Grüne Branche

Poinsettien: Megaseller unter Druck

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Unterm Strich betrachtet, war 2017 für das Poinsettien-Geschäft ein schweres Jahr. Kaum jemand – ob von Produzentenseite, Zwischenhandel oder Einzelhandel, zumindest was den Fachsektor anbelangt – war bereit, der Saison mehr als die Schulnote 3 zu geben. Warum?

Mit einem Sternenmeer im Verkaufsgewächshaus können Einzelhandelsgärtner punkten. Foto: Norbert Elgner

Poinsettien-Geschäft: Konkurrenzdruck durch Systemhandel

Wie immer gibt es unterschiedliche Gründe. Etwa der ungünstige kühle Witterungsverlauf ab September mit dem sonnigen, warmen Oktober in der Folge, was einen zu frühen Blühtermin bei vielen Sätzen verursachte. Oder die um eine Woche verkürzte Adventszeit und nicht zuletzt der zunehmende Konkurrenzdruck seitens des Systemhandels, der allen auf der Fachhandelsschiene fixierten Marktteilnehmern das Leben schwer macht.

Nicht zu vergessen die Konsumenten, die in Anbetracht der roten Massen zu Spottpreisen an jeder Ecke dazu neigen, sich anderen Stimmungserzeugern in der Advents- und Weihnachtszeit zuzuwenden. Aus Branchensicht kommen hier Helleborus und Amaryllis infrage, deren Beliebtheit in den vergangenen Jahren deutlich zunahm. Vor allem auch bedingt durch starke, innovative Produktverbesserungen.

Verliert etwa der Weihnachtsstern an Zugkraft? Oder ist der vermutlich schon im zweistelligen Prozentbereich liegende Nachfragerückgang 2017 auf Fachhandelsebene nur den spezifischen Wettereinflüssen und kalendarischen Gegebenheiten geschuldet? Noch ist dies nicht eindeutig zu beantworten.

Massenhafte Billigware schadet dem Poinsettien-Image

Tatsache ist, dass der allerorts stattfindende Preiswettbewerb, an dem in erster Linie der Systemhandel beteiligt ist und dabei seine Marktmacht ausspielt, die Nachfrage nicht steigern kann. Seit Jahren bewegen sich laut AMI die Absatzzahlen über alle Vertriebsschienen hinweg bei einem Volumen von 110 bis 120 Millionen Euro pro Jahr, zu Einzelhandelspreisen gerechnet.

Die Margen sind nur noch dann einigermaßen zufriedenstellend, wenn Poinsettien in Großbetrieben mit mehreren zehntausend Quadratmetern Glasfläche unter rationellsten Arbeitsabläufen in top Qualitäten mit wenig Ausfällen und möglichst vertraglich festgelegten Abnahmemengen produziert werden.

Kalkulatorisch sieht es dann meistens so aus, dass zu den Gestehungskosten der Poinsettie ab Hof des Großproduzenten die Ware zu einem etwa hundertprozentigen Aufschlag auf den Verkaufsflächen des Systemhandels landet. Beispiel: Für gängige Ware im 12cm-Topf mit einem Gestehungskosten-Niveau von 1,50 Euro pro Stück resultiert ein Verkaufspreis brutto von 2,99 Euro.

Auf verbesserte Wertigkeit setzen

Zukünftig wird sich der Konzentrationsprozess weiter fortsetzen. Das bedeutet, dass immer weniger Produzenten noch in der Lage sein werden, den Markt unter den herrschenden Konstellationen zu bedienen. Man kann dies beklagen, ohne allerdings an der Situation etwas verändern zu können.

Zumindest auf Fachhandelsebene hilft nur, mit exzellenten Strategien gegenzusteuern, die auf eine verbesserte Wertigkeit setzen.