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Projekt Kinderwelten: ein Spielplatz auf dem Friedhof

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Ein Kinderspielplatz auf dem Friedhof: Damit wurde auf dem Karlsruher Hauptfriedhof eine kindgerechte Anlage geschaffen, die trauernden Kindern einen Ort bietet, um ihren Gefühlen und Gedanken – also ihrer gesamten Situation – zu begegnen.

Blick auf den Kinderspielplatz auf dem Hauptfriedhof in Karlsruhe. In der „Trauerwelt“ sind die Schaukeln festgestellt. Foto: Matthäus Vogel

Für Kinder ändert sich durch den Tod vieles

„Mit dem Projekt ‚Kinderwelten‘ ist ein weiterer Baustein unserer Karlsruher Friedhofs- und Bestattungskultur entstanden, erklärt Matthäus Vogel, Leiter des Friedhofs- und Bestattungsamtes in Karlsruhe. Für Kinder, die eine wichtige Bezugsperson – wie ein Eltern- oder Großelternteil oder Geschwister – durch den Tod verlieren, ändere sich vieles, zeigt Vogel auf. Die Sicherheit innerhalb der Familie sei plötzlich zerbrechlich, trauernde Kinder und Jugendliche sind oft verunsichert. Zudem müssten manche trauernden Kinder innerhalb der Familie ein hohes Maß an Verantwortung übernehmen – oft mehr, als sie tragen können.

Kinder spielen auf dem Friedhof leise im Sand

Der Spielplatz auf dem Karlsruher Hauptfriedhof ist zweigeteilt. Auf der einen Seite gibt es den „ganz normalen“ Spielbereich mit „leisen“ und funktionierenden Spielgeräten. Sandkasten, Rutsche, Schaukel und Wackeltiere sollen die heile Welt der Kinder symbolisieren. Dieser Teil der Kinderwelten kann jederzeit von Friedhofsbesuchern mit Kindern genutzt werden, mit Rücksicht auf andere Friedhofsbesucher.

Dabei beobachtet Vogel oftmals, dass Kinder die besondere Atmosphäre eines Friedhofes deutlich spüren und sich anders verhalten als auf einem Spielplatz in der Stadt. „Hier bei uns spielen sie beispielsweise leise im Sand“, sagt der Leiter des Karlsruher Friedhofs- und Bestattungsamtes.

Brücke verbindet „heile Kinderwelt“ und „Trauerwelt“ des Spielplatzes

Von der „heilen Kinderwelt“ führt eine Brücke in die veränderte „Trauerwelt“, in der auch Spielgeräte aufgestellt wurden. Aber hier bewegt sich die Schaukel kaum, da arretiert. Im betonierten Sandkasten sind die Spielgeräte fixiert, die Wackeltiere stehen fest. An den Spielgeräten im Bereich der Trauerwelt findet der Besucher Aussagen von betroffenen Kindern. So steht auf einem großen Stein geschrieben: „Mama soll sich nicht so viele Sorgen um uns Kinder machen“.

Ein Holzbildhauer hat für diesen Spielplatzteil Stelen gefertigt, die die veränderte Rolle der trauernden Kinder „ohne Worte“ eindrucksvoll darstellen, so Vogel.

Weitere Beiträge zur Bestattungs- und Trauerkultur finden Sie in unserer elfmal im Jahr erscheinenden Fachzeitschrift Friedhofskultur.