nun die Veröffentlichung eines Hintergrund- und Strategiepapiers. Darin soll der Umgang des Gartenbaus mit Mehrweg- und Einwegtrays dokumentiert und Perspektiven für den Ausbau eines Wiederverwendungssystems aufgezeigt werden.

Thomas Fischer verweist darauf, dass es „über Fachveranstaltungen, Vernetzung von Akteuren, die Ansprache des Handels sowie Öffentlichkeits- und Pressearbeit viele Wege und Möglichkeiten gibt, ökologische Top-Runner-Ansätze bekannt zu machen und in die Umsetzung zu bringen“.

Hersteller, Händler und Verbraucher gleichermaßen gefragt

Als ein Beispiel nennt er eine Kampagne zu Recyclingaspekten der Teppichbodenindustrie. „Auch in diesem Bereich mussten Hersteller, Händler und Verbraucher gleichermaßen über umweltfreundliche Produkte informiert und Akteure sensibilisiert werden.“

Ein entscheidender Aspekt, denn so lange Pflanzen-Großabnehmer nicht bereit sind, auf Mehrwegsysteme umzusteigen, wird jede ökologisch wie ökonomisch sinnvolle Perspektive unbefriedigend bleiben.