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Projekt: neue Form der Gewächshaus-Eindeckung

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Eine neue Form der Gewächshaus-Eindeckung – und zwar mit vakuumgedämmten Gewächshaus-Fertigbauelementen mit Solarglas und einem Rahmen aus einem neuen, vakuumdichten Spezialbeton – ist Mittelpunkt eines vom Land Hessen geförderten Projekts. Die Initialzündung dafür kommt aus dem Gartenbau.

Ziel des Projekts ist es, das System zur Praxisreife zu entwickeln, als Prototyp umzusetzen und wissenschaftlich zu evaluieren. Konsortialführer ist die Hochschule Geisenheim University (Dr. Johannes Max), Partner sind die TU Darmstadt (ISMD und WIB) und G.tecz Engineering aus Kassel. Die TASPO sprach darüber mit Stefan Lück, Gartenbau-Unternehmer aus Friedberg und Initiator der Idee.

Was ist die Besonderheit dieser neuen Gewächshaus-Eindeckung?

Zum einen das Schutzvakuum im Rahmen (patentiert), zudem die Möglichkeit, Sonnenschutzelemente im Scheibenzwischenraum zu integrieren und eine optionale Heizung/Kühlung über die Glasflächen sind Besonderheiten dieser modularen Bauweise.

Die hohe Stabilität der Einzelelemente soll den weitgehenden Verzicht auf zusätzliche Unterkonstruktionen und somit niedrige Investitionskosten ermöglichen. Im Vergleich zu Dreifach-Verglasung wird eine um den Faktor drei verbesserte Wärmedämmung bei gleichzeitig höherem Lichtdurchlass erwartet.

Wie weit ist das Projekt bisher?

Projektziel ist ein funktionsfähiger Prototyp mit dem Maß 2x1 Meter und das Konzept zur Umsetzung als Gewächshaus. Es handelt sich bei dieser Bauweise um einen komplett neuen Ansatz, bei dem sowohl die Verwendung von UHPC (ultrahochfestem Beton) als auch der atmosphärische Druck von 10 to/m² eine echte Herausforderung darstellen. Entwicklung und Versuche finden in mehreren Arbeitspaketen parallel statt und wir liegen im Zeitplan.

Welche belegbaren Vorteile haben sich bisher gezeigt?

Mit der Grobvakuumdämmung (2 mbar Restdruck) und dem großen Scheibenzwischenraum wird der angestrebte U-Wert von 0,2 W/(m² x K) erreicht werden und es gibt genügend Raum für die Integration beispielsweise von Sonnenschutzelementen. Sowohl im Winter bei kalten Außentemperaturen als auch in heißen Sommern ist das sehr relevant.

Und die nächsten Schritte?

Klare Zielsetzung ist, das bestehende Netzwerk weiter auszubauen und um finanzstarke Partner zu ergänzen. Nach Projektende am 31. August mit dem finalen Prototyp sollten die Voraussetzungen dafür gut sein, und die technologische Reife für ein größeres Demonstrationsprojekt ist dann gegeben.

Für solche Vorhaben mit Fokus auf energiesparendes Bauen, Energieeffizienz, CO2-Reduktion und auch Nahrungsmittelproduktion ist das Angebot an nationalen und europäischen Fördermitteln in letzter Zeit deutlich größer geworden. Das Volumen (839.000 Euro, davon 469.000 Euro Fördermittel) des im Rahmen von LOEWE 3 (Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz, Land Hessen) durch das Land Hessen geförderten Forschungsprojekts „GIFpro“ zeigt, dass das Thema ernst genommen wird.

Wann wird das System praxisreif sein?

Ende 2021 soll die Serienfertigung stehen und die technologische Reife durch die Umsetzung in einem Demonstrationsvorhaben bewiesen sein. Also Ende aktuelles Projekt plus drei Jahre.