Grüne Branche

Porträt: Hortensien-Züchter aus Leidenschaft

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Kötterheinrich Hortensienkulturen besteht inzwischen in der dritten Generation. Der Großvater des jetzigen Inhabers Thomas Becker begann mit einer kleinen Gärtnerei in Lengerich. Bei Übernahme im Jahr 1983 handelte es sich noch um einen gemischten Topfpflanzenbetrieb. Mit den Jahren nahmen die Hortensien-Kulturen einen immer wichtigeren Platz ein, bis sich das Unternehmen im Jahr 2000 komplett darauf spezialisierte.

Acht Millionen Fertigpflanzen und bewurzelte Stecklinge

Der Schritt zum Spezialbetrieb für Hortensien resultiert auch aus der Tatsache, dass durch die etwas abseitige Lage in Lengerich eine schnelle Lieferung innerhalb weniger Stunden in die Ballungszentren und Großmärkte nicht möglich ist. Das spiele bei Hortensien keine Rolle, so Becker. So werden heute vier Millionen getopfte Fertigpflanzen in verschiedenen Topfgrößen sowie vier Millionen bewurzelte Stecklinge zur externen Weiterkultur produziert.

Durch Zukauf und Pacht konnte die Fläche von 6.000 Quadratmetern unter Glas auf die heutige Größe erweitert werden, die vier Hektar Gewächshäuser, ein Hektar Kühlhäuser und 20 Hektar Freilandstellfläche umfasst.

Kötterheinrich ist GlobalGAP-zertifiziert

Der Hortensien-Betrieb ist GlobalGAP-zertifiziert, was wegen der umfangreichen Dokumentationspflichten recht personalintensiv sei. Kleine Betriebe hätten daher oft Schwierigkeiten, sich entsprechend zu organisieren. Außerdem gehört Kötterheinrich mit 13 weiteren Betrieben in NRW und wissenschaftlicher Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Nachhaltiger Topfpflanzenanbau an.

Die Züchtung neuer Sorten stemmt Kötterheinrich nicht alleine, sondern betreibt mit den Unternehmen Josef Heuger in Glandorf und André Smaal (Agriom) in De Kwakel das Gemeinschaftsunternehmen Hydrangea Breeders Association (HBA). Außerdem ist Kötterheinrich seit kurzem eine Züchtungsgemeinschaft mit dem sächsischen Züchtungshaus Kühne eingegangen. Ziel ist es, noch bessere Ergebnisse im Hinblick auf Winterhärte und Robustheit zu erlangen.

Zweifarbige Hortensien-Sorten im Trend

Kühne hat sich vor allem mit seinen Saxon-Sorten wie ‘Schloss Wackerbart’ oder ‘Gräfin Cosel’ einen Namen gemacht, die sich auch in klimatisch ungünstigeren Gebieten bewährt haben. „Die Sorten sind eine gute Ergänzung für die weitere Züchtungsarbeit“, ist sich Becker sicher. Ansonsten ging der Trend in den vergangenen Jahren verstärkt zu zweifarbigen Hortensien-Sorten, wie sie zum Beispiel durch ‘Adula’ oder eben auch ‘Gräfin Cosel’ repräsentiert werden.

Zunehmend rücken nun gefüllt blühende Sorten in den Fokus – und dies sowohl bei den Teller- als auch bei den Ballhortensien. Dabei sind laut Becker alle Farbschattierungen gefragt, neben den Klassikern Rosa und Blau zunehmend auch Mischfarben in Richtung Lila und Weiß-Schattierungen.

Schädlings- und Krankheitsresistenz wichtiges Züchtungsziel

Ein ganz wichtiges Züchtungsziel sei inzwischen die Resistenz gegen Schädlinge und Krankheiten, da der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer weiter eingeschränkt werde und auch der Verbraucher keine Pflanzenschutzmittel mehr wolle. „Wir sind da auf einem guten Weg, ich bin sicher, dass wir dieses Ziel schnell erreichen. Da hilft uns aber auch die Genetik, denn Hortensien sind von Haus aus ziemlich robust. Etliche andere Gehölze werden es da schwerer haben.“

Generell kann natürlich jede Hortensie nach ihrer Zeit im Topf als Gartenpflanze weiterkultiviert werden. Die Sorten haben aber spezifische Eigenschaften, die manche eher für die Kübelkultur prädestinieren, andere eher für die Verwendung im Beet.

Eine kompakte kleinblütige Neuheit, die Becker wegen ihres gedrungenen Wuchses besonders für Tischdekorationen und auch für kleinere Kübel empfiehlt, ist ‘Tabletensia’. Die Hortensie, die gerade auf der diesjährigen IPM in Essen den Innovationspreis abgeräumt hat, wird in den nächsten Jahren exklusiv von Kötterheinrich vertrieben. „Die ist schön flach und wirkt wie ein Blumenstrauß, da brauchen Sie kein Gesteck mehr auf dem Tisch“, ist Becker überzeugt.

Besonderheiten einzelner Hortensien-Sorten

Beim Rundgang durch die Gewächshäuser macht Becker auf die Besonderheiten einzelner Sorten aufmerksam. Blüten mit viel Grünanteil, interessante Farbkombinationen, gefüllte Blüten auch bei Tellerformen – die Vielfalt ist beachtlich. Auch bei der Größe der Blütenköpfe ist Vielfalt Trumpf, dazu kommen Stängel nicht nur in Grün, sondern auch einmal dunkel gefärbt, aber immer möglichst kräftig, um die Blüten aufrecht zu präsentieren. Mit ‘Diva Fiore’, gezüchtet bei Kühne, steht auch eine remontierende Form zur Verfügung.

Neben Macrophyllas züchtet Kötterheinrich nun auch Paniculata-Hybriden. Die Sorten zeichnen sich laut Becker dadurch aus, dass bereits an jungen Pflanzen an jedem Trieb eine Blüte sitzt.

Das komplette Porträt über Kötterheinrich Hortensienkulturen lesen Sie im TASPO extra Sortengalerie in der TASPO 14/2018 erschienen.