Grüne Branche

Porträt: Samenhaus Knieke – 100 Jahre einzigartige Samenvielfalt

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Die Samenhandlung gilt als Keimzelle des Gartencenters. Eine der wenigen verbliebenen ist das Samenhaus Knieke in Braunschweig. Mit einer großen Auswahl, guter Beratung und Service hebt sich das Samenhaus vom Gartencenter ab – und feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen.

2.500 verschiedene Sämereien auf nur 100 Quadratmetern

Auf nur 100 Quadratmetern bietet das Samenhaus Knieke in der Braunschweiger Innenstadt über 2.500 verschiedene Sämereien an. Die Produktpalette reicht weit über Saatgut hinaus. Neben Saatgut verkauft der gelernte Groß- und Einzelhandelskaufmann Peter Steinbach Pflanzen, Blumenzwiebeln, Pflanzkartoffeln, Futtermittel, Substrate, Dünger und alles rund um den Garten.

Werbung muss der Inhaber nicht viel machen, die lange Tradition und der gute Service sprechen sich herum. Das Einzugsgebiet geht weit über Braunschweig hinaus. Es kommen viele Kunden aus Wolfsburg, Gifhorn, Wolfenbüttel und dem Peiner Raum. Von den hohen Mieten in der Innenstadt lässt sich der Inhaber nicht abschrecken: „Vor ein paar Jahren sind wir von der gegenüberliegenden Straßenseite hierher gezogen und bezahlen jetzt nur noch die Hälfte.“

Jeder Quadratmeter im Geschäft wird vollkommen ausgenutzt, und wenn ein Kunde einen besonderen Wunsch hat, kann er sich etwas bestellen lassen. „Wir heben uns vom Gartencenter ab, indem wir dem Kunden ein vielfältiges Sortiment bieten“, so Inhaber Peter Steinbach. Flächenmäßig ist die Samenhandlung mit nur 100 Quadratmetern den großen Gartencentern deutlich unterlegen. Die unglaubliche Vielfalt, die gute Beratung und der Service sind es, womit sie sich auszeichnet.

Sortiment ist auf Laufkundschaft ausgerichtet

Das Samenhaus Knieke hat zwar drei Parkplätze im Hinterhof, trotzdem besteht die Kundschaft hauptsächlich aus Laufkundschaft. „Unser Sortiment ist auf die Innenstadt ausgerichtet. Es wird gekauft, was man in der Einkaufstüte tragen kann“, erklärt Steinbach. Darüber hinaus wird der Service angeboten, Kübel- oder Terrassen-Bepflanzungen und Privatgärten anzulegen, sowie die Innenraumbegrünung und Büropflege.

Während früher noch zahlreiche Samenhandlungen in den Städten zu finden waren, hat sich das Geschäft mit der Zeit außerordentlich gewandelt. Die Samen wurden damals noch einzeln abgewogen und aus den Holzschubladen heraus verkauft, dies ist heute aus Zeitgründen gar nicht mehr möglich. Die Samenhandlung Knieke ist mittlerweile die letzte verbliebene in Braunschweig. „Ich kenne nur wenige Samenhandlungen, die noch eine so große Vielfalt bieten wie wir“, so der Inhaber.

Seit 1919 in Braunschweig: Samenhaus mit langer Tradition

Das Samenhaus gibt es als Quedlinburger Samenniederlassung schon seit 1919 in Braunschweig. Peter Steinbach führt das Geschäft seit fast 30 Jahren, übernommen hat er es von einem Neffen von Gründer Knieke. Gravierende Veränderungen habe er in dieser Zeitspanne erlebt, sagt Steinbach – vor allem durch das Internet.

„In den 1990er Jahren waren wir ein Gartenfachgeschäft, das alles auch in kleinen Stückzahlen angeboten hat – von Regentonnen, Häckslern, Rasenmähern, Kompostsilos und Gartenzwergen wurde den Kunden alles auch über oft liefernde Großhändler bestellt. Dieses Geschäft haben inzwischen Internethändler übernommen, oder bei der Massenware die Baumärkte und Discounter. Dadurch werden unsere Lieferanten, etwa Großhändler für Gartenbedarf und kleinere Hersteller, immer mehr zum Aufgeben gezwungen, und die Vielfalt leidet dadurch“, so Steinbach.

Samenhaus Knieke musste sich „sehr spezialisieren“

Entsprechend musste sich das Samenhaus Knieke „sehr spezialisieren“, wie der Inhaber berichtet. Vor allem beratungsintensive Artikel wie eine eigene Rasensaat oder professionelle, auch in kleineren Gebinden verpackte Rasenstartdünger führt das Geschäft in der Braunschweiger Innenstadt inzwischen. „Ein praktikabler Streuwagen und eine Walze werden dann kostenlos ausgeliehen“, sagt Steinbach.

Immer mehr im Sortiment der Samenhandlung erweitert wurden empfindliche oder schnell verderbliche Waren. „Damit tun sich wohl Baumärkte vor Ort oder auch die Internethändler schwer“, vermutet Steinbach und ergänzt: „Durch Eigenverpackung sind wir natürlich flexibler und individueller als jeder große Markt oder Filialbetrieb.“

Kombination von Internet und stationär ermöglicht Sortiment

Um überhaupt ein so großes Sortiment führen zu können, ist für das Geschäft die Kombination von Internethandel und stationärem Handel enorm wichtig geworden. Die Idee für einen eigenen Shop entstand, als Steinbach in Hannover auf der Messe für aktive Freizeit (abf) Saatgut verkaufte. Um seine Kunden auch nach der Messe damit versorgen zu können und sein Sortiment zu präsentieren, entwickelte er einen Online-Shop.

Heute ist dieser wichtig, um Aufmerksamkeit zu erregen: „Viele kommen in den Laden und haben sich schon vorher im Internet über das Sortiment informiert“, so Steinbach, der mittlerweile über 3.000 Artikel in dem Shop anbietet. Kunden kaufen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das schwierige ist, zwischen der großen Konkurrenz im Internet auch gesehen zu werden. Daher investiert Steinbach viel in die Suchmaschinenoptimierung und versucht seinen Shop besonders übersichtlich aufzubauen.

Wichtig: Trends schnell erkennen und fundiert dazu beraten

Wichtig sei darüber hinaus natürlich auch, einen Trend schnell zu erkennen. So habe das Samenhaus Knieke etwa in den vergangenen Jahren einen enormen Umsatz mit speziellem Wintervogelfutter gemacht. Futterhäuser und -stationen, Insektenhotels sowie Fruchtmeisenknödel, Mehlwürmer oder Beerenmischungen wurden vom NABU oder den Vogelschutzbunden zur Ganzjahresfütterung empfohlen. „Und wir haben alles zu bieten. Auch Saatgut von Schmetterlings-, Bienen- oder Nützlingswiesen wird in allen Varianten angeboten“, erklärt Steinbach.

Das Entscheidende, so der Inhaber, sei die fundierte Beratung, die es bei ihnen im Geschäft gebe. „Wenn wir weiter so auf Kundenwünsche eingehen, gut und ehrlich beraten, kann es vielleicht die nächsten 100 Jahre mit dem Samenhaus Knieke weitergehen.“