Grüne Branche

Pofalla: Branche muss innovativ bleiben

Am 22. September ist Bundestagswahl. Der Kreis Kleve ist dabei der Wahlkreis, der mit Abstand die wichtigste Region für den Gartenbau darstellt. Er ist auch der Wahlkreis von Ronald Pofalla (CDU), Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben. Grund für die TASPO, ihn zu einigen Aspekten des Gartenbaues zu befragen. 

Ronald Pofalla. Foto: CDU

Der Gartenbau ist ein bedeutender Wirtschaftszweig im Kreis Kleve. Was können Sie den Gartenbau-Unternehmern in Ihrer künftigen Politik schmackhaft machen?

Der Gartenbau ist nicht nur ein beträchtlicher Wirtschaftsfaktor. Er begleitet uns auch durch unseren Alltag, beispielsweise durch bunte Gartenlandschaften oder mit seinen gesunden und vitaminreichen Produkten.

Wir wollen den deutschen Gartenbau durch eine verantwortungsbewusste, mittelstandsorientierte Politik stärken. Dazu fördern wir die Entwicklung energiesparender Produktionssysteme, beispielsweise im Bereich der Bioenergiegewinnung.

Zudem wird eine Zukunftsstrategie durch das Bundeslandwirtschaftsministerium formuliert, die den Gartenbau-Unternehmern Hinweise für die zukunftsgerichtete Aufstellung ihrer Betriebe gibt.

Daneben wurden mit dem Bundesprogramm zur Steigerung der Energieeffizienz in der Landwirtschaft und im Gartenbau beträchtliche Finanzmittel bereitgestellt.

Wie lassen sich Ihrer Meinung nach die Gartenbau-Betriebe zukunftssicher machen, damit sie gegenüber der direkten Konkurrenz aus dem Nachbarland Niederlande bestehen können?

Die Zukunftsfähigkeit des deutschen Gartenbaues – in Grenzregionen und in Deutschland allgemein – hängt immer mehr davon ab, wie er sich im europäischen Binnenmarkt und auf internationalen Märkten behaupten kann. Denken wir nur an die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte. Deshalb ist es wichtig, dass die Branche innovativ bleibt – bei der Produktpalette, bei Produktionsverfahren und Vermarktungswegen. Dabei kann sie auch in Zukunft auf die Unterstützung der Bundesregierung setzen.

Gartenbau-Betriebe sowie die vor- und nachgelagerten Sektoren wie Zulieferer, Großhandel und Verarbeitung bieten im Kreis Kleve tausende Arbeitsplätze. Wie können diese aus Ihrer Sicht nachhaltig gesichert werden?

Der Niederrhein ist eine Region, in der Landwirtschaft und Verarbeitung eine große Rolle spielen. Getreu dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ bietet die Netzwerk-Initiative Agrobusiness Niederrhein gute Voraussetzungen, damit sich der niederrheinische Gartenbau durch kluge Strukturen im Wettbewerb der Regionen weiterentwickelt.

Wichtig ist dabei, dass dies in enger Abstimmung mit den Städten und Gemeinden geschieht. Gerade die zentrale Lage zwischen den Regionen Amsterdam/Rotterdam und dem Ballungsgebiet Rhein/Ruhr schafft auch in Zukunft gute Standortvoraussetzungen für Unternehmen im Kreis Kleve.

Ein wichtiger Faktor für die Konkurrenzfähigkeit des hiesigen Gartenbau-Betriebes sind die Energiekosten. Was ist aus Ihrer Sicht zu tun, um diese für den energieintensiven Gartenbau im Zaum zu halten?

Im Gartenbau sind Energiekosten von großer Bedeutung, das gilt insbesondere für Unterglasbetriebe. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat daher in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen zum Energieeinsatz im Gartenbau ergriffen. Dazu gehört zum Beispiel die Unterstützung des energieeffizienten Umbaues der Gartenbau-Branche mit rund elf Millionen Euro.

Auch die zurzeit stattfindende Bestandsaufnahme „Energetische Nutzung von Biomasse im Unterglas-Gartenbau“, die von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe betreut wird, zeigt, wie ernst wir dieses Thema nehmen. Und natürlich brauchen wir eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und eine Strompreisbremse. Das steht oben auf der politischen Agenda.

Wie kann der ermäßigte Mehrwertsteuersatz bei Gartenbau-Erzeugnissen aufDauer erhalten bleiben?

Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Erzeugnisse des Gartenbaues hat einen agrarpolitischen Hintergrund. CDU und CSU haben für die kommende Legislaturperiode keine Änderungen geplant.

Der größte Vermarkter von Gartenbau-Produkten Landgard, als Garant für den Absatz weit über die Grenzen des Kreises hinaus, steckt seit einiger Zeit in finanziellen Schwierigkeiten. Was können Sie für den Erhalt der Genossenschaft beitragen?

Landgard ist als die größte deutsche Vermarkterorganisation im Gartenbau mit Sitz in Straelen-Herongen von großer Bedeutung für die Wirtschaftskraft des Kreises Kleve. Von der aktuellen Situation der Genossenschaft habe ich mir bei einem Unternehmensbesuch am 13. September dieses Jahres selbst ein Bild gemacht.

Der neue Vorstand hat seit Amtsantritt im Juni 2012 eine Vielzahl von Maßnahmen in die Wege geleitet, um das Unternehmen finanziell zu stabilisieren. So konnte im letzten Jahr bereits ein deutlich besseres Ergebnis erzielt werden. Ich bin zuversichtlich, dass diese positive Entwicklung weiter voranschreitet.

Wie andere Familienbetriebe haben Gartenbau-Betriebe oftmals Nachfolgeprobleme. Welche Lösungen sehen Sie, den Verlust von Betrieben mangels Nachfolger aufzuhalten?

Der Führungswechsel im Unternehmen ist Bestandteil des betrieblichen Lebenszyklus. Wichtig ist, den Prozess der Übergabe rechtzeitig anzugehen. Denn eine Vielzahl von Aufgaben muss bewältigt werden – sowohl vom Inhaber als auch vom Nachfolger. Die Bundesregierung hilft dabei.

Zum Beispiel mit der Unternehmensnachfolge-Initiative „nexxt“und mit günstigen rechtlichen Rahmenbedingungen. Auch wollen wir die Steuervergünstigungen bei der Erbschaftssteuer beibehalten, um den Fortbestand der Unternehmen beim Übergang auf einen Nachfolger nicht zu gefährden.

(Das Interview führte Lorenz Wieland)