Grüne Branche

Probeanbau: Nicht alle Gemüsearten mögen Terra Preta

Nicht alle Gemüsearten mögen kompost- und holzkohlenhaltige Substrate wie sie in den neuen Terra-Preta-Erden zu finden sind. Was Tomaten und Zucchini locker „wegstecken“, kann für Aussaaten und Kräuter, für Erdbeeren und Erbsen zu viel sein. Das wissen Gartenprofis schon lange. Und so überraschten die Ergebnisse eines Probeanbaues der Bayerischen Gartenakademie mit modernen Varianten der schwarzen Wundererde der Indios „Terra Preta“ nicht.

In den Kistenbeeten, die Marianne Scheu-Helgert mit Terra Preta füllte, gediehen viele Gemüsesorten. Foto: LWG Veitshöchheim

Gartenbau-Ingenieurin Marianne Scheu-Helgert hatte 2013 die Hochbeete im Mustergarten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim mit unterschiedlichen, modernen Terra-Preta-Produkten gefüllt. Für sie bestätigt sich eine Erfahrung: Erbsen mögen kompost- und holzkohlenhaltige Erden nicht, wenn sie mehr als zwei Gramm Nährsalz pro Liter enthalten. Auch Basilikum schien anfangs nicht sehr angetan, zumal es im Frühjahr 2013 recht kalt war. Alle anderen Salate und vor allem Fruchtgemüse gediehen gut. Ihr Tipp: Auf die Angaben der Inhaltsstoffe der Erden achten! Weniger Nährstoffe können für Kräuter und gesäte Jungpflanzen manchmal mehr sein!

Terra Preta preist so mancher Freizeitgärtner als neue Wundererde für den Garten. Doch von ihrem historischen Vorbild sind die heute auf dem Markt erhältlichen Sorten weit entfernt. „Die ursprüngliche Terra Preta ist im Durchschnitt 1.000 bis 2.000 Jahre alt und vor allem im Amazonasbecken anzutreffen“, erklärt Scheu-Helgert. Im feuchten tropischen Regenwald wäscht der tägliche Regen fast alle Nährstoffe aus dem Erdreich. Pflanzen fassen daher nur schwer Fuß. Die Indios entwickelten eine Methode, diese armen Böden dauerhaft fruchtbar zu machen. Sie sammelten ihre Abfälle – Holzkohlenreste vom Herdfeuer, Tonscherben, Bio-Müll, tierische und menschliche Fäkalien – kompostierten sie und brachten sie auf ihre Felder auf. So entstanden im Laufe der Jahrhunderte oft bis zu zwei Meter dicke, schwarze Terra-Preta-Schichten.

„Deren Vorteil lag vor allem in der strukturgebenden Holzkohle. Rund 2.000 Jahre braucht diese, bis sie abgebaut ist. In dieser Zeit gibt sie dem Boden nicht nur luftige Stabilität“, betont Scheu-Helgert. Weil sie in hohem Maß für die Pflanzen verfügbare Nährstoffe, Wasser und vor allem umweltschädliche Kohlenstoffe bindet, trägt die lockere, schwarze Erde der Indios dazu bei, im Amazonasbecken – und übrigens auch in anderen tropischen Regionen – unfruchtbare Böden langfristig in fruchtbare zu verwandeln.

„Mit der Ur-Terra-Preta haben die modernen und unter unterschiedlichen Namen angebotenen Erden in der Regel jedoch nur die Holzkohle gemein“, meint Scheu-Helgert. „Verkohlen lassen sich alle kohlenstoffhaltigen, pflanzlichen und tierische Stoffe. So sind inzwischen Pflanzenkohlen der unterschiedlichsten Qualitäten auf dem Markt. Für den Verbraucher sind deren Vorzüge oder Nachteile nur schwer zu erkennen.“

Pyrolyse und Hydrothermale Karbonisierung (HTC) sind gängige Verfahren zur Herstellung von Pflanzenkohlen aus grünen Abfällen. Ihre Qualität hängt vom Ausgangsmaterial ab. Und ihre Anwendungsgebiete sind nicht auf Erden beschränkt. Pflanzenkohlen werden für die Futtermittelsilage, als Güllezusatz, als Stall-Einstreu, als Futterzusatz, als Nahrungsergänzungsmittel (E152), als Filtermittel für die Abwasserreinigung, für Boden- und Seewassersanierung, als Wasserzusatz für Fischzucht und Aquarien, als Saatgutpellets, als Isolationsmaterial für den Hausbau und als Pellets für Metallurgie oder Heizung eingesetzt. Pflanzenkohle dient als Ausgangsstoff für Kohlefaser und Kunststoffe. Und weil sie CO2 speichert, hilft sie – abhängig von ihrer Produktions- und Verarbeitungsart – unter Umständen auch beim Schutz des Klimas.

„Die Technologie besitzt enormes wirtschaftliches Potenzial“, ist Scheu-Helgert überzeugt. Ob es jedoch sinnvoll ist, diese neue Terra Preta auf fruchtbaren Gartenböden auszubringen, wagt sie zu bezweifeln. Zwar sei die wasser- und nährstoffspeichernde Wirkung unbestritten und Produkte hoher Qualität könnten sinnvoll sein, „Doch wir wissen noch nicht sehr viel über die Wirkungsweisen von Pflanzenkohlen“, bedauert sie. Ertrags- und Wachstumssteigerungen seien bei guten Böden eher unwahrscheinlich, gewisse Einsparungen bei Dünger und Bewässerung möglich. Wer jedoch über arme, oft sandige Böden klagt, auf denen bislang gar nichts zu wachsen scheint, der könne es getrost mit Terra Preta Nova versuchen. (ts)