Praxisstimmen: gute Erfahrungen mit Torfersatz im Gartenbau

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Wildstauden-Produktion in torffreiem Substrat. Foto: Schachtschneider

Torf ist für den Gartenbau ein bisher nur schwer und oft nur in Teilen zu ersetzender Substratrohstoff, das ist bekannt. Fragt man aber Produzenten, die sich auf das Abenteuer, torfreduzierte Substrate einzusetzen, längere Zeit eingelassen haben, so erhält man sehr viel positives Feedback. Wir haben dazu Produzenten-Stimmen gesammelt.

„30 Prozent Torfersatz sind bei uns mittlerweile Standard“

„Wir arbeiten schon seit zehn Jahren mit Torfersatz, anfangs nur bei Stauden – und das mit großem Erfolg“, sagt beispielsweise Hermann Henken, Kulturleiter bei Freese Gartenbau (Großefehn). Das Unternehmen kultiviert Hortensien, Stauden, Chrysanthemen und Poinsettien. „Mittlerweile haben wir es bei allen Kulturen geschafft, mindestens 30 Prozent Torf im Substrat zu ersetzten, das ist bei uns Standard. Bei einigen Kulturen und Topfgrößen wie Hortensien im Drei-Liter-Container ersetzen wir sogar bereits 50 Prozent Torf. Als Torfersatz verwenden wir vor allem bis zu 30 Prozent Holzfasern, außerdem Cocopeat oder Kompost. Unsere anfänglichen Bedenken bezüglich der Stickstoff-Festlegung haben sich nicht bestätigt – wir führen regelmäßige Bodenproben durch und können dadurch bei Bedarf auch schnell reagieren und düngen. Bisher läuft das alles aber unauffällig.“

„Für hochwertigere Kulturen rentabel“

Da das torfreduzierte Substrat teurer als das normale Torfsubstrat ist, sieht Peter de Winkel, Produzent von Heidepflanzen (Goch-Kessel), vor allem bei seiner neuen Kultur Pernettya mucronata Potenzial. „Hier ist die Preisstruktur einfach anders als bei unserer Hauptkultur Callunen, bei der die Kunden schon bei einer Preiserhöhung von einem halben Cent pro Pflanze Widerstand leisten würden“, sagt der Gärtner. „Nach meinen bisherigen Erfahrungen ist vor allem die Stickstoffversorgung im torfreduzierten Substrat anders: Der legt sich schneller fest, wird später aber auch wieder abgegeben, darauf muss man sich bei der Düngung einstellen“, so de Winkel, der mit Holzfaser und Cocopeat in einem fest zusammengemischten Substrat als Torfersatz arbeitet.

„Wildstauden produzieren wir komplett torffrei“

Stauden Schachtschneider produziert inzwischen sein komplettes Wildstauden-Sortiment torffrei. „Das Substrat sackt am Anfang etwas stärker zusammen als Torfsubstrat, was durch unsere Mulchschicht aber nicht weiter ins Gewicht fällt. Ansonsten bereiten weder Bewässerung über Gießwagen noch Düngung Probleme – man muss einfach wissen, dass öfter nachgedüngt werden muss, da wir rein organisch düngen“, berichtet Finn Schachtschneider. „Unser Substrat besteht zu je 30 Prozent aus Holzfasern, Rindenhumus und Cocos plus zehn Prozent Vulkanton. Wobei wir den Anteil Kokos aus Nachhaltigkeitsgründen auf Dauer ersetzen möchten. Über alle Kulturen in unserem Sortiment betrachtet, haben wir mittlerweile einen Torfanteil von unter 50 Prozent im Substrat erreicht.“ In diesem Jahr will der Betrieb den Torfanteil im Standardsubstrat auf 30 Prozent absenken und mittelfristig komplett auf den Einsatz von Torf verzichten. „Allerdings ist ein hoher Torfersatz bei einem so breiten Sortiment an Stauden, wie wir es haben, sicherlich mit weniger Risiko verbunden als bei Monokulturen im Zierpflanzenbau“, so Schachtschneider.

► Der komplette Beitrag über die Erfahrungen von Produzenten mit Torfersatz ist im TASPO extra Torf & Humus in Ausgabe 47/2020 erschienen. Darin finden Sie außerdem vielfältige Statements von Substrat-Herstellern sowie spannende Projekte zu diesem Thema.